Bornheimer Pfarrer wegen Missbrauchsverdachts beurlaubt

Das Erzbistum hat den Bornheimer Pastor Wolfgang Hages wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs beurlaubt. Der Stein sei ins Rollen gekommen, nachdem sich das Opfer, von dem ansonsten nichts bekannt ist, beim Bistum gemeldet hatte.

Bornheim. "Der Hages? Das glaub ich nicht." Die Bornheimerin hat gerade erfahren, dass Pastor Wolfgang Hages beurlaubt ist. Wegen Missbrauchs.

"Da hat mich eine Jugendsünde eingeholt. Es ist 34 oder 35 Jahre her. Ich will es nicht runterspielen", erklärte der beliebte Priester am Sonntag auf Anfrage des General-Anzeigers. "Ich habe als junger Kaplan eine schwere sexuelle Verfehlung begangen und schäme mich dieser Tat. Nichts in meinem Leben bereue ich mehr als diesen Vorfall. Doch ich kann ihn auch nicht ungeschehen machen. Deshalb bitte ich alle Mitgläubigen, für diesen Mann zu beten, wie ich es ständig mache", sagte Hages am Sonntag.

Der Stein sei ins Rollen gekommen, nachdem sich das Opfer, von dem ansonsten nichts bekannt ist, beim Bistum gemeldet hatte.

"Eine solche Tat mag juristisch verjähren. Die Schuld, die ich auf mich genommen habe, wird nie vergehen. Das werde ich mit Gott zu klären haben. Im weltlichen Bereich werden sich jetzt der Staatsanwalt und die kirchlichen Gremien damit beschäftigen. Noch weiß ich nicht, was in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird", erklärte Hages.

In der Messe in Sankt Servatius vertrat Kreisdechant Anno Burghof am Sonntag den beurlaubten Hages, der Pfarrvikar für die Gemeinden Bornheim, Roisdorf, Brenig, Hersel und Widdig war. In den Gemeinden wurde ein sogenanntes "Proklamandum" verlesen, eine persönliche Erklärung von Hages, und eine Mitteilung des Erzbistums.

Darin heißt es, nach einem Gespräch mit dem Beschuldigten sei der Pastor "bis zur Klärung seiner persönlichen Situation beurlaubt" worden. Den Vertretungsdienst werde Kreisdechant Anno Burghof regeln. "Wir bitten Sie, liebe Gemeindemitglieder, für Pfarrer Hages zu beten und zu hoffen, dass Sie, Ihre Seelsorger und Pastoralen Dienste diese schwierige Situation in der Verbundenheit mit Christus tragen können."

Mit Anno Burghof haben Genearalvikar Prälat Dominik Schwaderlapp und Monsignore Stefan Heße, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge Personal beim Bistum Köln, dieses Papier ausgearbeitet.

Wolfgang Hages ist seit neun Jahren Pastor in Bornheim und hat sich in dieser Zeit sehr eingesetzt für die Gemeinde. Wie beliebt er ist, sieht man daran, dass er bereits in den Tagen nach der Suspendierung viele Briefe aus den Gemeinden bekam. "Die Leute haben mir Mut zugesprochen und mir Hilfe angeboten", sagte Hages am Sonntag.

Als geborener Bonner und dann Vikar und Pastor in verschiedenen Pfarreien des Rheinlands ist er sehr eng mit dem Karneval verbunden. So übernahm er vor einem Jahr die Leitung des Tollitätentreffs und führte als Präsident gewohnt routiniert durch die größte Sitzung der Stadt. Die rheinische Frohnatur hatte im Laufe der Jahre bereits in verschiedenen Karnevalsvereinen die Präsidentschaft übernommen und gab jüngst den Don Camillo.

Jeder kannte den katholischen Seelsorger, der mit seinem Hund auch aus dem Stadtleben nicht wegzudenken war. Schützen und Karnevalisten schätzten ihn ebenso wie die Gläubigen.

Kurz gefragt

Das Erzbistum hat den 61-jährigen Bornheimer Pastor Wolfgang Hages vom Dienst beurlaubt und wirft ihm sexuellen Missbrauch vor, was der katholische Geistliche zugibt. Mit ihm sprach Werner Meyer.

General-Anzeiger: Herr Hages, wie stehen Sie zu den Vorwürfen?

Wolfgang Hages: Es ist so gewesen. Es war eine schwere Sünde, die ich vor 34 oder 35 Jahren begangen habe. Ich schäme mich dafür. Ich war junger Vikar, der Jugendliche 15 Jahre alt. Ich würde alles tun, um das rückgängig zu machen. Nichts bereue ich mehr als diese Taten.

GA: Wie geht es für Sie persönlich weiter?

Hages: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Der Vorfall geht nun vom Erzbistum nach Rom, dort wird entschieden. Ob ich mein Amt in irgendeiner Form weiter ausüben kann und wenn, wo, das kann ich nicht sagen. Erst einmal bin ich beurlaubt.

GA: Wie haben die Gemeindemitglieder reagiert?

Hages: Das kann ich nicht allgemein beantworten, da ich kaum welche getroffen habe. Viele haben mir aber Briefe geschickt und mir Mut gemacht. Ich bitte alle Pfarrangehörigen um Entschuldigung, die ich tief enttäuscht habe.