Die Stadt bekommt fast 1,5 Millionen Euro

Die Bad Honnef AG erzielt höhere Umsatzerlöse als im Vorjahr und schüttet eine hohe Dividende aus - Verringerte Abgabe beim Erdgas - Vorstand unterstellt der Bürgerinitiative Gaspreis-Widerstand "Bauernfängerei"

Bad Honnef. Die Bad Honnef AG hat auch in 2005 wieder ein gutes Geschäftsjahr hingelegt. So weisen die Umsatzerlöse insgesamt wieder einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr aus.

Die Bilanzsumme beträgt 48,2 Millionen Euro, 1,3 Millionen werden der Rücklage zugeführt, 1,5 Millionen Euro - und somit 300 000 Euro mehr als im Vorjahr - sollen als Dividende ausgeschüttet werden. Dem stimmte die Hauptversammlung zu, die am Dienstagabend in Bad Honnef tagte.

Anteilseigner der Gesellschaft sind die Stadt Bad Honnef mit 50,17 Prozent, das Freizeitbad Grafenwerth mit 46 Prozent sowie die Verbandsgemeinde Unkel, die 3,83 Prozent der BHAG-Aktien hält. In Euro und Cent bedeutet dies: 752 000 Euro fließen dem städtischen Haushalt zu, satte 690 000 Euro bekommt der Freibadbetrieb Grafenwerth, 57 450 Euro werden auf das Konto der Verbandsgemeinde Unkel überwiesen.

Die Bad Honnef AG ist ein Versorgungs-Querverbundunternehmen mit den Sparten Gas, Wasser und Strom. Das Versorgungsgebiet im Bereich Strom umfasst das Gebiet der Stadt Bad Honnef, das zudem auch mit BHAG-Trinkwasser versorgt wird. Dies trifft auch auf die Verbandsgemeinde Unkel zu.

Das Versorgungsgebiet Erdgas erstreckt sich auf die Stadt Bad Honnef, die VG Unkel, Asbach, Flammersfeld sowie auf Teile der Verbandsgemeinden Altenkirchen, Puderbach und einige Ortslagen von Hennef.

"Im abgelaufenen Geschäftsjahr war auf der Kundenseite wieder eine verstärkte Kosten-Sensibilisierung zu registrieren, die insbesondere im Geschäftszweig Erdgas zu bisher nicht dagewesenen Zahlungsboykotten führten", erklärte BHAG-Vorstandschef Alexander Schneider. 412 Rechnungseinsprüche sind bei der Bad Honnef AG eingegangen, 144 Kunden, die gegen ihre Rechnung Einspruch erhoben haben, sind im Zahlungsrückstand.

"An unseren Forderungen halten wir fest. Die Verjährungsfrist ist im Dezember 2007. Es ist einfach nur Bauernfängerei, was die ,Initiative Gaspreis-Widerstand Bad Honnef' hier betreibt", so der kaufmännische Vorstand des Unternehmens, Peter Storck, der damit die Unterstellung der Initiative, die BHAG-Tarife seien zu hoch, ins Reich der Fabel abstellt. Nicht nur die Forderungen müssten von den Kunden beglichen werden. Auch fielen in aller Regel noch Rechtsanwaltskosten an, die der Einspruchsführer zu bezahlen habe.

Alexander Schneider: "In einer Phase, in der selbst über Jahrzehnte gelebte und bewährte Marktmechanismen, wie die Ölpreisbindung, generell in Frage gestellt werden, obwohl diese mehrfach durch Gerichte und Behörden als anerkanntes Preisbildungsinstrument bestätigt wurde, in der es zudem augenscheinlich nicht mehr ausreicht, der günstigste beziehungsweise nahezu günstigste Anbieter für Strom und Erdgas in der Region zu sein, fühlen wir uns unserer Verantwortung zu Kundennähe und -zufriedenheit mehr denn je verpflichtet."

Während die Umsätze in den Sparten Strom und Wasser nur leicht gestiegen sind, ist beim Erdgas, trotz verringerter Abgabemenge, ein deutlicher Umsatzanstieg zu verzeichnen. Aufgrund der drastisch gestiegenen Nachfrage nach fossilen Brennstoffen sind die Bezugskosten für Strom und Gas abermals stark angehoben worden.

Manfred Klitsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Bad Honnef AG: "Diese Kostenerhöhungen bei Erdgas wurden nicht in voller Höhe auf die Tarifpreise abgewälzt. Auch haben wir nicht die gestiegenen Strombezugskosten an unsere Kunden weitergegeben."

Rund 22 700 Gebäude sind am Erdgasnetz der Aktiengesellschaft angeschlossen. Der Versorgungsgrad liegt damit bei 67 Prozent. Im Stromgeschäft habe die BHAG von der Rückgewinnung von Tarif- und Sondervertragskunden von Drittlieferanten sowie von neuen Kunden in so genannten Fremdgebieten profitieren können, erläuterte Schneider, während das Wassergeschäft seit Jahren eine Konstante bilde.

81 910 Einwohner leben im Versorgungsgebiet des Bad Honnefer Unternehmens, das 77 Arbeitnehmer beschäftigt und der Stadt Bad Honnef neben der Dividende eine Konzessionsabgabe in Höhe von 1,4 Millionen Euro zahlt und an Gewerbesteuer geschätzte 700 000 Euro in die Kasse spült.

Wenig Verständnis hat man im Vorstand der Gesellschaft für die kürzlich getroffene Entscheidung von CDU und SPD, Selhof-Süd nicht einer Bebauung zuzuführen. Immerhin ist das Unternehmen auf Neukunden und auf Expansion angewiesen. "Wir hätten es begrüßt, wenn die Mitglieder dieser Parteien den sachlich begründeten Empfehlungen der Gutachter gefolgt wären", sagte Schneider. Einerseits solle die Bad Honnef AG als stadteigene Gesellschaft gute Gewinne machen und hohe Dividendenzahlungen leisten, andererseits werde der Expansionsmöglichkeit in der eigenen Stadt ein Riegel vorgeschoben.