Der Camping-Platz in Rheinbreitbach bleibt ihr Zuhause

Nach 47 Jahren zieht sich Pächter Alexander Klinger mit seiner Frau Elke zurück

Rheinbreitbach. Das "Biergärtchen am Rhein" ist zurzeit ein trostloses Gerippe bar jeden Inventars und ohne Türen und Fenster. Alles haben Alexander und Elke Klinger im Oktober vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht. Wie jedes Jahr. Doch diesmal fand der Abbau unter anderen Vorzeichen statt: Klingers demontierten Kühltheken, Herd, Fritteuse, Backofen, Biertische und -bänke für immer.

Die vergangene Saison war definitiv die letzte für das beliebte Rheinbreitbacher Campingplatz-Betreiberpaar. Vor 18 Jahren lernten sie sich auf dem Platz kennen - sie war Gast, und er führte die Anlage zu dem Zeitpunkt schon fast 30 Jahre. Es "funkte". 1995 zog die damals 33-Jährige auf den Platz und begann dort mitzuarbeiten. Vor neun Jahren heirateten sie.

Seither ist das Paar unzertrennlich sowie unermüdlich für den seit 1963 von Alexander Klinger geschaffenen Campingplatz samt der kleinen Außengastronomie im Einsatz. Beide lieben die Natur, den Platz und ihre internationalen Gäste. Doch nun ist aus Rücksicht auf Alexander Klingers Alter und Gesundheit Schluss: Zum 31. Dezember hat der 85-Jährige den Pachtvertrag gekündigt, die Ortsgemeinde muss für die Saison 2010 Nachfolger suchen.

Erfahrungsgemäß Anfang Mai zu "Rhein in Flammen" brummt es das erste Mal gewaltig: Gäste mit Zelten, Wohnwagen und -mobilen, auf Motorrädern, mit Pkw und Drahteseln begehren Quartier. "Hier muss einiges getan werden, die Zeit drängt", sagt Elke Klinger. Das von ihrem Mann erbaute Sanitärgebäude ist in die Jahre gekommen, überall blättert der Putz ab, pfeift der Wind durch, rosten Leitungen und Armaturen.

Im Sommer ist dies ein Platz zum Träumen: Schaut man nach Süden, blickt man auf die Unkeler Kirche Sankt Pantaleon, westwärts richtet sich der Blick auf Oberwinter, und gen Norden erhebt sich majestätisch der Drachenfels. Dazu konnte man vom gelernten Bäcker Klinger selbst zubereitete Brezeln, Nussecken und kleine Speisen genießen und ein Bierchen zischen. "Familie Müller, ihr Menü ist angerichtet."

Das Rheinbreitbacher Original servierte mit Mutterwitz und Herzenswärme, hinzu kam Elke Klinger mit ihrer "kölschen Kodderschnauze", wie sie selber sagt. Die Sachbearbeiterin in einem Kölner Verlag übernahm abends den Ausschank: Auch wegen der zwanglosen Bewirtung betrachten viele Einheimische das Biergärtchen in der warmen Jahreszeit als ihren Lieblingsort. Hinzu gesellte sich das internationale Camperpublikum. Zu Gast waren Kanadier, Australier, Finnen, Rumänen, Briten, Polen, Schweden, Amerikaner . . .. Reservieren brauchte man nicht. "Die Gäste wissen: Der Klinger hat immer einen Platz für uns."

Die rund 28 "Festcamper" hingegen haben ihre Wohnwagen im Winter hochwassersicher auf einem oberhalb gelegenen Grundstück der Klingers abgestellt und sind es gewohnt, im Frühjahr ihre angestammten Logenplätze auf den betonierten Stellflächen an vorderster Rheinfront wieder einzunehmen.

Manche Begegnungen prägten sich besonders ein, wie jene mit dem Ehepaar aus Omsk in Sibirien. Eine Deutschlehrerin und ihr Mann hatten mit ihrem Toyota mehr als 5 000 Kilometer zurückgelegt und sich für eine Nacht bei Klingers einquartiert. Das Ehepaar schlief im Auto. "Ich war fasziniert von den Leuten", erzählt Elke Klinger.

2001 brannte durch einen technischen Defekt am Fahrzeug ein Wohnmobil ab und das Rheinhochwasser forderte immer wieder Tribut. Dennoch möchte das Paar nirgendwo anders leben. Und deswegen bleiben sie auch auf ihrem Grundstück oberhalb des Platzes in ihrem Wohnwagen der Marke Tabbert Baujahr 1972 mit Rheinblick. Ein neuer Wagen der Marke Fendt steht als Ausweichdomizil bereit.

In ein Haus umzuziehen, kommt für Alexander und Elke Klinger nicht in Frage: "Was fehlt denn hier? Was sollen wir mit einer 100-Quadratmeter-Wohnung?"

Auf der Suche nach einem neuen Pächter

Rheinbreitbachs Bürgermeister Karsten Fehr will die Bewirtschaftung des gemeindeeigenen Camping-Platzes "Auf dem Salmenfang" am Mühlenweg in Kürze öffentlich ausschreiben. Doch schon jetzt liegen Interessensbekundungen potenzieller Betreiber vor. Es ist laut Fehr auch bereits die Idee vorgebracht worden, Sanitäranlagen "auf Rädern" anzuschaffen, die man im Herbst/Winter wegtransportieren könne.



Fehr: "Die Bewerber sollten Nutzungskonzepte vorlegen. Anhand derer soll der Gemeinderat die Möglichkeit haben, sich für einen Pächter zu entscheiden." Die Gemeinde selbst habe kein Interesse und sei auch nicht in der Lage, in ein neues Sanitärgebäude zu investieren. Der Bürgermeister hebt die privilegierte Lage des Areals hervor: "So ein Platz, wo man eine Flasche Bier trinken und gleichzeitig die Füße im Rhein baumeln lassen kann, ist kaum zu finden."