Das Alfterer Wahrzeichen bröckelt

Die Gemeinde Alfter ist im Rechtsstreit mit dem Besitzer des maroden Gielsdorfer Wasserturms. Anwohner beschweren sich seit langem über herabfallende Mörtelstücke. Doch die Restaurierung des 14 Meter hohen Turms, der einst die Wasserversorgung in der Umgebung sicher gestellt hat, blieb bis jetzt aus.

Alfter-Gielsdorf. Ein Bauzaun ist um den Wasserturm gezogen, aber seit Jahren herrscht hier Stillstand. Willi Weber ist sauer, der alt eingesessene Alfterer mag sich nicht mit dem maroden Zustand des Gielsdorfer Wahrzeichens abfinden. "Die Gemeinde ist dem Eigentümer ins Messer gelaufen", meint der ehemalige SPD-Ratsherr.

Anwohner beschweren sich seit langem über herabfallende Mörtelstücke. Doch die Restaurierung des 14 Meter hohen Turms, der einst die Wasserversorgung in der Umgebung sicher gestellt hat, blieb bis jetzt aus. "Der Eigentümer kommt seinen Verpflichtungen nicht nach", bestätigte Bürgermeister Rolf Schumacher auf Anfrage des General-Anzeigers.

Zum Hintergrund: Im Jahr 2002 hat der Kölner Unternehmensberater Alexander Lichtenberg das Baudenkmal von der Gemeinde zu einem symbolischen Preis gekauft. Auflage des Vertrags war jedoch die kostenspielige Sanierung des Gielsdorfer Wahrzeichens. Schätzungen des Alfterer Bauamts aus dem Jahr 2000 zufolge würde allein die Sanierung der vorhandenen Bausubstanz 46 000 Euro kosten - wenn nicht sogar die tragende Stahlkonstruktion ausgetauscht werden muss.

Zur Historie Der 14 Meter hohe Wasserturm, der schnell zum Wahrzeichen von Gielsdorf avancierte, wurde vor gut 100 Jahren von den Köln-Deutzer Motorenwerken erbaut. Er konnte bis zu 1 200 Haushalte versorgen und wurde 1972 stillgelegt. Ihre Blütezeit erlebten Wassertürme seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Wasserversorgung in den mehr und mehr wachsenden Städten von Hausbrunnen auf Rohrnetze umgestellt wurde. Damit der Wasserdruck auch in den obersten Wohnungen ausreichte, musste das Wasser in noch höher gelegenen Behältern gespeichert werden: in Wassertürmen.

Bis Ende 2009 sollte Lichtenberg das Objekt baudenkmalgerecht sanieren. Dann wurde die Frist bis zum 31. Dezember 2010 verlängert. Doch nach wie vor bröckelt der Putz am Turm. "Wir haben einen Rechtsbeistand, der die Interessen der Gemeinde vertritt", so Bürgermeister Schumacher. "Das Problem ist aber, dass der Eigentümer nicht reagiert."

Lichtenberg wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Thema äußern. Der Unternehmensberater hat bereits einige Wassertürme in Ostdeutschland und Polen gekauft. Den Breniger Wasserturm in der Nachbarkommune Bornheim, den er nach GA-Informationen bewohnt, hat er in den 90er Jahren restauriert und als Konferenzzentrum genutzt.

Doch in Alfter sind Lichtenbergs Ideen bis jetzt im Sande verlaufen. Im Wasserturm wollte der Kölner ursprünglich Büroräume einrichten und hatte auch mit dem Gedanken gespielt, selbst in das Gebäude einzuziehen. Zwischen Wasserturm und altem Feuerwehrgerätehaus sollte ein Anbau entstehen, für den der Gielsdorfer Dorfplatz verlegt werden sollte.

"Uns hat der Eigentümer Unterstützung bei der Errichtung des Gielsdofer Dorfhauses und der Verlegung des Dorfplatzes zugesagt", erklärt Ortsvorsteher Albert Schäfer. Der Trägerverein Dorfgemeinschaftshaus Gielsdorf hat die Errichtung des geplanten Dorfhauses mittlerweile selbst mit Mitteln des Konjunkturpakets und Spenden in Angriff genommen. Ortsvorsteher Schäfer, zweiter Vorsitzender des Trägervereins, ist zuversichtlich, dass das Dorfhaus auch ohne die Unterstützung des Geschäftsmannes fertig wird.

"Es ist ein Trauerspiel für Gielsdorf", sagt Ratsmitglied Georg Steinig (SPD), der eine Anfrage zum Wasserturm an die Verwaltung gestellt hat. "Wir möchten erreichen, dass es keine neuen Fristen für den Eigentümer mehr gibt", so Steinig.

Bürgermeister Schumacher möchte in der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses einen Sachstandsbericht geben, allerdings im nicht-öffentlichen Teil.