Bush kann seine Amerika-Liebe nicht dämpfen

Tom Buhrow, Leiter des ARD-Studios in Washington, wird Nachfolger Ulrich Wickerts bei den Tagesthemen - Die journalistische Karriere des Siegburgers begann beim "General-Anzeiger"

Bonn. Im August hat sich für Tom Buhrow ein Jugendtraum erfüllt. Nein, da wusste der Leiter des ARD-Studios in Washington noch nicht, was am Dienstag auch offiziell bekannt gegeben wurde: Er beerbt Ulrich Wickert als Tagesthemen-Moderator.

Im August saß Tom Buhrow jenen beiden älteren Herren gegenüber, die den 47-Jährigen akustisch begleiten, seit er sich für Rockmusik interessiert. Vor dem Auftakt ihrer Welttournee gaben Mick Jagger und Keith Richards dem WDR-Mann ein Interview, und Tom Buhrow war nicht nur mit dem Herzen dabei, sondern auch mit der nötigen journalistischen Distanz. Eine Mischung, die das Kopf-an-Kopf-Gespräch mit den Idolen der Jugend zu einem Highlight für jeden Rockfan werden ließ.

In seiner beruflichen Laufbahn hat Tom Buhrow, der in Siegburg aufwuchs und noch heute bekennender Stones-Fan ist, sich jede Menge Meriten erarbeitet, der Tagesschau als Reporter zugearbeitet, aus der französischen Hauptstadt Paris berichtet und den amerikanischen Präsidenten interviewt.

Doch die Begegnung mit den beiden Rolling Stones zählt er selbst zu den Höhepunkten seiner Arbeit. Buhrow hat stets auch die Themen abseits des nüchternen politischen Alltags in der US-Hauptstadt im Auge, fährt hinaus ins Land, um Menschen für seine oft preisgekrönten ARD-Reportagen zu beobachten.

Zuschauer, Kollegen, Intendanten schätzen seine Arbeit. Jetzt krönt der vielleicht begehrteste Job im deutschen Fernsehen seine Laufbahn: Nachfolger Ulrich Wickerts bei den "Tagesthemen".

Seine Karriere verlief geradlinig und öffentlich-rechtlich. Bis auf die frühen Anfänge. Denn die erste Stufe auf der Karriere-Leiter nahm er 1978 in der Siegburger Lokalredaktion dieser Zeitung. Da hatte der junge Mann gerade das Abitur am Anno-Gymnasium in der Tasche. "Mein allererstes bezahltes journalistisches Engagement", erzählt Buhrow, und das Zeilengeld gab es für die Jahreshauptversammlung des Kaninchenzüchtervereins und den Karneval. "Die ganze Palette", erinnert sich Buhrow an seine Anfänge beim "General-Anzeiger".

An der Bonner Uni studierte er Geschichte und Politikwissenschaften, 1985 begann das Volontariat beim Westdeutschen Rundfunk in Köln. Seitdem arbeitet Buhrow für den WDR: von 1986 bis 1992 als Redakteur, dann als Reporter und Chef vom Dienst für die "Aktuelle Stunde", die er auch moderierte. Im Oktober 1992 wechselte Buhrow als ARD-Reporter in die Tagesschau-Redaktion, es folgten die ersten Korrespondenten-Jahre in der US-Hauptstadt. Nach der Zwischenstation Paris (2000 bis 2002) übernahm er die Leitung des Washingtoner Studios.

Wenn Ulrich Wickert sich Ende August vom Tagesthemen-Pult in Hamburg verabschieden wird und Tom Buhrow nach Deutschland zurückkehrt, dann werden die vier Jahre in Washington als "eine der schönsten Zeiten" seines Lebens in Erinnerung bleiben. Persönlich, weil seine beiden Kinder dort auf die Welt kamen, weil er Freunde gefunden hat, weil dort viele nette Menschen leben. "Auf der Straße wirst du auf deine tolle Krawatte angesprochen", erzählt Buhrow, "und wenn du mit jemandem zusammenstößt, entschuldigen sich beide."

Beruflich natürlich, weil hier das Machtzentrum der Welt sitzt, und mittendrin George W. Bush. "Der hat mir enorme Berichte beschert, weil er in Deutschland so unpopulär ist", sagt Buhrow. "Wenn man Bush gegenübersitzt, dann versteht man, warum er auf die Menschen so einen starken Eindruck machen kann. Er vermittelt diesen Sportskameraden-Geist."

Buhrow weiß, dass Bush nicht Amerika ist, die Leute sich distanzieren: "Ich möchte als Deutscher auch nicht für jede Regierung verantwortlich gemacht werden." Er bricht eine Lanze für die Menschen in den Staaten, die er mag, seit er als Austauschschüler Mitte der 70er Jahre für zwei Jahre in Wisconsin war: "Der Präsident hat es jedenfalls nicht geschafft, meine Begeisterung für die Amerikaner zu schmälern."

Zurück in Deutschland, werden sich kommendes Jahr wohl auch die Kontakte in die alte Heimat wieder verstärken ("zurzeit viel zu wenig Zeit"), die sich heute auf Stippvisiten bei den Eltern im Siegburger Stadtteil Seligenthal beschränken. Und auf eine seit 1977 bestehende, nun ruhende Verbindung zur Freiwilligen Feuerwehr im nächstgelegenen Stadtteil Kaldauen, wenige Steinwürfe vom Elternhaus entfernt. Die Kartei weist ihn noch immer als inaktives Mitglied der Löschgruppe aus.

Die Verbindung zu Troisdorf ist für Buhrow lediglich "eine technische": Da Siegburg am 29. September 1958 noch kein Krankenhaus hatte, kam er halt in der Nachbarstadt zur Welt. So viel zum Geburtsort "Troisdorf/Siegburg" in seinem offiziellen ARD-Lebenslauf.

Vergleichen lassen sich die Arbeit als Korrespondent, der nah dran ist am Geschehen, und die Moderation der Tagesthemen nicht unbedingt. "Aber jeder Job hat seine Herausforderungen", sagt Tom Buhrow, der im Übrigen seinen jetzigen als Voraussetzung für den neuen sieht: "Dann weiß man einfach eher, was man den Zuschauern erklären muss."