GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Do bess ävver ne Bubbelsbroder

Du bist aber ein Bubbelsbruder.

Du bist aber ein Bubbelsbruder.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Wofür ist der Rheinländer bekannt? Für seine Zurückhaltung? Seine Schüchternheit? Seine Verschwiegenheit? Nein, das Gegenteil ist der Fall. Der Mensch rheinischer Provenienz, das weiß man von den Alpen bis zur Nordsee, ist gesellig und redselig. Man könnte hierzulande sagen: Kommunikation ist alles. Davon handelt der Satz: „Do bess ävver ne Bubbelsbroder.“ Um den Zugezogenen über die erste Hürde zu helfen, übersetzen wir: „Du bist aber ein Bubbelsbruder.“

 Was aber heißt in diesem Zusammenhang „bubbeln“? Der große Kölner Sprachforscher Adam Wrede schreibt in seinem Neuen kölnischen Sprachschatz von 1956: „bubbele: lautmalend 1. eifrig, schnell, viel, sprudelnd sprechen, geschwätzig sein.“ Und weiter: „Bubbel: 1. allgemein Schwatz, Schwätzchen, Geschwätz“. Man hört schon heraus, dass die Sache mit dem Bubbeln nicht gerade gut beleumundet ist, ja es hat ein bisschen den Beigeschmack des Sprechens ohne übermäßig tiefgängigen Inhalts. Da ist es durchaus konsequent, dass die stimmungsaufhellende Flüssigkeit namens Alkohol gerne Bubbelwasser genannt wird.

 Nun müssen wir an dieser Stelle ganz energisch das Bubbeln rehabilitieren. Denn es gab Zeiten, da hat man noch direkt miteinander gesprochen. Im Schankraum der Kneipe versammelten sich die Stammtische. Ob Postbote, Bauern, Polizisten oder Viehhändler. Da gab es kaum ein Tabuthema. Man hat sich ausgetauscht, wichtige Informationen in Umlauf gebracht und auch über Lokalnachrichten diskutiert. Wenn jemand etwas Falsches behauptete, konnte man es direkt richtig stellen, entweder mündlich oder handgreiflich.

Ach, das waren schöne Zeiten, wenn man bedenkt, dass heute all das über die Handcomputermedien abgewickelt wird. Und jeder sitzt in seinem stillen Kämmerlein oder Örtchen und kommentiert das Welt- und Dorfgeschehen, ohne sich verantworten zu müssen für Tonfall und Inhalt seiner Äußerungen. Und Tante Emma gibt es nicht mehr. Die Bubbelsbröder sind überall verschwunden! Überall? Nein, ein Dorf stellt sich dem Niedergang des Bubbelns entgegen. In Swisttal-Ollheim hat sich die Institution der „Bubbelsbröder“ in Form der gleichnamigen Karnevalsgesellschaft erhalten. Dort treffen sich seit 38 Jahren alle, die nach alter Väter Sitte weiterhin direkt miteinander sprechen wollen. Ein echtes Vorbild!

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.