Der Tag, als der Euro kam

Weihnachtliches Jubiläum: Die ersten Euromünzen konnte man am 17. Dezember 2001 in den "Starterkits" erhalten.

REGION. Täglich halten wir ihn in der Hand: Im Geschäft, am Automaten, als Taschengeld. Auch in den Nachrichten zählt man auf ihn. Der Euro. Auf den Tag genau vor zehn Jahren landete er in Deutschlands Kassen, Geldbörsen und Spardosen. Unsere Leser erinnern sich.

REGION.  Der Euro. Auf den Tag genau vor zehn Jahren landete er in Deutschlands Kassen, Geldbörsen und Spardosen - aber auch in den Köpfen der Menschen, die die Mark gewohnt waren.

"Starterkit" war das Wort der Stunde. Kleine Plastikbeutel, gefüllt mit Münzen im Gesamtwert von 10 Euro und 23 Cent. Ausgegeben wurden in Deutschland 53 Millionen Päckchen, in ganz Europa 185 Millionen.

Am 18. Dezember 2001 zitierte der General-Anzeiger Bundesbankpräsident Ernst Welteke: "Die Starter-Päckchen werden zum Teil in euphorischer Partystimmung den Banken aus den Händen gerissen." Große Neugier also auf die neuen Münzen, vor allem in der ersten Tageshälfte: Doch der ganz große Massenansturm auf den Euro blieb, dem GA zufolge, aus.

Auch in Bonn und der Region lösten sich die anfänglichen Schlangen bei Schalteröffnung schnell wieder auf. Wie haben die Menschen aus der Region den historischen Tag empfunden, hatte der GA vor einer Woche gefragt. Als Belastung? Als Gewinn? Störend? Hier eine Auswahl der Einsendungen unserer Leser.

  • Ralf Breuer, Hersel: "Um meine Unbill über den Begriff Starterkit zu zeigen, ging ich zur Bank und verlangte kein Kid, sondern Starterparents. Das Gesicht der Angestellten offenbarte, dass sie zu den Unwissenden zählte, die den neuen Spezialbegriff nicht kannten. Also verlangte ich mit einer Miene, die Unfassbarkeit über diesen bedauernswerten Wissenszustand symbolisierte, nur die Herausgabe eines jeweiligen Euroscheins. Was aus alldem wurde? Das Wort Starterkit verschwand zum Glück wieder aus der Sprachebene."
     
  • Helga Brinsa, Bad Honnef: "Für einen kurzen Moment war ich verführt, die Päckchen mit in den Gebrauch zu übernehmen, denn sie haben für mich keine große Bedeutung. Heute, im Umgang mit dem Euro, finde ich es oft lästig, dass die Münzen so schwer sind und vor allem so vielzählig. Ständig versuche ich beim Bäcker oder sonst wo mein Kleingeld loszuwerden. Dass ich bei einem Preisvergleich noch in Mark umrechne, ist schon lange vorbei."
     
  • Marianne Schreiner, Wormersdorf: "Ich besitze noch 6 originalverpackte Starterkits. Damals gab es die Ausgabe kurz vor Weihnachten. Außerdem besitze ich noch einige D-Mark-Münzen, die ich auf jeden Fall auch nie umtauschen würde, das gehört zur Geschichte Deutschlands. Die Erwartungen anfangs mit dem Euro waren auf jeden Fall anders, aber eine gute Währung scheint es dennoch zu sein, europäisch, einheitlich, wenn sie denn stabil bleibt."
     
  • Edith Paffrath, Meckenheim: "Ich habe an den Euro keine Erwartungen gehabt, habe mich aber darüber gefreut, dass ich es im Beruf etwas leichter haben werde. Da ich Reisekosten abrechne, hatte ich endlich wesentlich weniger mit Währungsumrechnungen zu tun und auch nicht mehr so viele unterschiedliche Fremdwährungen in meiner Kasse. Leider empfinde ich genau wie viele Menschen, dass mit dem Euro eine erhebliche Preissteigerung stattfand."
     
  • Peter Dudek, Erpel: "Damals war ich Auszubildender der damaligen Sparkasse Bonn. Wir haben im Dezember 2001 allein in unserer Geschäftsstelle einige tausend Starterkits zur Abholung bereitgestellt. Es gab einen regelrechten Run auf den Euro. Jeder wollte seine erste Euro-Ausstattung so schnell wie möglich in den Händen halten. Ähnliche Schlangen vor einer Bank habe ich nie wieder erlebt. Ich habe mein Starterkit heute noch originalverpackt in der Vitrine. Ich hoffe, dass es als besonderes Erinnerungsstück vererbt werden kann."
     
  • Kurt Jung, Impekoven: "Von Anfang an habe ich mir Starterkits zugelegt. Ich besitze sie heute noch. Was habe ich damals vom Euro erwartet? Den Abbau meines Vorrates an europäischen Devisen, die ich im Laufe der Jahre von meinen Reisen mitgebracht habe. Die für mich nicht umtauschbaren Münzen gingen an eine Münzsammelstelle einer sozialtätigen Einrichtung."