GA-Serie „Rheinische Redensarten“

Dräck schuet de Maare

Dreck scheuert den Magen.

Dreck scheuert den Magen.

Bonn. In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Unsere heutige Rheinische Redensart ist Ausdruck des häufig zelebrierten Kulturkampfes Stadt und Land, gestern und heute. Fast jeder Rheinländer kennt die Formulierung „Dräck schuet de Maare“. Wörtlich übersetzt heißt das: Dreck scheuert den Magen. Auf Anhieb klingt das wie ein Widerspruch, denn es soll bedeuten, dass Dreck den Magen reinigt. Tatsächlich handelt der Satz vom Thema Hygiene.

Mundartsprecherin Wilhelmine Schönenberg erinnert sich: „Das hat meine Mutter oft gesagt, wenn wir schon in den Apfel gebissen hatten, er aber noch nicht gewaschen war.“ Und Elisabeth Schleier ergänzt: „Es hieß auch oft: Lass das Kind ruhig im Rinnstein spielen, sei nicht so pingelig, Dreck scheuert den Magen.“ Dialektsachverständiger Hans Nolden berichtet: „Da ist ja viel Wahres dran, heutzutage gibt es vor allem in der Stadt Allergien noch und nöcher, weil bei diesem hohen Hygienestandard die körperlichen Abwehrkräfte nichts mehr haben, gegen das sie sich wehren müssen.“ Auf dem Land seien solche Überreaktionen viel seltener.

Ob dem tatsächlich so ist, sei einmal dahingestellt. Das Gefühl, dass man früher mit dem Thema Dreck anders umgegangen ist, teilt auch Josef Schwalb: „Die Redensart ist gedacht für Leute, die so pingelig sind, dass sie ein Bonbon, das in den Dreck gefallen ist, nicht mehr essen. Früher haben wir das aufgehoben, abgerieben und weiter gegessen.“ Und Liesel Lorscheidt bestätigt die Beobachtung, dass in ihrer Jugend gerade die leicht unsauberen Mitschüler seltener krank waren, weil sie offenbar ihre Abwehrkräfte regelmäßig schulten.

Und es gibt die Geschichte von dem Nachbarn, der hauptberuflich Biologe ist und der den Plastiksandkasten seiner Kinder vorsichtshalber nicht mit Sand füllte, sondern leer ließ, weil sich darin Krankheitserreger entwickeln könnten. Selbstverständlich waren diese Kinder mindestens so oft krank wie ihre Altersgenossen, wenn nicht sogar häufiger.

Die Artikel zum rheinischen Dialekt entstehen in Zusammenarbeit mit dem Heimatfilmer Georg Divossen (www.bönnsch-abc.de).

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