Bund will Petersberg verkaufen

Der Bund will sein Engagement auf dem Petersberg beenden. Wie das Bundesministerium der Finanzen am Freitag auf Anfrage bestätigte, geschehe dies in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit Sitz in Bonn, dem Eigentümer der Liegenschaft.

Bonn/Königswinter. Der Bund will sein Engagement auf dem Petersberg beenden. Wie das Bundesministerium der Finanzen am Freitag auf Anfrage bestätigte, geschehe dies in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit Sitz in Bonn, dem Eigentümer der Liegenschaft. "Die Privatisierung erfolgt unter Wahrung der Belange des geschichtsträchtigen Hauses und der Interessen der Region mit der Zielsetzung, dem Standort eine sichere Zukunft zu geben."

Was dies genau bedeute und wann es soweit sei, teilte das Ministerium nicht mit. Es handele sich um einen laufenden Prozess, hieß es lediglich.

Von der Steigenberger Hotels AG mit Sitz in Frankfurt, die das Steigenberger Grandhotel Petersberg betreibt, war bis Freitagabend keine Stellungnahme zu erhalten.

Die drei Bonner Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber (SPD), Katja Dörner (Grüne) und Paul Schäfer (Linke) werten unterdessen den geplanten Verkauf des ehemaligen Bundesgästehaus als schweren Fehler und fordern stattdessen eine Stiftung zum Erhalt von Gebäuden besonderer historischer nationaler Bedeutung. Die drei Abgeordneten haben sich mit einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gewandt.

"Der Petersberg ist wegen seiner Lage, Größe und Ausstattung der einzige Ort in Deutschland, an dem wichtige internationale und mit starken Sicherheitsauflagen versehene Konferenzen durchgeführt werden können", teilte Kelber am Freitag mit. "Die Bundesregierung darf sich darum nicht von diesem einzigartigen Konferenzstandort trennen", ist Dörner überzeugt.

Die drei Abgeordneten schlagen eine Art "National Historic Site Act" analog zu den USA vor. "Mit diesem Gesetz könnten Orte und Gebäude von bundesdeutscher Geschichte besser geschützt werden und eine gesetzliche Grundlage für die dauerhafte finanzielle Unterstützung des Bundes entstehen.

"Dazu würde in Bonn neben dem Museum Koenig, dem Palais Schaumburg und der Villa Hammerschmidt unzweifelhaft der Petersberg zählen, der nicht nur Gästehaus des Bundes war, sondern auch Sitz der Alliierten Hohen Kommission", ist Schäfer überzeugt.

Alle drei meinen, dass sich ein Verkauf nicht rechne. Das Hotel erwirtschafte Gewinne, wodurch die laufenden Betriebskosten gedeckt seien. Nur für die großen Investitionen müsse jährlich Geld zurückgelegt werden.

Durch die Lage und dem damit verbundenen minimalen Polizeiaufwand gäbe es keinen Konferenzort in Deutschland, der sich billiger abschirmen lasse und die Wohnbevölkerung dabei so wenig belaste. Dörner erinnert auch daran, dass die Innenausstattung des Petersbergs beim Verkauf verloren ginge.

Neben dem Hotel kämen auch andere Nutzungen in Frage, die den historischen Wert des Gebäudes unterstreichen, schlagen die Abgeordneten vor. "So wäre eine Besuchs- und Ausbildungsstätte für die vielen Gäste der deutschen Organisationen der internationalen Zusammenarbeit denkbar.

Viele frühere Stipendiaten Deutschlands hätten heute hohe Ränge in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft ihrer Heimatländer inne und könnten so angemessen empfangen werden. Sie sind Deutschlands beste Botschafter und Verbündete auf der ganzen Welt", sagt Kelber.

Gästehaus Petersberg: Mehr als ein Fünf-Sterne-Hotel

Das Gästehaus Petersberg in Königswinter gehört seit 1978 der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war es seit 1952 als Residenz für Staatsgäste von der Bundesrepublik gemietet worden. Von 1985 bis 1990 wurde das Haus umgebaut. Seit der Wiedereröffnung diente es zunächst als Gästehaus zur Unterbringung von Staatsgästen und als Ort für internationale Veranstaltungen.

So fand dort beispielsweise 2001 unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen die Afghanistan-Konferenz statt. Das Gästehaus wird seitdem als GmbH geführt, deren Alleingesellschafter der Bund ist. Die Gästehaus Petersberg GmbH hat mit der Steigenberger Hotel AG einen Managementvertrag geschlossen, die den Petersberg als Fünf-Sterne-Hotel führt. Zuständig für die Verwaltung der Liegenschaft ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit Sitz in Bonn. Seit dem Bonn-Berlin-Umzug überwiegt die private Nutzung.

Durch die spektakuläre Lage ist der Petersberg ein beliebtes Ausflugsziel.

Aber nicht nur: Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Petersberg bis 1952 Sitz der Alliierten Hohen Kommission. Bundeskanzler Adenauer unterzeichnete hier das Petersberger Abkommen.

Zu den vielen prominenten Polit-Gästen zählen unter anderem der britische Premierminister Chamberlain, US-Präsident Clinton und der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion Gorbatschow. Aber auch gekrönte Häupter wie etwa Königin Elisabeth II. von England, Kaiser Akihito von Japan oder König Hussein von Jordanien waren hier zu Gast.