Die rollende "Spürnase"

Mit einer Detektoranlage sucht der Traktor an der L 113 bei Flerzheim nach Munition.

SWISTTAL/RHEINBACH. Bezirksregierung lässt in Flerzheim avisierte Kiesabbau-Fläche auf Kampfmittel untersuchen. Ein Trecker auf einer Weide an der Landstraße 113 zwischen den Flerzheimer Kiesgruben und dem Waldrand nahe Volmershoven - soweit nichts Ungewöhnliches. Anders verhielt es sich da mit der Aufschrift "Kampfmittelräumung" auf dem Traktor, der gestern die Fläche systematisch mit einer Detektoranlage abfuhr, die gefährliche Kriegshinterlassenschaften aufspüren soll.

Jennifer Spitzner von der Pressestelle der Kölner Bezirksregierung teilte auf Anfrage des General-Anzeigers mit, dass eine Firma mit der Oberflächendetektion beauftragt worden sei, die dann ausgewertet werde. "Wenn etwas gefunden wird, fahren unsere Spezialisten raus", sagte sie. Über den Grund der Fahrt konnte sie nichts sagen. "Die jeweilige Kommune wendet sich an uns mit dem Auftrag zur Oberflächendetektion, und wir beauftragen damit spezielle Firmen", so Spitzner. Nach Informationen des GA handelt es sich um eine Routine-Untersuchung zur geplanten Erweiterung des Kiesabbaus in Richtung Gemeinde Alfter.

Am 16. Dezember steht die Entscheidung des Regionalrats der Bezirksregierung über einen neuen Regionalplan an. Damit verbunden ist die Entscheidung über die Ausweisung neuer Kiesabbaugebiete in der Region Kottenforst/Ville. Wie der Landschaftsschutzverein Kottenforst (LSK) dazu mitteilt, hat er gegenüber allen 41 Mitgliedern des Regionalrats schriftlich seine Einwände gegen die von der Bezirksregierung vorgeschlagene Erweiterung der Flerzheimer Kiesgrube in Richtung Buschhoven dargelegt. Auch im Namen der Buschhovener Bevölkerung fordert der LSK den Regionalrat auf, die Erweiterung abzulehnen. Dafür werden sieben Gründe genannt, darunter die mit einer Erweiterung verbundene Zerstörung einer vielgenutzten Naherholungslandschaft mit guten Ackerböden und schönen Fernblicken auf das Voreifelgebirge sowie erhöhte Lärm- und Staubbelästigung.

Der LSK argumentiert, dass in die Planungshoheit der Gemeinde Swisttal eingegriffen werde, da es in dem Bereich einen rechtskräftigen Bebauungsplans gebe. Weitere Kritikpunkte sind der hohe Flächenverbrauch, die Schwächung des Waldverbundkorridors und die Schädigung des Kottenforsts zwischen den Kiesgruben Flerzheim und Witterschlick. Hinzu komme der drohende Kumulationseffekt wegen vieler sich vergrößernder Kies- und Tongruben sowie die Verschmutzung des Grundwassers und damit die Gefährdung der Trinkwasserversorgung aus dem Wasserwerk in Heimerzheim. "Wir betonen vor allem die Wichtigkeit der beiden zuletzt genannten Einwände. Da sich hier unterschiedliche Expertenmeinungen gegenüberstehen und die Bezirksregierung unseren Antrag auf eine neutrale Untersuchung der Grundwasserströme abgelehnt hat, muss angesichts der Wichtigkeit der öffentlichen Gesundheit bei Zweifeln jedes Risiko für die Menschen vermieden und allein aus diesem Grund die Erweiterung abgelehnt werden", betont der LSV-Vorsitzende Thomas Klodt.