HENNEF

Die Folgen der Inklusion für die Hennefer Schulen

Über die neuen Ansätze im Bildungssystem referiert Raimund Patt bei dem Infoabend zur Inklusion im Gymnasium Hennef.

HENNEF. Experten diskutierten jetzt in Hennef darüber, was die Inklusion für die Hennefer Schulen konkret bedeutet.

Es geht um die Überwindung von Barrieren, vor allem in den Köpfen der Menschen. Gemeint ist das Thema Inklusion, das seit geraumer Zeit in aller Munde ist. De facto bedeutet Inklusion, dass kein Mensch, ganz gleich welcher Herkunft oder Religion, ob mit oder ohne Behinderung an den Rand gedrängt werden darf.

Als Menschenrecht ist die Inklusion unmittelbar verknüpft mit den Ansprüchen auf Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Was die Inklusion ganz konkret an den Hennefer Schulen bedeutet, beleuchtete eine Podiumsdiskussion, zu der die Stadt Hennef für Donnerstagabend in das pädagogische Zentrum des Gymnasiums geladen hatte. Vor 250 Eltern leisteten Experten Aufklärungsarbeit zu der wichtigen Thematik.

"Vor zwei Jahren wusste noch niemand, wie man das Wort Inklusion buchstabiert. Das hat sich in Hennef geändert", sagte Bürgermeister Klaus Pipke, Schirmherr des Abends. Dazu beigetragen habe vor allem der Verein "Schule für alle" mit dem Credo, dass gemeinsames Lernen ein Menschenrecht ist.

"In der Frage, ob jemand behindert ist, oder ob jemand behindert wird, geht es letztlich darum, niemanden mehr zu behindern und jedem Menschen alle Möglichkeiten zu geben, seine Potenziale auszuschöpfen", sagte Pipke, bevor Moderator und Stadtsprecher Dominique Müller-Grote die Podiumsdiskussion eröffnete.

Als Experten hatten neben dem Hennefer Schuldezernenten Stefan Hanraths und Michael Mertens, Schuldezernent beim Landschaftsverband Rheinland, sowie Stephanie Barth vom Kreis-Sozialamt und Kreis-Schulamtsdirektorin Birgitt Kreitz-Henn, der ehemalige Sankt-Ansgar-Schulleiter Raimund Patt sowie die Schulleiterinnen Ingrid Henning (GGS Happerschoß) und Elisabeth Schmies (GGS Wolperath) Platz genommen. Patt stellte in einem Vortrag klar, dass Inklusion ein komplexes Thema ist.

"Die Inklusion ist für alle eine Herausforderung", sagte Patt. Es gehe um die Weiterentwicklung des Bildungssystems in einer menschengerechten Gesellschaft, um die Überwindung aller Formen der Diskriminierung. Die Vielfalt, die daraus entstünde, dürfe allerdings nicht als Belastung begriffen werden.

"Die Inklusion ist das Zusammenfügen von Teilen zu einem Ganzen", führte Patt weiter aus. Ziel sei die institutionelle, werteorientierte Entwicklung einer Schule für alle. "Die Teilhabe ist mehr als einfaches Dabeisein. Es geht darum, dass Schüler eigenverantwortlich handeln können, und nicht fürsorglich ausgegrenzt bleiben", sagte Patt. Trotzdem werde es weiterhin andere Lernorte wie Jugendwerkstätten oder Projekte für Schulverweigerer geben, prognostizierte Patt.

Hennef habe sich des Themas frühzeitig angenommen, dennoch gibt es laut Schulamtsdirektorin Kreitz-Henn bisher noch keine Schule, die komplett der Inklusion entsprechend arbeitet. "Das ist ein langer Prozess", sagte Kreitz-Henn. Die Erfahrungsberichte der Schulleiterinnen Henning und Schmies zeigten allerdings, dass der Weg zur "Schule für alle" bereits eingeschlagen ist.

In Wolperath (Neunkirchen-Seelscheid) werden 16 Kinder mit Behinderung zusammen mit Kindern ohne Behinderung unterrichtet und auch in Happerschoß gibt es bereits einen solchen Unterricht. Laut Schuldezernent Hanraths hätten sich auch die weiterführenden Hennefer Schulen auf den Weg gemacht.

"An der Gesamt- und Hauptschule gibt es bereits den gemeinsamen Unterricht und auch am Gymnasium und an der Realschule sind deutliche Bestrebungen erkennbar", so Hanraths. Die Frage, ob ein gemeinsames Beschulen das gesamte Leistungsniveau absinken lasse, müsse laut Patt sensibel behandelt werden. Kreitz-Henn und Schmies berichteten jedenfalls, dass dies an ihren Schulen nicht der Fall sei. Alle Teilnehmer der Diskussion waren sich einig, dass bei dem Thema viel Offenheit vonnöten ist.