Kiesgrube in Swisttal

Buschhovener Bürger demonstrierten gegen Erweiterung des Quarzabbaus

Protest gegen Kiesabbau in Buschhoven: Rund 100 Bürger ziehen vom Toniusplatz in Richtung Kiesgrube. Der LSK und der Heimat- und Verschönerungsverein hatten dazu aufgerufen.

SWISTTAL-BUSCHHOVEN. Protest gegen den Quarzkiesabbau - das hat in Buschhoven Tradition. Die Aktivitäten des Landschaftsschutzvereins Kottenforst (LSK) reichen bis in die Zeit um die Jahrtausendwende zurück. Auch heute noch mobilisiert er die Bevölkerung, wenn es darum geht, Abbauvorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft abzuwenden. Rund 100 Bürger versammelten sich am Samstag zu einer Demonstration auf dem Toniusplatz.

Aktueller Anlass: Die Erweiterungspläne der Kieswerke Rheinbach bei Flerzheim, die rund 23 Hektar umfassen und bis auf 380 Meter an den Buschhovener Ortsrand heranrücken würden. Am morgigen Dienstag findet dazu innerhalb des Genehmigungsverfahrens eine Anhörung in Dünstekoven statt.

"Lasst den Kies, wo er ist!", "Mehr Kiesabbau macht Buschhoven kaputt", "Mehr Kiesabbau zerstört unsere Landschaft!" - Parolen wie diese waren auf Transparenten zu lesen, die von Mitgliedern des Heimat- und Verschönerungsvereins angefertigt worden waren. Die Bedenken reichen von Lärm- und Staubbelästigung über negative Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel bis hin zur Zerstörung eines Naherholungsgebiets - durch das nebenbei auch noch der historische Römerkanal verläuft. Der Buschhovener Landwirt Jakob Jüssen von der Eselsmaar-Ranch hatte für die Protestaktion sogar kurzfristig auf das Heumachen verzichtet: Er stellte seinen Traktor für die Demonstration zur Verfügung und fuhr vorneweg. Ziel der Bürger war die Flerzheimer Kiesgrube.

Deren Erweiterung ist auch politisch nicht gewollt. Der Regionalrat der Kölner Bezirksregierung hatte kurz vor Weihnachten entschieden, dass dem Abbau zwischen Flerzheim und Buschhoven kein zusätzlicher Raum mehr gewährt werden soll. Vielmehr soll sich der Quarzabbau rund um den Witterschlicker Tagebau an der Schmalen Allee ausdehnen können. Der Regionalplan wird aktuell entsprechend geändert. Voraussichtlich am Freitag, 29. Juni, entscheidet der Regionalrat in Köln abschließend.

Trotz des klaren politischen "Neins" ist die Angelegenheit verfahren: Unabhängig von der Entscheidung des Regionalrats haben die Kieswerke Rheinbach ihre Erweiterung in Richtung Buschhoven bei der Bezirksregierung Arnsberg als oberster Bergbehörde des Landes beantragt.

Diese leitete daraufhin das formale Genehmigungsverfahren ein. Dazu gehört der Erörterungstermin, den die Behörde morgen vor Ort ausrichtet: Er beginnt um 9.30 Uhr im Dünstekovener Dorfsaal. Der LSK-Vorsitzende Thomas Klodt rief die Bürger auf, dabei Präsenz zu zeigen. Der Verein hat in einer 15-seitigen Stellungnahme seine Bedenken in das Genehmigungsverfahren eingebracht.

Auch am Termin gibt es Kritik: "Wir finden es sehr unglücklich, dass er drei Tage vor dem Beschluss über den Regionalplan angesetzt ist", so der stellvertretende LSK-Vorsitzende Gerd Pflaumer. Schließlich sei der Plan eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Bergbehörde. Die Landschaftsschützer legten von Anfang an Wert darauf, dass der Regionalplan frühzeitig geändert wird - weil damit zu ihren Gunsten Fakten geschaffen werden.

Symbolischer Höhepunkt der Protestaktion am Samstag: Klodt und Pflaumer versenkten an Jüssens Reiterhof mitgebrachten Kies aus der Flerzheimer Grube in einem vorbereiteten Loch - ganz nach dem Motto "Lasst den Kies, wo er ist".

Anhörungstermin in Dünstekoven: Dienstag, 26. Juni, 9.30 Uhr, Dorfsaal, Schillingstraße.