Das "Traumland" geht in Flammen auf

100 Wehrmänner sind in Bad Honnef stundenlang im Einsatz - Ein Sendemast droht auf das Haus zu stürzen - Die Ursache für das Feuer ist unklar - Kein Hinweis auf Brandstiftung

Bad Honnef. Dichte Rauchschwaden dringen aus dem ersten Obergeschoss des Pärchenclubs "Traumland", als die am Montagabend um 20.27 Uhr alarmierten Bad Honnefer Feuerwehrleute am Einsatzort eintreffen.

Sofort offenbaren sich erste Schwierigkeiten: Da ist die Hanglage des Hauses mitten im Schmelztal an der Landstraße 144, da ist die aufwändige Wasserversorgung über lange Schlauchleitungen aus dem parallel zur Straße verlaufenden Bach, und da ist die Ungewissheit, ob sich Personen im brennenden Haus befinden.

Sofort fordern die Bad Honnefer Einsatzkräfte um den Rhöndorfer Löschgruppenführer Hans-Heribert Krahe bei der Siegburger Leitstelle Verstärkung an.

Die setzt unverzüglich Einheiten des Löschzuges Königswinter-Altstadt sowie der Löschgruppen Ober- und Niederdollendorf nach Bad Honnef in Marsch, die soeben einen Löscheinsatz im Gästehaus auf dem Petersberg abgeschlossen haben. Zwischenzeitlich stellen die Honnefer Feuerwehrleute eine erste Löschwasserversorgung aus ihrem Tanklöschfahrzeug sicher, verschaffen sich gewaltsam Zugang in das verschlossene Haus und dringen unter schwerem Atemschutz in das verqualmte Gebäude ein.

Während Suchtrupps das Haus nach eventuell im Innern befindlichen Personen durchkämmen, starten Löschtrupps die ersten Wasserangriffe. Auf dem engen Parkplatz vor dem Haus wird die Drehleiter der Honnefer Wehr in Stellung gebracht und ein Außenangriff über das Dach durchgeführt, aus dem ebenfalls dichter Rauch quillt und vereinzelt Flammen schlagen. Da Bäume den Aktionsradius der Drehleiter stark eingeschränken, müssen einige von ihnen gefällt werden.

Eine erste Entwarnung gibt es beim Eintreffen der Pächter des Etablissements. Sie bestätigen, dass sich keine Menschen in dem Haus befinden. Der vor 24 Jahren eröffnete Swinger- und Pärchenclub - der wohl älteste in Deutschland, in dem sich an den Wochenenden Gäste aus ganz Deutschland einfinden - ist nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet.

Daher können sich die Wehrleute voll auf die Brandbekämpfung konzentrieren. Sie wird durch die verwinkelte Zimmeraufteilung im Innern des Gebäudes und durch abgehangene Decken erschwert, in die sich das Feuer durchgefressen hat.

Zudem gefährdet der auf dem Dach des Hauses stehende Antennenmast eines Mobilfunkbetreibers die Sicherheit der Einsatzkräfte im Haus. Als das Feuer die Mastbefestigung erreicht und dessen Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet ist, zieht Kreisbrandmeister Walter Jonas, der zwischenzeitlich die Einsatzleitung übernommen hat, alle Kräfte aus dem Gebäude ab.

Von der Drehleiter und vom Hang an der Rückseite des Hauses aus setzen die Wehrleute ihre Löscharbeiten von außen fort. Mit Äxten und Motorsägen öffnen sie die Dachkonstruktion, um das Löschwasser gezielt einsetzen zu können.

Als das Feuer unter Kontrolle ist, überprüft ein Team die Standfestigkeit des Sendemastes vom Korb der Drehleiter aus. Nachdem festgestellt ist, dass der Mast nicht zu kippen droht, gehen Feuerwehrleute auch im Innern des Gebäudes wieder gegen die Flammen vor. Um 1 Uhr meldet der Kreisbrandmeister an die Leitstelle: "Feuer aus".

Der Einsatz ist für die Feuerwehrkräfte jedoch noch nicht beendet. Auf der Suche nach möglichen Brandnestern reißen sie Decken- und Wandkonstruktionen ein. Überaus hilfreich ist bei den Nachlöscharbeiten die Wärmebildkamera der Aegidienberger Löschgruppe, mit der man verborgene Hitzequellen sicher aufspüren kann. Im Einsatz sind rund 100 Feuerwehrleute aus Bad Honnef und Königswinter.

Vorsichtshalber wird auch die Königswinterer Drehleiter herangeführt, die wegen der beengten Platzverhältnisse jedoch nicht zum Einsatz kommt. Einmal mehr erweist sich der 15 000 Liter Löschwasser fassende Tankwagen des Königswinterer Löschzugs Ölberg als ein wahrer Segen. Durch seinen Einsatz ist die Löschwasserversorgung zu jedem Zeitpunkt sicher gestellt.

Die Einsatzkräfte rücken bis 3.30 Uhr nach und nach ab. Die L 144 ist bis zu diesem Zeitpunkt für den Verkehr gesperrt. Eine Brandwache der Bad Honnefer Feuerwehr bleibt bis Dienstag 6.00 Uhr vor Ort.

Noch während der Löscharbeiten führt die Kriminalpolizei erste Ermittlungen zur Brandursache durch. Dienstagmittag dann die ersten Ergebnisse der Spezialisten: Es gibt keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Brandstiftung. Fest steht indes, dass der Brandschwerpunkt im ersten Obergeschoss gelegen hat. "Wir vernehmen derzeit Zeugen", teilte die Pressestelle des Bonner Polizeipräsidiums mit. Der Sachschaden wird "auf mehrere" hunderttausend Euro geschätzt.

Am Dienstag dankte Wally Feiden den zur Brandbekämpfung eingesetzten Feuerwehrleuten. Die Bad Honnefer Bürgermeisterin hatte sich über den Stand der Löscharbeiten stets auf dem Laufenden halten lassen.