Einweihungsfeier in Niederzissen

Ehemalige Synagoge ist jetzt eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte

Feierstunde in der ehemaligen Synagoge von Niederzissen: Ortsbürgermeister Richard Keuler (links) erläutert den Gästen das Relief der US-Künstlerin Steffi Friedman.

NIEDERZISSEN. "Wir schätzen das sehr, sehr. Wir werden in Israel darüber berichten." Das sagte am Sonntagnachmittag in der ehemaligen Synagoge von Niederzissen Sara Berger dem GA. Die 67-Jährige aus einer Kleinstadt zwischen Tel Aviv und Haifa war extra aus Israel zur Einweihung der Erinnerungs- und Begegnungsstätte in dem einstigen Gotteshaus angereist.

Sie und mehrere Hundert Gäste, die Einweihung wurde per Lautsprecher auf die gesperrte Straße übertragen, wurden Zeuge, wie Kantor Jürgen Ries von der jüdischen Gemeinde Neuwied zum ersten Mal seit 74 Jahren vor dem einstigen Thoraschrein den Psalm 130 "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir" auf Hebräisch sang. Wie berichtet, hat die Gemeinde Niederzissen gemeinsam mit dem Heimat- und Kulturverein des Ortes in den vergangenen beiden Jahren der Synagoge, in der über Jahrzehnte hinweg eine Schmiede untergebracht war, zu neuem Glanz verholfen.

Das fand Anerkennung auch in den USA. Larry Friedman aus Connecticut enthüllte gestern gemeinsam mit dem sichtlich bewegten Bürgermeister Richard Keuler das von seiner Mutter Steffi geschaffene Relief "Never again" als Mahnmal des Holocausts in der früheren Thora-Nische. Darunter stehen die Namen aller 29 aus Niederzissen deportierten und ermordeten jüdischen Mitbürger. Messingtafeln in Deutsch und Englisch erinnern an die Stiftung.

Aus den USA eingeflogen

Mit Tochter Verena war Harvey Berger aus den USA eingeflogen. Er ist Enkel von Richard Berger, dem letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde Niederzissen und Mitbegründer der dortigen Feuerwehr. Es war sein dritter Besuch im Brohltal. Und angesichts des vollbrachten Werkes fand er in seiner ansonsten englischen Ansprach auf Deutsch: "Ich habe eine Familie in Niederzissen."

Sein Dank gelte "vom Grunde meines Herzens und meiner Seele" der Gemeinde. Mit einer Plakette würdigte er das Wirken von Brunhilde Stürmer, die über Jahrzehnte hinweg vom Brohltal aus den Kontakt zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern gehalten und wertvolle Dokumentationsarbeit geleistet habe. Und er richtete Grüße von Tante Carry Berger aus. Die 97-jährige aus Silver Springs wäre gerne gekommen, "doch das hätte sie emotional zu sehr mitgenommen".

Zwei Mesusot hatte Sara Berger in Jerusalem gekauft und mitgebracht. Symbolisch wurden die Behälter mit Versen aus dem Deuteronomium unter Segensgesängen von Kantor Ries an den rechten Pfosten der beiden Türen angebracht. Würdigung und Anerkennung für die Renovierung der ehemaligen Synagoge gab es beim anschließenden Festakt in der Bausenberghalle von Staatssekretärin Beate Reich, Michael Krautzberger von der Stiftung Denkmalschutz, Landrat Jürgen Pföhler und Bürgermeister Johannes Bell.