GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Dring, don dä Vrengel vür de Porz, de Säu jon talpe

Katharina, leg den Hebel vor die Tür, die Schweine wollen fliehen.

Katharina, leg den Hebel vor die Tür, die Schweine wollen fliehen.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Die hier ist eine echte Herausforderung für jeden Freund der rheinischen Redensarten. Aber ich kann schon mal versprechen: Es lohnt sich. Denn selbst wenn dieser Satz bei weitem nicht zum Standardmobiliar des handelsüblichen rheinischen Sprachschatzes gehört, so weist er doch einige Merkmale auf, die uns an dieser Stelle immer wieder begegnen.

Aber zunächst zur schnöden Übersetzung: „Dring, don dä Vrengel vür de Porz, de Säu jon talpe.“ Hier haben es wenigstens die Nichtrheinländer mit gleich mehreren erklärungsbedürftigen Vokabeln zu tun. Da wäre zunächst Dring, was die direkte namentlich Ansprache einer Person darstellt. Es ist Katharina, die im Dialekt mit Tring oder Dring abgekürzt wird. Der Vrengel ist ein Riegel, und die Porz bezeichnet die Türe oder das Tor. Schwierig ist vielleicht noch das Verb talpe. Im engeren Sinne bedeutet das „gehen“, üblicherweise ist die Bedeutung aber eingeengt auf eine Fluchtbewegung. Nimmt man also alles zusammen, so bedeutet der Satz wörtlich: Katharina, legt den Riegel vor das Tor, die Schweine wollen fliehen. Alltagsnäher könnte man auch sagen: Katharina, mach das Tor zu, sonst hauen die Schweine ab.

Nun wird der Satz meistens mit einiger Hast und in dringlichem Ton gesprochen, so dass man gleich merkt, hier ist Gefahr in Verzug. Jetzt mag jemand einwenden: Aber diese Situation kommt doch heutzutage kaum noch im Alltag vor. Sie stammt wie so oft bei rheinischen Redewendungen aus dem landwirtschaftlichen Leben, das inzwischen nicht mehr zur Lebenswirklichkeit der meisten Menschen gehört. Da sagen wir: Ganz genau. Und deshalb müssen wir auch seine übergeordnete Bedeutung beleuchten.

Denn der Satz wird immer dann benutzt, wenn man schnell handeln muss (sic!). Es gibt sie ja noch die Alltagssituation, in denen fix zu reagieren ist. Dann nützt es auch nichts, sich erst einmal hinzusetzen und ausführlich nachzudenken. Es gilt vielmehr der Satz von Mephisto in Goethes Faust: „Vergebens, dass Ihr ringsum wissenschaftlich schweift, ein jeder lernt nur, was er lernen kann, doch der den Augenblick ergreift, das ist der recht Mann.“ Oder Frau.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben.