Bund baut in Bonn für fast 900 Millionen Euro

Seit dem Umzug werden viele Gebäude modernisiert - "Es gab einen hohen Sanierungsstau" - Hardthöhe ist eine Dauerbaustelle - Neues Domizil des Bundesinstituts für Arzneimittel im April fertig

Bonn. Eine beeindruckende Zahl: In der Zeit zwischen dem Umzug von Parlament und Teilen der Regierung vor knapp drei Jahren und dem Jahr 2004 investiert der Bund in seine Bonner Liegenschaften 891 Millionen Euro. "Der geringste Teil dieses Betrages ist umzugsbedingt", betont Ralf Poss vom Bundesbauministerium.

Nach dem Bonn/Berlin-Beschluss vom 20. Juni 1991 habe sich der Bund mit Investitionen zurückgehalten: "Daher gab es jetzt einen hohen Sanierungsstau." Poss: "Auch ohne Umzugsbeschluss hätten die meisten Gebäude umgebaut oder saniert werden müssen; es handelt sich also um ''So-wie-so-Kosten''."

So teilen sich die Kosten auf:

- Kaiser-Friedrich-Straße 18: In das ehemalige Bürogebäude des Bundespräsidialamtes ist das Bundeskartellamt eingezogen. Umbaukosten: Vier Millionen Euro.

- Adenauerallee 141: In das Bundeskanzleramt zieht in zwei Jahren das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein. Vor vier Monaten haben die Umbauten begonnen, die nicht zuletzt wegen der umfangreichen Asbestsanierung langwierig sind. Kosten: 42 Millionen Euro.

- Adenauerallee 99-103: Das Auswärtige Amt bleibt zweiter Dienstsitz des AA und wird zweiter Dienstsitz des Justizministeriums; zudem zieht dort das Bundeszentralregister ein. Die Grundsanierung ist inzwischen abgeschlossen. Gesamt-Sanierungskosten: 47 Millionen Euro.

- Adenauerallee 81: Das frühere Postministerium ist seit gut einem Jahr neues Domizil des Bundesrechnungshofes. Modernisierungskosten: 11 Millionen Euro.

- Graurheindorfer Straße 198: Hier hat das Innenministerium seinen zweiten Dienstsitz; ferner arbeiten dort die Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes (Außenstelle Bonn). Die Sanierung wird Ende dieses Jahres abgeschlossen. Kosten: 25 Millionen Euro.

- Graurheindorfer Straße 108: Neben dem Finanzministerium sind dort die Bundesaufsichtsämter für das Kredit- und für das Versicherungswesen untergebracht. Kosten: 17 Millionen Euro; davon alleine zwölf Millionen Euro für Brandschutzmaßnahmen und für IT-Technik.

- Kreuzbauten an der B 9: Der zweite Dienstsitz des Forschungsministeriums und das Eisenbahnbundesamt etablieren sich dort. 2004 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Kosten: 40 Millionen Euro. Dieser Betrag könnte sich noch erhöhen, da es "sehr hohe Brandschutzdefizite gibt".

- Villemombler Straße 76: Im nächsten Jahr wird der Umbau abgeschlossen; dann stehen dem Wirtschaftsministerium (zweiter Dienstsitz) sowie dem Bundesversicherungsamt und der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung neue Räume zur Verfügung. Kosten: 35 Millionen Euro.

- Rochusstraße 1: Das Landwirtschaftsministerium mit seinem ersten und das Arbeitsministerium mit seinem zweiten Dienstsitz haben dort ihre Adresse. In diesem Jahr soll die Sanierung abgeschlossen werden. Kosten: 16 Millionen Euro.

- Hardthöhe: Der erste Dienstsitz des Verteidigungsministeriums ist quasi eine Dauerbaustelle. Bis zum Jahr 2004 sind Investitionen von 55 Millionen Euro vorgesehen.

- Heinrich-von-Stephan-Straße 1: Bis zum Umzug in den Jahn-Tower ist das Haus Domizil der Post AG; ab nächstem Jahr wird es der erste Dienstsitz des Gesundheits- und des Umweltministeriums. Voraussichtliche Umbaukosten: Rund vier Millionen Euro.

- Robert-Schuman-Platz 1: Das frühere "Hauptquartier" des Verkehrs- und Bauministeriums ist nun zweiter Dienstsitz dieses Ressorts; zudem ist dort das Bundeseisenbahnvermögen eingezogen. Kosten: Vier Millionen Euro.

- Welckerstraße 11: Das Bundespresseamt ist dort mit seinem zweiten Dienstsitz vertreten; zudem sitzt dort die Firma Fiskus, die Software für Steuerverwaltung entwickelt. Ende dieses Jahres rücken die Arbeiter ab. Kosten: Zehn Millionen Euro.

- Deichmanns Aue: Die ehemalige US-Botschaft wird für die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) umgebaut. Kosten: 27 Millionen Euro.

- Deichmanns Aue 31-37: Die 1 200 Mitarbeiter des Bundesamtes für Raumordnung und Bauwesen sollen für zehn Millionen Euro eine neue Kantine bekommen, die auch BLE-Kollegen zur Verfügung stehen soll. Für Ergänzungsbauten, Hochwasserschutz und Modernisierung wurden bereits acht Millionen Euro ausgegeben.

- Tulpenfeld: Neben der Regulierungsbehörde sind dort der Deutsche Entwicklungsdienst, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik und die Deutsche Stiftung für Internationale Entwicklung eingezogen. Im Auftrag des Bundes hat der Vermieter in den Umbau 50 Millionen Euro investiert.

- Kurt-Georg-Kiesinger-Allee: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat den ersten Bauabschnitt des Neubaus bereits bezogen; im nächsten Monat ist das Haus komplett fertig. Kosten: 90 Millionen Euro - "und damit zehn Millionen Euro preiswerter als veranschlagt".

- Langer Eugen: Im Sommer beginnen die Umbauten, die 2004 abgeschlossen werden; dann ziehen dort neben UN-Organisationen das Bundesinstitut für Berufsbildung und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung ein. Gesamtkosten: 60 Millionen Euro.

- Haus Carstanjen: Das Domizil der Bonner UN-Organisationen wurde umgebaut - für sieben Millionen Euro.

- Görresstraße: Vor allem der Brandschutz musste in der Außenstelle des Bundesrates verbessert werden. Kosten: Zwei Millionen Euro.

- Für das Kongresszentrum (Plenarsaal und Wasserwerk) und den UN-Campus (altes Bundeshaus) hat der Bund bereits einiges investiert und wird es bis 2004 noch tun. Gesamtkosten: 17 Millionen Euro.

- Schürmann-Bau: Seit 1999 wird das einst durchs Hochwasser arg beschädigte Gebäude saniert und fertiggestellt; im Herbst zieht dort die Deutsche Welle ein. Für diese Arbeiten gibt der Bund 310 Millionen Euro aus.