Deal beim Urteil zum Siegburger Foltermord?

Symbolbild.

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Im Zusammenhang mit den Urteilen gegen die Täter des Siegburger Foltermordes soll es möglicherweise politisch motivierte Absprachen zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gegeben haben.

Siegburg. (mic) Im Zusammenhang mit den Urteilen gegen die Täter des Siegburger Foltermordes soll es möglicherweise politisch motivierte Absprachen zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gegeben haben.

Das berichtet die "Bild am Sonntag" in ihrer gestrigen Ausgabe und beruft sich dabei auf den Bonner Strafverteidiger Uwe Krechel, der einen der drei Täter verteidigt hatte. Die Häftlinge hatten 2006 einen 20-jährigen Mithäftling in einer Zelle der JVA Siegburg grausam zu Tode gequält.

In dem Zeitungs-Bericht behauptet Krechel, die günstigen Urteile seien zustande gekommen, weil es einen "Deal" gegeben habe. "Der Deal, den mir die Staatsanwaltschaft angeboten hat, war: Keine Attacken der Verteidigung gegen Missstände in der JVA Siegburg. Dazu ein umfassendes Geständnis. Im Gegenzug wurde mir ein mildes Urteil für meinen Mandanten in Aussicht gestellt", wird Krechel zitiert. Keiner der drei Täter erhielt lebenslänglich.

Der Bonner Anwalt vermutet laut "Bild", dass die Zustände in der zu der Zeit überbelegten und mit zu wenig Wachpersonal ausgestatteten JVA Siegburg den Mord begünstig haben könnten. Deshalb habe auch der Stuhl der damaligen Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) gewackelt.

Die Justiz habe deswegen das Thema Haftbedingungen aus dem Prozess heraushalten wollen. Krechel war am Sonntag zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Sein Partner Thomas Ohm bekräftigte allerdings die Aussagen seines Kollegen. Die Bonner Staatsanwaltschaft wies laut "Bild am Sonntag" die Vorwürfe als "Unterstellung" zurück.