Grünes C in Alfter und Bornheim

Das Konzept bleibt rätselhaft

ALFTER/BORNHEIM. Das Grüne C ist im Rahmen des NRW-Strukturprogramms Regionale 2010 von sechs Städten und Gemeinden geplant worden. Das Projekt soll Freiräume zwischen den Ballungszentren Köln und Bonn sichern und als Naherholungsorte nutzbar machen.

Die Form der Grünflächen zwischen Kottenforst und Siegaue ähnelt einem C, daher auch der Name "Grünes C". In Alfter wurde das Projekt im Oktober 2013 abgeschlossen, in Bornheim wurde das letzte Baumtor am 13. März fertiggestellt. 13 Kilometer lang ist die Route des Grünen C in Bornheim, sieben Kilometer sind es in Alfter. GA-Mitarbeiterin Bettina Thränhardt ist die Strecke in Bornheim und Alfter mit dem Rad abgefahren und zieht eine Zwischenbilanz.

Kosten: Grundsätzlich zahlen Bund, Länder und EU 80 Prozent Zuschuss, die Stadt oder Gemeinde trägt 20 Prozent der Kosten. Die Stadt Bornheim trug 640 000 Euro bei einer Gesamtsumme von 3,2 Millionen Euro, so Pressesprecher Rainer Schumann. In Alfter lagen die Gesamtkosten laut Fachbereichsleiterin Claudia Gerhardi bei etwas mehr als einer Million Euro, davon trug die Gemeinde Alfter 207 636 Euro.

Beschilderung und Betonelemente: Um die Beschilderung nutzen zu können, muss man das Konzept des Grünen C kennen. Die Gemeinde Alfter hat deshalb einen Flyer herausgegeben, der die Richtungshinweise erklärt. Der Wegeverlauf beginnt an der Mondorfer Fähre am Rhein. Deshalb gibt es auf der gesamten Strecke Richtungshinweise zum Rhein. Ausgeschildert ist aber nicht der direkte Weg, sondern die Route über das Grüne C.

Das führt in Bornheim dazu, dass Schilder mit der Aufschrift "Rhein" bergaufwärts zeigen. In der Gegenrichtung ist entweder der nächste Ort oder der Ort, in dem man sich gerade befindet, markiert.

Zu kontroversen öffentlichen Diskussionen führten die in den Boden eingelassenen Betonplatten mit Richtungsangaben, die sogenannten "Markierungselemente". Meist liegen sie vor Betonelementen, die aussehen wie Bänke. Im Flyer der Gemeinde Alfter lernt der unbedarfte Wanderer jedoch: "Die C-förmigen Betonelemente ("Auffaltungen") sind keine Bänke. Sie helfen dabei, die Markierungen schon von Weitem zu erkennen." Einige der Schriftzüge, vor allem auf den landwirtschaftlich genutzten Wegen, sind stark verschmutzt.

Deshalb die "Auffaltungen": "Selbst wenn Laub oder Schnee auf dem Link liegt und die Markierung verdeckt, lässt sich so immer noch der Verlauf nachvollziehen." Wenn die Markierungen vor "Auffaltungen" sind, haben sie keine Pfeile. Die Richtung wird nur aus der Lage der Markierungen zur "Auffaltung" ersichtlich.

In Bornheim haben die Planer zwischen der Villa Fortuna in Botzdorf und dem Bahnhof Roisdorf ganz auf die Betonmarkierungen verzichtet. Statt dessen weisen kleine Hinweisschilder den Weg. Allerdings sind die Schilder so klein, dass man sie manchmal suchen muss.

Nicht nur die meisten Wegweiser des Grünen C wurden im Rahmen des "Corporate Design" aus Beton gestaltet, sondern auch andere Elemente wie Tische und Bänke. Sprayer verstehen die grauen Flächen offensichtlich als Einladung und hinterlassen ihre Spuren an Tischen, Bänken und Wänden.

Fazit: Es ist eine schöne Sache, die Grünflächen der sechs Städte und Gemeinden als Naherholungsorte dauerhaft zu sichern. Das Grüne C ermöglicht schöne Ausflüge für alle Altersgruppen. Jedoch ist es unverständlich, warum es keine selbsterklärende Ausschilderung gibt.

Mit den Betonelementen haben die Planer sich wohl keinen Gefallen getan. Bunte Graffiti sind an vielen Stellen eine Verschönerung der grauen Flächen. Es ist eine gute Idee der Stadt Bornheim, auf einem Teil der Strecke auf Betonmarkierungen zu verzichten - aber warum sind die Schilder nicht etwas größer gewählt?

Keine Barrierefreiheit: In Bornheim müssen am Vorgebirgshang zum Teil erhebliche Steigungen bewältigt werden. An der Villa Fortuna kommt man nur über Treppen weiter, die schmale Rampen für Fahrräder an der Seite haben. In Roisdorf führt der Weg zudem durch die Bahnhofs-Unterführung.

Wer die Treppen nicht gehen kann, muss sich einen Weg durch die umliegenden Straßen rund um den Bahnhof suchen. Scheinbar war das sogar den Planern des Grünen C unangenehm. Denn wenn man von Bornheim in Richtung Tannenbusch und Alfter fährt, fehlt am Bahnhof jeglicher Hinweis Richtung Rhein. Nur die Gegenrichtung ist dann ausgeschildert.

Fazit: Klar, das Vorgebirge kann und will man nicht abtragen. Nützlich wären Hinweise auf dem Faltplan des Grünen C, wo die Strecke barrierefrei ist. Warum ein Wander- und Radweg durch eine Bahnhofs-Unterführung ohne Aufzüge geleitet wird, erschließt sich nicht.

Höhepunkte der Strecke

Den Städten und Gemeinden war es durch das Grüne C möglich, lokale Projekte zu realisieren. So konnte in Bornheim-Botzdorf ein 2000 Jahre altes römisches Landgut, eine sogenannte Villa rustica, mit Badehaus restauriert und mit einem Schutzbau versehen werden. Entdeckt wurde die Anlage 2002 bei Bodenarbeiten in einem Neubaugebiet. Das Landgut erhielt den Namen "Villa Fortuna" nach einer Statue der Göttin, die dort ebenfalls gefunden wurde.

In Hersel ist ein Spielplatz mit Wellenrutsche und Trampolinen direkt am Rhein entstanden, der von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird. Auch auf den Wegen um den Spielplatz herum herrscht bei gutem Wetter reger Ausflugsverkehr.

Die Gemeinde Alfter hat an der Fürst-Franz-Josef-Straße einen Spielplatz geschaffen, der Besonderheiten der Region berücksichtigt: Als Klettergerüst dient ein "Kohlhaufen" aus grünem Holz, als Balancierstangen grüner Spargel.

Infotafeln geben an allen Stationen des Grünen C anschaulich Auskunft über zahlreiche regionale Besonderheiten, so kann man beim Spielplatz in Alfter etwas über den Gemüseanbau in der Region lernen. Er ist Treffpunkt für Jung und Alt: An einem sonnigen Frühlingstag trifft man dort junge Familien, aber auch Spaziergänger mit Rollator an. Gut genutzt werden in Alfter auch die Bank-Tisch-Kombinationen zum Picknicken.

Karten und Flyer

Im Infozentrum des Bornheimer Rathauses und in der Bürger-Infothek des Rathauses in Alfter-Oedekoven erhält man kostenlos einen "Wegweiser durch das Grüne C" mit einer Beschreibung des Projekts und einer Übersichtskarte für die gesamte Strecke.

Die Gemeinde Alfter hat für ihren Teil der Strecke zusätzliches Material herausgegeben: Einen Übersichtsplan mit Detailabbildungen der Stationen, einen Flyer "Der Link und seine Markierungen" und eine Broschüre "Regionale 2010-Grünes C" im DIN A 4-Format mit ausführlichen Erklärungen zu den Stationen in Alfter. Es ist

kostenlos in der Bürger-Infothek oder im Internet unter der Adresse www.alfter.de erhältlich.

BUND will Bebauung im Grünen C verhindern

Nach Ansicht des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) Rhein-Sieg sollten die Flächen des "Grünen C" gegen jegliche Bebauung förmlich abgesichert werden. Einen entsprechenden Antrag hat der BUND für die nächste Sitzung des Landschaftsbeirats bei der Unteren Landschaftsbehörde gestellt. So soll der Beirat der Kreisverwaltung und der Bezirksregierung empfehlen, das "Grüne C" durchgehend als Naturschutzgebiet auszuweisen.

Laut BUND fehlt der Landschaft im "Grünen C" noch immer ein konsequenter, verbindlicher Schutz. Denn dass einzelne Kommunen im geschützten Freiraum eine Sportanlage planen oder eine Reithalle zulassen wollten, sei "gewiss kein Freiraumschutz, sondern ganz normaler Landschaftsverbrauch und hoffentlich fördergeldwidrig", teilt der BUND weiter mit.

Zugleich hält die Umweltschutzorganisation ihre Kritik am "Grünen C" aufrecht: So sei das geplante Konzept einer von Alfter bis Sankt Augustin durchlaufenden Baumreihe von Anfang an eine nicht umsetzbare Idee gewesen. Auch seien vorhandene Wege unzureichend genutzt, dafür aber neue Wege in Schutzbereichen gebaut worden. Überdies seien die in der Landschaft verbauten Beton-Stilelemente "unverständlich."

Mit seinem Antrag will der Bund für Umwelt und Naturschutz nun den Freiraumschutz als "Kerngedanken des 'Grünen C'" retten und damit "der Millioneninvestition doch noch einen positiven Nutzen abgewinnen".

Aus Sicht der Organisation sollte es eine durchgehende Ausweisung der Flächen des "Grünen C" als Naturschutzgebiet in den jeweiligen Landschaftsplänen des Kreises beziehungsweise den betroffenen Schutzgebietsverordnungen der Bezirksregierung Köln geben. "Denn nur Flächen dieser Schutzkategorie sind vor weiteren, oft fast willkürlichen Zugriffen hinreichend sicher.

Anderenfalls sind am Ende nicht nur 18,6 Millionen Euro verloren, sondern der Freiraum gleich mit", so die Auffassung des BUND. Der Landschaftsbeirat tagt am Donnerstag, 30. April, 15 Uhr, im Siegburger Kreishaus, großer Sitzungssaal A 1.16.