Edelhoffstift an der Hauptstraße in Bad Honnef steht zum Verkauf

Ein Heim mit Geschichte - Wohltäter der Stadt errichtete es 1870

Bad Honnef. (oro) Die Fontäne des Springbrunnens schießt nach oben. Die Sonnenstrahlen fallen auf das herrschaftliche Anwesen an der Hauptstraße 8. Alles ganz normal. Nur das Schild eines Immobilienunternehmens weist auf eine Veränderung hin.

Das Edelhoffstift steht zum Verkauf. "Es war ideal für uns. Unten hatten wir eine großzügige Bürofläche, oben haben wir gewohnt. Aber nach dem Auszug unserer Kinder und der Verlagerung der Büros unserer Gesellschaft nach Königswinter ist das Gebäude zu groß für uns", so Peter und Christine Albrecht, Eigentümer und Geschäftsführer der Rhenania Seniorenresidenzen GmbH, zu der auch die Parkresidenz gehört, die an das Areal des Edelhoffstiftes angrenzt.

Es ist ein Heim mit Geschichte. Und jeder Quadratzentimeter dieser gepflegten Immobilie strahlt das aus. Fast fünf Meter hohe Räume, wertvoller Stuck, Handmalerei auf den Fliesen im Treppenhaus sind Stichworte für die 555 Quadratmeter Wohnfläche. Offene, halbrunde Durchgänge verbinden die Zimmer.

Allein die Doppelfenster sind zwei (Durch)blicke wert. "Wir haben bei der Renovierung in anderen Honnefer Villen recherchiert, denn wir waren entgegen der Ansicht des Denkmalpflegers der Meinung, es müssten weiße Fenster sein.

Und dann haben wir solange gekratzt, bis wir auf die unterste Schicht gerieten, und die war weiß", erinnert sich Peter Albrecht an die Zeit Mitte der achtziger Jahre, als Familie Albrecht die ehemalige Kurklinik "Drachenfels" in eine Seniorenresidenz umwandelte und das spätklassizistische Edelhoffstift herrichtete.

Erbaut wurde das Edelhoffstift um 1870 von Matthias Heinrich Göring und seiner Frau Charlotte. Er stammte aus einer wohlhabenden, calvinistischen Beamtenfamilie aus Düsseldorf. Das Paar engagierte sich in Honnef und in der evangelischen Gemeinde - mit Taten und finanziellen Zuwendungen. Sie schenkten der Kirchengemeinde ein Haus und für die neue Kirche die Orgel.

Zu ihrer Goldhochzeit 1901 stifteten sie der Stadt 5 000 Reichsmark. 1876, bald nach der Übersiedelung nach Honnef, war Matthias Heinrich Göring Kirchmeister geworden und errang sich viele Verdienste. Die Stadt verlieh ihm 1910 das Ehrenbürgerrecht. 1913 starb Charlotte Göring, drei Jahre später ihr Mann. Nach dem Träger des Rothen Adlerordens wurde die ehemalige Rommersgasse als Göringallee benannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde daraus Am Spitzenbach: Weil der Name Assoziationen an einen anderen wachrief, mit dem der mildtätig wirkende Honnefer Göring allerdings rein gar nichts zu tun hatte. Später wurde die Villa an den Remscheider Industriellen Johann Wilhelm Edelhoff verkauft.

Er vererbte sie seiner Heimatstadt, unter der Bedingung, sie als Kinderheim zu nutzen. 1964 wechselte sie als Edelhoffstift in das Eigentum der Stadt Bad Honnef. Das Kleinod wurde umfangreich saniert und diente als Haus des Kurgastes.