Die Bad Honnefer Villa erwacht aus dem Dornröschenschlaf

In einigen Wochen rücken die Bauarbeiter an - Eine moderne Tagesklinik für Psychotherapeutische Medizin entsteht in dem alten Gemäuer der Familie Modersohn - Das Land finanziert den gesamten Komplex

Bad Honnef. Im August rücken die Bauarbeiter an. Dann erwacht die "Villa Modersohn" endgültig aus ihrem Dornröschenschlaf. Aber der Prinz war schon da: Nachdem im vergangenen Dezember der Kölner Regierungspräsident den Bewilligungsbescheid über 1,9 Millionen Euro überreichte, wurde nun die Baugenehmigung zur Renovierung des alten Gebäudes erteilt.

Demzufolge große Freude in der Rheinklinik, die im Besitz der heruntergekommenen Immobilie ist und darin eine Tagesklinik für Psychotherapeutische Medizin eröffnen möchte. In den nächsten zehn Tagen wird die Ausschreibung für die Arbeiten erfolgen, die auch Handwerkern der Region die Auftragsbücher füllen helfen soll.

Verwaltungsleiter Wilhelm Strohmeier hofft, dass bereits im Herbst 2005, aber spätestens Anfang 2006, die "Villa Modersohn" ihren alten Glanz wiedererlangt haben wird. Das einstige Prunkstück im Stadtbild inmitten eines weiträumigen Parks bietet knapp 500 Quadratmeter Nutzfläche.

Die Pläne für die Renovierung, auch unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, sind komplett. Da, wo später 16 Tagesklinikpatienten behandelt werden sollen, herrscht derzeit allerdings noch Chaos. 1979 hatte das Evangelische Johanneswerk als Träger der benachbarten Rheinklinik das Haus erworben.

Eigentlich sollte mit diesem Ankauf das Krankenhaus für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie erweitert werden. Aber denkmalschützerische Auflagen machten das Projekt zunichte. Neun Jahre später brannte dann auch noch der komplette Dachstuhl des 1849 errichteten herrschaftlichen Anwesens an der Luisenstraße ab.

Zwar wurde das Gebäude mit einem neuen Dach bereits vor Jahren gesichert. Aber das Innere der mit wildem Wein umrankten Villa gleicht eher dem Zustand nach einem Bombeneinschlag. Zwischendecken und Balken hängen herab und drohen abzustürzen. Auf dem Boden liegt Schutt, Marmorreste fliegen herum. Und Geröll verdeckt auch Überbleibsel vom Parkett mit Intarsien.

Eine Beschaffenheit, die Umsicht und Ideen für die Bauphase erforderlich machen. Wahrscheinlich, so Strohmeier, wird wegen der Absturzgefahr der Materialien von oben mit dem Kran gearbeitet, das Dach stellenweise abgedeckt.

Statt Holzbalken werden Betondecken eingezogen. Und die Deckenhöhe, die weit über vier Meter liegt, wird möglicherweise etwas minimiert. Die Hierarchie der 16 allesamt großzügigen Räume bleibt. Mit Blick nach Westen entsteht im Erdgeschoss ein Aufenthaltsraum, dem ein Wintergarten zugefügt wird mit Zugang zum Park. Direkt darüber im Obergeschoss wird der Großgruppenraum liegen.

Ein Vorbau in Richtung des Hauptgebäudes der Rheinklinik ist geplant. Der Eingangsbereich mit verglaster Veranda als Warteraum wird sich wie früher Richtung Straßenseite befinden; über ihm ist ein Pflegeraum vorgesehen. Im Dachgeschoss werden drei Therapie- und zwei Ruheräume ihren Platz haben.

Der Keller der Villa ist ein Werk für sich. Mehrere Tonnengewölbe mit achtzig Zentimeter dicken Mauern sind nach dem Abstieg über eine steile Treppe zu entdecken. "Wir überlegen, was wir hier machen können. Vielleicht richten wir einen Raum der Stille ein, so wie es unsere Pastorin vorschlug", so Strohmeier.

Wenn der letzte Handwerker abgezogen ist, wird das Prunkstück eine der ganz wenigen Tageskliniken für Psychotherapeutische Medizin im Rheinland sein. Damit erfüllt sich für die Klinikleitung ein Traum, den sie seit 1997 verfolgt. Und deren Bedeutung das Land Nordrhein-Westfalen offensichtlich zu schätzen weiß, denn es finanziert das Projekt voll; der Träger muss keine Eigenmittel zuschießen.

Und das in Zeiten des massiven Abbaus von Krankenhausbetten. "Wir hoffen, dass das der Einstieg in die teilstationäre Versorgung wird für Patienten aus einem Einzugsbereich mit maximal zwei Stunden für An- und Abfahrt", so Klinkchef Vandieken.

In Frage kommen Patienten, die nicht mehr ausreichend im ambulanten Bereich behandelt werden können, aber andererseits noch keine Fälle für den stationären Aufenthalt sind oder auch nicht mehr auf Station gehören. Vandieken: "Damit können wir eine Lücke schließen und unser Angebot in der Psychotherapie und Psychosomatik noch stärker differenzieren."