"Der Nutzen darf das Schützen nicht stören"

Henning Walter, Leiter des Nationalparks Eifel, beobachtet Diskussion im Siebengebirge mit Unbehagen

Gemünd. Lockiges Haar, braun gebrannt, Outdoor-Kleidung. Dass Henning Walter in und mit der Natur lebt, kann und will er nicht leugnen. Der Leiter des Nationalparkes Eifel gilt in seiner Berufsszene als ausgewiesener Fachmann.

Ruhig und besonnen hat er mit seinem Team über einen Zeitraum von fast drei Jahren einen Nationalpark in der Eifel installiert. Respekt brachte ihm und seinen Kollegen von der Forstverwaltung ein, dass die Gründung des Nationalparkes ohne nennenswerte Komplikationen verlief. Die Proteste in der Bevölkerung hielten sich in Grenzen.

Hin und wieder wurde während der Verhandlungen über das Wegekonzept um die eine oder andere Wanderroute gerungen. Bis auf eine Ausnahme gab es immer einen Kompromiss. Ob dieser Kompromiss zwischen Naturschutz und Naherholung auch im Siebengebirge verhandelbar ist? Walter zuckt mit den Schultern.

Die Gemengelage sei im Siebengebirge eine andere. "Viele Menschen in der Eifel wussten, dass der Nationalpark einen wichtigen Impuls für die strukturschwache Region geben wird. Die Chancen, die damit verbunden sind, haben viele Gegenargumente verstummen lassen", erklärt Walter. In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis lebe eine andere Klientel, die - so nimmt er es jedenfalls aus der Ferne wahr - diskussionsfreudiger sei.

Walter bestätigt die Notwendigkeit, im Siebengebirge Veränderungen einleiten zu müssen. Aber dass das Instrument Nationalpark richtig und die einzige Möglichkeit zur Wahrung der "unbeschreiblich schönen Natur" am Rhein sei, da hat er so seine Bedenken. "Das Naturverständnis der Einheimischen ist entscheidend.

Die Anforderungen und Ansprüche, die heute schon an das Siebengebirge gestellt werden, sind so hoch, dass die Natur irgendwann in die Knie gezwungen wird. Es stellt sich die Frage, ob der Egoismus noch zurückgeschraubt werden kann", sagt Walter. Im Siebengebirge einen Nationalpark zu errichten, erfordere von allen Beteiligten viel Disziplin.

Von der Ausstattung an schützenswerten Besonderheiten her ist der Naturraum rund um den Drachenfels nach Ansicht des Forst-Experten für eine weitere Unterschutzstellung geeignet. Er mahnt aber: "Der Nutzen darf das Schützen nicht stören."

Der Weltverband der Nationalparks habe einen Anforderungskatalog aufgestellt. Den gelte es glaubwürdig abzuarbeiten. Wenn das Ergebnis ein in allen Belangen verantwortbarer Nationalpark sei, dann müsse diese schärfste Waffe des Naturschutzes zum Einsatz kommen.

Aber er warnt vor zu viel Gutgläubigkeit: "Die heutigen Kritiker werden auch dann nicht verstummen, wenn der Nationalpark eingerichtet ist. Im Gegenteil." Bester Beweis dafür sei der Nationalpark Bayerischer Wald: 30 Jahre nach Eröffnung sei die Bevölkerung heute noch mehrheitlich gegen die Gründung dieser Naturschutzzone.

Walter appelliert an die Verantwortlichen in der Region Bonn/Rhein-Sieg, das Thema Nationalpark aus dem Kommunalwahlkampf herauszuhalten. Und einen weiteren Rat hat der Forstamtsleiter: "Die touristischen Ziele eines Nationalparks Siebengebirge müssen definiert und der Bevölkerung nachvollziehbar erläutert werden. Gebietsspezifische Angebote müssen die Kritiker von der Aufwertung des Naturraumes überzeugen."

Gefragt, ob es klug war, im Siebengebirge die Diskussion über ein Wegenetz vor einer Nationalpark-Gründung zu führen, sagte Walter: "Es ist ehrlicher und demokratischer, aber auch schwieriger."

Ihm und seinen Kollegen sei damals zugute gekommen, dass der Eifelverein ein Wegekonzept für den Nationalpark erstellt hat. "Dadurch sind von Anfang an so viele Menschen eingebunden und überzeugt worden, dass die Zahl der Kritiker überschaubar gewesen ist", erinnert sich Walter.

Für das Siebengebirge seien intelligente Lösungen gefragt, die einen Spagat zwischen Naturschutz sowie Erholungsfunktion ermöglichen. Die Inhalte einer Nationalpark-Verordnung müssten so definiert werden, dass die Bürger ihre Interessen berücksichtigt sehen, eine Forstverwaltung aber auch eine qualifizierte, dem Nationalpark-Gedanken entsprechende Arbeit leisten kann.

Nationalpark Eifel
Der Nationalpark Eifel umfasst eine Fläche von 10 700 Hektar. Am 1. Januar 2004 wurde der Park eröffnet. 240 Kilometer Wanderwege stehen den Nutzern zur Verfügung. Davon werden parallel 104 Kilometer als Radwege, 65 Kilometer als Reitwege und fünf Kilometer als Loipe genutzt.

Das Wegekonzept wurde im Dezember 2007 nach dreijähriger Diskussion verabschiedet. 700 Wegweiser führen die Wanderer durch den Park. Das Umweltministerium unterstützt die Nationalparkverwaltung jährlich mit rund fünf Millionen Euro.