Bund findet keine Käufer für seine Immobilien

Jetzt zieht auch die Diplomatenschule von Ippendorf nach Berlin - Bundesanstalt wird sie vermutlich verkaufen, hat aber noch andere Gebäude im Angebot - vom Parkhaus bis zur Botschafts-Residenz

Bonn. Die Tage der Aus- und Fortbildungsstätte (AFS) des Auswärtigen Amtes auf dem Venusberg sind gezählt. Dort, im Gudenauer Weg 134, werden seit 1972 pro Jahr mehr als 100 Beamte und Angestellte auf ihre diplomatische Laufbahn vorbereitet. Doch nicht mehr lange: In diesen Tagen hat der Umzug nach Berlin begonnen.

Auf der Tegeler Halbinsel Reiherwerder hat der Bund für 25 Millionen Euro in einem Park eine neue AFS gebaut. Die Bonner Diplomatenschule, die noch vor zehn Jahren für sieben Millionen Euro saniert und erweitert worden war, steht ab Ende kommenden Monats leer. Zukunft: ungewiss.

Bereits Anfang 1997 hatte der damalige Außenminister Klaus Kinkel (FDP) eine Verlagerung der AFS nach Berlin gefordert. Und selbst sein Parteifreund Guido Westerwelle konnte ihn nicht umstimmen. Auch unter Hinweis darauf, dass das AA laut Bonn/Berlin-Gesetz in der Bundesstadt seinen zweiten Dienstsitz hat, prangerte der damalige CDU-Fraktionschef Norbert Hauser den geplanten Umzug als "unsinnig und unnötige Geldverschwendung" an. Doch Kinkel und sein Amtsnachfolger Joschka Fischer blieben hart. Ab 2. Januar 2006 heißt die neue AFS-Adresse: Schwarzer Weg 45, 13505 Berlin.

50 Mitarbeiter sind derzeit noch in der Bonner Diplomatenschule beschäftigt. Nach Angaben von AA-Sprecher Michael Ebel ziehen 35 von ihnen mit nach Berlin; die verbleibenden 15 Kolleginnen und Kollegen "kommen in Bonn unter, größtenteils im Auswärtigen Amt", sagte Ebel dem GA.

Nachdem die Umzugspläne seinerzeit bekannt geworden waren, hatten mehrere Interessenten den Finger gehoben; das Spektrum reichte von der Zivildienstschule bis zum Schulungszentrum der Bundeswehr. Spekuliert auf das Objekt hatte aber auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das dort die Vorbereitungsstätte für rund 100 Entwicklungshelfer einrichten wollte, die für ihre Einsätze im Ausland präpariert werden. Doch das BMZ entschied sich 2002 für den Uhlhof in Bad Honnef.

Nun ist Ippendorf wieder im Gespräch. Klaus Christl, Sprecher der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, sagte dem GA: "Gegenwärtig laufen für das fragliche Objekt im Hinblick auf eine anderweitige Nutzung konkrete Gespräche mit dem BMZ." Ministeriumssprecher Holger Illi bestätigte die Angabe und verwies auf eine Unterredung, die in dieser Woche zwischen seinem Haus sowie dem Finanz- und dem Bauministerium stattfindet. Illi: "Ein Beschluss ist noch nicht gefallen; von der Tendenz her möchte das BMZ aber am Uhlhof festhalten."

Für den Fall wäre die Bundesanstalt am Zuge, die Bundesimmobilien veräußert, "die nicht anderweitig für Bundesaufgaben benötigt werden und die damit entbehrlich sind", sagte Christl: "Soweit ein zügiger Verkauf aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, kommt auch eine Zwischenvermietung in Betracht."

Er nannte fünf Objekte, die die Bundesanstalt in Bonn "demnächst" veräußert:

  • Die "Brandt-Villa" im Kiefernweg auf dem Venusberg. Wie berichtet, will ein Unternehmer in Kürze das Anwesen, in dem unter anderem viele Jahre der frühere Bundeskanzler Willy Brandt mit seiner Familie wohnte, kaufen und weitere Einfamilienhäuser auf das Grundstück setzen.
  • Der ehemalige Sitz des Wehrbeauftragten in der Basteistraße 70.
  • Die ehemalige Residenz des äthiopischen Botschafters Im Hohn 31.
  • Das "Haus der Jugendarbeit".
  • Die frühere Fahrbereitschaft des Bundestages an der Franz-Josef-Strauß-Allee. Das unterirdische Parkhaus war vor 15 Jahren für 8,5 Millionen Euro vom Bund gebaut worden und steht seit fünf Jahren leer. Das Bundesvermögensamt hatte es nach dem Parlamentsumzug anderen Institutionen angeboten - doch keine wollte es haben.

Dazu auch der Kommentar: "Lästige Leerstände