Bewegende Feierstunde: Willy-Brandt-Forum in Unkel eröffnet

Es ist ein Vormittag des Gedenkens an einen besonderen Mann. Ein Vormittag, an dem die Rührung mitunter so groß ist, dass der eine oder andere schlucken muss.

Unkel. Es ist ein Vormittag des Gedenkens an einen besonderen Mann. Ein Vormittag, an dem die Rührung mitunter so groß ist, dass der eine oder andere schlucken muss. Am Sonntag wurde das neue Willy-Brandt-Forum in Unkel eingeweiht; rund 400 Gäste kamen zu einer Feierstunde im benachbarten Center-Forum, darunter der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, der ehemalige spanische Ministerpräsident Felipe Gonzáles und Brandts Witwe Brigitte Seebacher.

"Der Zufall hatte Willy Brandt nach Unkel gebracht. Die Jahre, die er hier verbracht hat, waren glückliche Jahre", erzählt Seebacher. Als es um einen Hausbau, womöglich andernorts, gegangen sei, habe ihr Mann sich entrüstet: "Ich gehe doch nicht aus Unkel weg."

Info Das Willy-Brandt-Forum am Willy-Brandt-Platz 5 in Unkel mit seinen rund 500 Ausstellungsstücken und 20 audiovisuellen Medien hat dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und an Wochenenden sowie Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. www.willy-brandt-forum.com

Das ist er auch nicht. Willy Brandt, 1979 in das Rotweinstädtchen gezogen, verbrachte seine letzten Tage in Unkel. Da war der Hausarzt in Erpel - "ohne seinen Einsatz wäre sein Ende nicht so friedvoll gewesen" -, da waren die beiden Menschen, denen Brandt voll und ganz vertraute: der Handwerker und Hausmeister Hermann Müller, für Brandt der Inbegriff des stolzen Facharbeiters, und die Haushaltshilfe Waltraud Lenzenbach.

"Waltraud und Hermann haben mit mir zusammen den Sterbenden gepflegt", erzählt Seebacher. Und als sie ihren Mann fragte, wer ihm, wenn es soweit sei, die letzte Rasur geben solle, da habe er gesagt: "Hermann."

Auch Felipe Gonzáles gibt an diesem Vormittag Persönliches preis. Vierzig Jahre habe er im Dialog mit Willy Brandt gestanden. Seinen letzten Besuch in Unkel habe er als solchen nicht wahrhaben wollen. So habe er erst beim Staatsakt in Berlin Abschied genommen - auch damals sprach der Freund Willy Brandts. Gonzáles unterscheidet alte Junge und junge Alte. Zu letzteren gehöre, "wer rebellisch bleibt, nicht aufgibt, für den Frieden kämpft. Das Forum kann eine Hommage an Willy Brandt sein, wenn es sich das zur Aufgabe macht: den Dialog".

"Dass diese Initiative aus der Mitte der Bürgerschaft entsprungen ist, ist ein Zeichen, was Worte wie 'Mehr Demokratie wagen' für eine Wirkung entfaltet haben", hebt Kurt Beck hervor. Thomas Ottersbach, Vorsitzender der Stiftung, die das neue Museum ermöglicht hat, dankt viel an diesem Vormittag: den rund 200 Spendern, den vielen Sponsoren und Unterstützern. Und stolz ist er, das ist zu spüren, auf diese "Ausstellung über den einzigen Friedensnobelpreisträger Deutschlands, den großen Versöhner Willy Brandt".

Gäste und Geschenke
  • Grüße von Gerhard: Altbundeskanzler Schröder habe leider nicht nach Unkel kommen können, er richte aber Grüße aus, sagte Ministerpräsident Kurt Beck. Auch Altbundespräsident Walter Scheel und Schriftsteller Günter Grass ließen grüßen.
  • Wally bei Willy: Honnefs Bürgermeisterin Wally Feiden war unter den Gästen im Center-Forum. Ebenso Oberbürgermeister (OB) Jürgen Nimptsch aus Bonn, SPD-Chef Sigmar Gabriel, VG-Bürgermeister Werner Zimmermann, Stadtbürgermeister Gerhard Hausen, Neuwieds OB Nikolaus Roth und Brandts ältester Sohn Peter Brandt.
  • Rot dominiert: Rote Krawatten, wohin man sah - überhaupt kam die Symbolfarbe der Sozialdemokraten am Sonntag im Center-Forum gehäuft vor. Beim Blumenschmuck mag das noch Absicht gewesen sein, bei den Poloshirts der Rhine-Island-Bigband, einer Schülerband vom Gymnasium Nonnenwerth, wohl eher nicht.
  • Museumsstücke: Kurt Beck brachte eine Gabe für das neue Museum mit: ein Foto, das Willy Brandt 1990 bei einem Besuch in Leipzig zeigt. "Man hat gespürt, dass da ein Mann ganz tief empfindet." Brandts Witwe Brigitte Seebacher schenkte Brandts "allerletzten grünen Filzschreiber", mit dem er geschrieben hat, und einen goldenen Armreif, den ihr Mann ihr 1990 aus Bagdad mitgebracht hat, als er sich dort für die Befreiung von Geiseln einsetzte.
  • Mitschüler: Hans Dreyer, 100-jähriger Mitabiturient von Willy Brandt, war auch gekommen - und erhielt großen Applaus.