Herzinfarkt-Patient in Heimerzheim

Defekt an Drehleiter behinderte Einsatz

Mit Hilfe einer Drehleiter rettet die Feuerwehr auch Menschen aus oberen Etagen, hier ein Einsatz in Hessen.

SWISTTAL-HEIMERZHEIM. Beim Versuch, einen Heimerzheimer Herzinfarkt-Patienten zu retten, kam es zu einer gravierenden Störung.

Hat der Herzinfarkt-Tod eines 56-jährigen Heimerzheimers eine zusätzliche tragische Komponente? Stadtbrandinspektor Wolfgang Breuer, Wehrführer der Bornheimer Freiwilligen Feuerwehr, bestätigte gegenüber dem GA, dass am vergangenen Freitag an der Vorgebirgsstraße der ursprünglich geplante Transport eines Patienten mit Hilfe der Drehleiter abgebrochen werden musste und so eine messbare Verzögerung bis zur weiteren Versorgung des Mannes eintrat. Augenzeugen sprechen von 20 bis 25 Minuten.

Der Einsatz an der Vorgebirgsstraße hatte sich schnell zu einem Wettlauf mit der Zeit entwickelt. Ob des Gewichtes des Patienten, der räumlichen Enge im Treppenhaus, und um einen möglichst schonenden Transport zu gewährleisten, hatten sich Notarzt und Feuerwehr für die Bergung aus der zweiten Etage des Mehrfamilienhauses mit Hilfe einer Drehleiter entschieden. Amtshilfe leisteten die Bornheimer Kollegen mit ihrer knapp 500.000 Euro teuren, zwei Jahre alten und auf eine Länge von 32 Meter ausfahrbaren DLA 2312.

In der Region verfügen Rheinbach, Meckenheim und Euskirchen über ein ähnliches Fahrzeug. Nach der Reanimation und der weiterführenden medizinischen Versorgung wurde der Patient auf eine Trage gehoben, die im Rettungskorb der ausgefahrenen Drehleiter verankert war. Situationen, wie sie für die Feuerwehr nicht eben zum Alltag, aber doch zum Standard gehören. Bis die Technik streikte. Swisttals Gemeindebrandmeister Stefan Schumacher und Breuer übereinstimmend: "Auf dem Weg runter gab es plötzlich eine Fehlermeldung, so wie beim Computer, und der Mechanismus setzte aus."

Für die Helfer, die Nachbarn und die Schaulustigen begann eine endlos wirkende Phase der Hilflosigkeit. Oben ein Retter, der um das Leben des Heimerzheimers kämpfte, unten die Besatzung, die nichts unversucht ließ, die Leiter wieder in Gang zu bekommen. Zwischenzeitlich war auch die Rheinbacher Drehleiter angefordert worden, es gab hektischen Handybetrieb, Handbücher wurden gewälzt. Breuer: "Wir waren gekommen, um zu helfen und dann bist du so hilflos. Sie können nur ahnen, was in der Drehleitermannschaft vorging, wie erschüttert diese Männer sind."

Derweil schaukelten Retter und Opfer freischwebend am Ende der Leiter hängend. Als sich Rettungskorb, Trage und Leiter endlich nach oben bewegen ließen, entschied der Notarzt: doch Transport durchs Treppenhaus. Schließlich fuhr der Rettungswagen mit dem Familienvater an Bord in langsamer Fahrt die Vorgebirgsstraße hinauf. Der Mann überlebte nicht.

Breuer war auch am Dienstag noch bedrückt. "Wir haben keine Erklärung für diesen Defekt. Zurück in Bornheim haben wir die Aktion noch einmal geprobt. Alles war in Ordnung. Und am Samstag haben wir noch einmal zwei Stunden alles simuliert. Alles funktionierte, wie es sollte." Die Feuerwehrleute bauen nun auf den Hersteller. Ein Spezialist wird den Computer auslesen, um die Fehlermeldung zu analysieren. Breuer: "Unsere Geräte sind elektronisch so hoch entwickelt, da muss ein Fachmann her."

Den man in Bornheim schon einmal zu Rate gezogen hatte. "Für einen vergleichsweise harmlosen Defekt", wie Breuer betont. Nach GA-Informationen war auch bei der Feuerwehr in Sankt Augustin die Einführung der baugleichen Drehleiter nicht ohne erneuten Besuch beim Hersteller erfolgt.