Das vergessene Führerhauptquartier in Odendorf

Als am 20. Juli 1944 deutsche Offiziere des Widerstandes in der "Wolfsschanze" das Attentat auf Adolf Hitler verübten, hatte Flugplatz längst Bedeutung verloren

Region. 20. Juli 1944: Lagebesprechung in Ostpreußen - Führerhauptquartier (FHQ) "Wolfsschanze" - die deutsche Widerstandsbewegung will Adolf Hitler beseitigen.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Oberst und Stabschef des Befehlshabers des Ersatzheeres Fromm, versuchte mit einer Bombe, der deutschen Geschichte eine Wendung zu geben. Das Attentat misslang. Zahllose Verhaftungen waren die Folge.

5 000 Menschen aus dem Widerstand wurden noch bis Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 hingerichtet - die "Wolfsschanze" ging in die Geschichte ein. Bis Kriegsende ließ Hitler um die 20 Bunker bauen, sie wurden fast alle mit Namen belegt wie "Bärenhöhle" oder "Wehrwolf".

Vom "Adlerhorst" im Taunus aus wurde 1944 die Ardennenoffensive in Gang gesetzt. Ein fast unbekanntes Hauptquartier ist das "Felsennest" bei Bad Münstereifel in dem kleinen Dorf Rodert. Die Organisation Todt (OT) krempelte das Dörfchen 1939 um, baute Betonklötze, Drahtverhaue und Holzbaracken auf.

Am 10. Mai 1940 rollte eine hochmotorisierte Armada an: Der oberste Befehlshaber der Wehrmacht, Adolf Hitler, bezog mit seinen NS-Getreuen das heute eher "vergessene Führerhauptquartier in der Eifel". Unter diesen Titel hat Hans-Josef Hansen sein Buch gestellt, das auf 190 eindrucksvollen Seiten das Geschehen im zweiten Weltkrieg im linksrheinischen Teil der Region widerspiegelt.

Das "Felsennest" ist von geschichtlicher Bedeutung, weil in Rodert über 28 Tage die oberste Wehrmachtsleitung einquartiert war und von dort aus die erste Phase des Westfeldzuges, der Angriff auf die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Nordfrankreich, befehligte.

Hansen beschränkt sich in seinem Buch nicht auf die militärische Betrachtung des FHQ, er stellt auch zahlreiche Fotos vom privaten Leben der Bewohner des Bunkers ein, Bilder vom Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, von Reichsleiter Martin Bormann oder dem Leibarzt Theo Morell.

Hansen schildert die Ereignisse des Kriegsjahres 1940, so begleitet er den Weg Hitlers vom "Felsennest" aus über Krahforst, Rheinbach und Meckenheim nach Bad Godesberg: Im "Rheinhotel Dreesen" übergab Botschafter Exzelenz Alfieri den Brief des italienischen Diktators Benito Mussolini, in dem dieser den Eintritt Italiens in den Krieg verspricht. Das erfolgte am 10. Juni 1940.

Nachweislich entstanden aber nur dort Bunker des Führers, wo es gute Verkehrsanbindungen gab. Von besonderer Bedeutung war dabei die Luftwaffe. Swisttal-Odendorf genießt den zweifelhaften Ruhm, einmal Start- und Landeplatz für den obersten Befehlshaber, der ins "Felsennest" wollte, zur Verfügung stehen zu müssen.

Der Feldflugplatz Odendorf wurde in den Jahren 1938/39 errichtet. Um die zehn Leute waren auf den Odendorfer Fliegerhorst abkommandiert, überlieferte Franz-Josef Kessler, Jahrgang 1917, der am Bendenweg wohnte. 1943 hatte Kessler die Leitung des kleinen Flughafens mit einer befestigten Rollstraße übernommen.

Vorher war er in Bonn-Hangelar stationiert gewesen. Kessler war mit seinen Leuten in Odendorf verantwortlich für die Sicherheitsvorkehrungen, für die Munitionskisten am Rande der Rollbahn und für die Befeuerungen in der Nacht - und für "Olga". "Olga" war eine drei Kilometer lange Startbahn bei Ollheim, auf der Strahljäger in den Himmel geschossen werden sollten.

Geschossen wurde aber mehr von der alliierten Seite. Zeitzeugen berichteten über einen Bombenabwurf am 21. Dezember 1944, einer Luftmine über Swisttal-Ludendorf, direkt neben Odendorf gelegen. Er tötete zehn Menschen. Es folgte ein weiterer Angriff auf Odendorf am 10. Januar 1945 in Form von zwei Bombenteppichen.

Die Bomben auf Odendorf fielen kurz nach 13 Uhr. Zahlreiche Tote der Zivilbevölkerung waren zu beklagen. Am 1. Juni 1940 startete Hitler mit einer Ju 52 zum letzten Mal von Odendorf aus. Mit dem Einmarsch nach Frankreich hatte das "Felsennest" seine Bedeutung verloren. Doch noch einmal sollte der ehemalige Fliegerhorst Aufmerksamkeit genießen.

Wenige Tage nach der vollständigen Besetzung des linksreinischen Gebietes durch die alliierten Truppen und Panzerverbände unter Befehlshaber George S. Patton kam es in Odendorf zu einer historischen Begegnung: Auf der gleichen Start- und Landebahn, auf der fünf Jahre zuvor Adolf Hitler zu Frontflügen nach Frankreich und Belgien gestartet war, landete das Flugzeug des Obersten Kommandierenden der alliierten Streitkräfte, US-General Dwight D. Eisenhower.

Er wurde von den US-Generälen Patton, Omar N. Bradley und Generalleutnant Courtney Hodges willkommen geheißen. Heute erinnert in Swisttal nichts mehr an den Fliegerhorst in Odendorf. Gebäude stehen auf den ehemaligen Rollbahnen am Bendenweg und der Südstraße.

Nur noch Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes, die jahrelang tausende von Tonnen Stahl aus dem Odendorfer Acker bergen mussten, erinnern sich wohl noch an ihre gefahrvollen Einsätze für das "vergessene Führerhauptquartier".

Das Buch "Felsennest, das vergessene Führerhauptquartier in der Eifel" ist erschienen im Helios-Verlag unter der Nummer ISBN3-938208-21-X zum Preis von Euro 32,50.