Die Hirschburg ist als Tagungsort begehrt

Mit dem Haupthaus, dem Gärtnerhaus unterhalb, der historischen Kegelbahn und dem modernen Albert-Weißmüller-Haus sind es heute vier Gebäude, die der Gesamtkomplex umfasst, und in dem sich jährlich rund 20 000 Übernachtungsgäste tummeln.

Königswinter. Wenn sich für die Seminarteilnehmer morgens die Tür zum Schulungsraum "Drachenfels" öffnet, dann können sie sich durchaus auf dem Gipfel angekommen fühlen: Unterhalb Wiesen und herbstlicher Laubwald, begrenzt vom Rhein, auf dem sich das Sonnenlicht spiegelt. Im Hintergrund grüßen der Post Tower und Bonn.

Die Aussicht von der Hirschburg ist ein Erlebnis für jeden Besucher - und sehr passend zu dem Ambiente, in dem die Firma Vodafone seit 2003 ihr Seminar- und Tagungszentrum betreibt. Von außen kennen die meisten Siebengebirgs-Wanderer das Anwesen.

Auch auf zahlreichen Familienfotos, auf denen fröhlich über den Schnee gerodelt wird, dürfte sie als schmuckes Hintergrundmotiv dienen. Was die wenigsten wissen: In den Jahren 1883/84 entstand das Schlösschen am Kutschenweg gewissermaßen als "Nebenprodukt" der Bauarbeiten an der Drachenburg.

Damals erkannte Jakob Hubert Biesenbach die Reize der Gegend, als er für einen Verwandten, den Bankier Stefan von Sarter, die Drachenburg baute. Im gleichen Atemzug ließ Biesenbach als sein persönliches Sommeranwesen die Hirschburg errichten und holte sich dazu die Hilfe der Kölner Architekten Gerhard Franz Langenberg und Wilhelm Hoffmann.

Mit dem Haupthaus, dem etwas untertrieben als "Gärtnerhaus" bezeichneten Altbau unterhalb, der historischen Kegelbahn und dem modernen Albert-Weißmüller-Haus sind es heute eigentlich vier Gebäude, die der Gesamtkomplex umfasst, und in dem sich jährlich rund 20 000 Übernachtungsgäste tummeln.

"Hin und wieder reichen die 19 Doppel- und 39 Einzelzimmer nicht aus; dann werden Gäste auch schon einmal auf die umliegenden Hotels verteilt", sagt Arno Egging, der als "Teamleiter" für die Belegschaft verantwortlich zeichnet, während sich Jörg Ertel um die betriebswirtschaftlichen Prozesse und die Seminar-Organisation kümmert. Zudem wird auf der Hirschburg fleißig ausgebildet, ständig gehören je drei angehende Köche und Restaurantfachleute zur Mannschaft.

Auch wenn die Kegelbahn um Tischkicker und Billardtische bereichert wurde und für Kurzweil offenkundig gesorgt ist: Die Hirschburg ist alles andere als eine Jugendherberge: "Es sind praktisch ausschließlich Vodafone-Mitarbeiter, die zu uns kommen", sagt Arno Egging. Auch aus den Auslandsdependancen des Telekommunikations-Konzerns.

"Hier trifft sich die Vodafone-Welt", sagt Unternehmenssprecherin Marion Stolzenwald, während eine Gruppe in einer Seminarpause gerade die Herbstsonne genießt. Von Produktschulungen bis hin zu Klausurtagungen der Topmanager reicht die Bandbreite der Konferenzen, die in Sichtweite zur Konkurrenz von Telekom und T-Mobile stattfinden.

Weil das Anwesen für interne Seminare so beliebt ist, sind alle Kapazitäten auch auf lange Sicht ausgebucht. Entsprechend erleichtert kann man heute seitens des Konzerns sein, die Hirschburg im Zuge der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone nicht verkauft zu haben, was zeitweise erwogen wurde. "Das sieht ja hier aus wie in Hogwarts."

So oder ähnlich, berichtet Marion Stolzenwald, fielen zuweilen die Reaktionen der Neuankömmlinge aus. Mit etwas Phantasie erinnern die neogotischen Elemente hier und da an Harry Potters Zaubererschule. Architekt Michael Deisenroth hat bei der Renovierung 2001/02 eine Raumplanung gewählt, die heutigen Bedürfnissen freundlich entgegen kommt - helles Holz, helle Wände und ruhige Farben. Gleichzeitig wurden die Glanzpunkte der ursprünglichen Baukunst restauriert, darunter Wandgemälde, Holzvertäfelungen oder Kunststuck an den Decken.

Glücklich, wer da aus den edlen Loungemöbeln in Kaminzimmer und Hirschzimmer, benannt nach den beiden lebensgroßen Skulpturen auf der Terrasse, den Blick ins Rheintal genießen darf. Auch bestücken modernste Tagungs-Technologie die nach den Siebengebirgsgipfeln benannten Seminarräume. Zwei Etagen tiefer, im Kellergeschoss, ist ein halbes Dutzend Köche bereits in der Vorbereitung des Abendessens versunken. Damit die Gäste am nächsten Tag wieder konstruktiv arbeiten können.

Ausweichquartier der Mannesmann-Zentrale

Nach dem Tod des Bauherrn Jakob Anton Biesenbach aus Düsseldorf 1899 ging die Hirschburg in den Besitz der Kölner Familie von Malinckrodt über, die sie 1910 an den ebenfalls aus Köln stammenden Waggonfabrikanten Paul Charlier verkaufte.
1933 erwarben die damaligen Mannesmann-Röhrenwerke die Hirschburg. Statt dort wie geplant ein Mütter- und Kinderheim einzurichten, nutzte Mannesmann das Gebäude ab 1943 als Verwaltungsgebäude. Ab 1950 wurde die Hirschburg zum Erholungsheim für die Mitarbeiter der Mannesmann AG. Nach dem Erdbeben 1992 wurden an dem Denkmal Renovierungssarbeiten durchgeführt, seither dienen die Burg und ihre Gebäude als Seminar- und Tagungsstätte.