Kommentar

Das Problem ist längst da

Von Geburtenrückgängen und -defiziten ist schon lange die Rede. Von der auf dem Kopf stehenden Alterspyramide und davon, dass die demografische Entwicklung dramatische Auswirkungen haben wird. In den Köpfen vieler war dies bislang mehr oder weniger eine unangenehme Zukunftsmusik, irgendetwas, was in der Ferne irgendwann auf uns alle zukommen wird.

Tatsache ist jedoch, dass das Problem nicht mehr vor der Haustür steht, sondern längst im Haus ist: Wir werden weniger.

Es gibt unzählige eher traurige Gründe dafür, warum nur noch so wenige Kinder geboren werden, warum es so viele Single-Haushalte gibt, warum der Hang zum Individualismus und die offenkundige Aversion gegen Familiengründung so groß ist. Schlussendlich bleibt die Faktenlage, die Statistik. Und die fordert Konsequenzen von der großen wie auch kleinen Politik.

Heute werden Kindergärten gebaut und aufgerüstet, die in wenigen Jahrzehnten voraussichtlich leerstehen. Man ist gut beraten, sie so zu bauen, dass sie später als Seniorenbegegnungsstätte genutzt werden können. Längst sind Kanalnetze entstanden, deren Überdimensionalisierung weniger gewordene Menschen noch viel Geld kosten werden.

Längst sind auf dem Land Häuser gebaut, die später keine Käufer mehr finden werden. Und längst sind Gaststätten und Lebensmittelgeschäfte geschlossen, weil sie weder als Ort der Begegnung noch - dank gewachsener Mobilität der Senioren - als sich rentierender Nahversorger funktionieren.

Die Zukunft ist in der Gegenwart angekommen. Mal sehen, wie die Politik damit umgeht.