GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Dat maache me us de Lameng

Das machen wir aus der Lamäng.

Das machen wir aus der Lamäng.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen. Diese Mal: "Dat maache me us de Lameng".

Wir kommen in das intuitive Fahrwasser der rheinischen Redewendungen. Denn unser heutiger Satz ist wohl auch Zugereisten lautsprachlich verständlich, ohne dass sie die Wortbedeutung im Einzelnen übersetzen könnten. Dabei liegt hier eine doppelte Verschlüsselung vor: 1. die rheinische, 2. die französische.

„Dat maache me us de Lameng“ heißt wörtlich übersetzt: „Das machen wir aus der Hand.“ Oder wie die Redewendung im Hochdeutschen lautet: „Das schütteln wir aus dem Handgelenk.“ Der Begriff Lameng ist die rheinische Umformung des französischen „la main“ (die Hand). Von 1794 bis 1813 hatten bekanntlich die Franzosen das Rheinland besetzt und dabei auch etliches an Zivilisation mitgebracht.

Im Gegenzug bedankten sich die munteren und immer zu Späßen aufgelegten Rheinländer mit so mancher Verballhornung der französischen Sprachmitbringsel. Lameng ist so ein Fall. Schäselong für Sofa, Trottewar für Bürgersteig und Paraplü für Regenschirm sind weitere. 

Mundartsprecher Josef Schwalb erklärt die Bedeutung von „etwas aus der Hand tun“ mit „ohne vorherige Zeichnung, ganz spontan“. Stammt der Begriff also aus dem Sektor der Zeichenkunst, die ohne Lineal auskommt, aber manuelle Dynamik braucht? Melitta Klein ergänzt da: „Etwas ist einfach, das machen wir direkt. Es ist etwas, das wir können. Wir haben es intus, weil wir es lange genug geübt und über Jahre gelernt haben.“  

Hier zeigt sich wieder einmal, es ist schwer, etwas zu definieren, das auf der Hand (!) liegt. Etwas, das intuitiv klar ist, muss man nicht logisch erklären können. Man darf aber feststellen, dass die Redewendung in eine bestimmte rheinische Bewusstseinstradition eingebettet ist. Wir bemühen hier den neuen Fachbegriff „Gelassenheitsprüfung“, die in diesen Tagen den Sankt-Martins-Pferden abverlangt wird, aber jedem Lebewesen zu empfehlen wäre. Rheinländer haben die freilich schon vor der Geburt absolviert, denn sie nehmen alles „wie et kütt“.

Die Artikel zum rheinischen Dialekt entstehen in Zusammenarbeit mit dem Heimatfilmer Georg Divossen (www.bönnsch-abc.de). Haben auch Sie einen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns an rheinisch@ga-bonn.de