Handel mit neuartigen Drogen

Betreiber von Internetshops verhaftet

Die so genannten Legal Highs-Päckchen.

MAYEN. Monatelange Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz und der Kriminalinspektion Mayen gegen die Betreiber verschiedener Internetshops haben jetzt zu zahlreichen Verhaftungen geführt. Die Verantwortlichen hatten über das Internet neuartige Designerdrogen, so genannte Legal Highs, vertrieben.

Diese neuartigen Rauschmittel beinhalten chemische Substanzen, die vielfach stärkere Rauschzustände als der Konsum von Cannabis und Amphetamin hervorrufen. Die neu entwickelten Wirkstoffe werden auf neutrale Trägersubstanzen – etwa pflanzliche Kräutermischungen – aufgetragen, in Alu-Tütchen verpackt und in dieser Form im Internet oder so genannten „Headshops“ verkauft. Der Verkaufspreis je Verpackungseinheit (0,5 g bis 3 g) schwankt zwischen 10 und 30 Euro.

In einem Fall hatte die Polizei Ende Januar in Senheim bei Cochem einen 20-Jährigen und einen 25-Jährigen verhaftet, die in dem dringenden Verdacht stehen, für die Dauer von mindestens einem halben Jahr über mehrere Internetshops Tausende solcher Legal Highs verkauft und mit diesen Umsätze im sechsstelligen Eurobereich erzielt zu haben.

Trotz einer ersten Durchsuchung im November 2011 setzten die Verdächtigen ihr Geschäft fort und wollten es nach Belgien verlegen. Diesem Plan kam die Polizei durch die Verhaftung zuvor, bei der erneut 370 Päckchen Legal Highs sichergestellt wurden. Gegen beide Männer erging Haftbefehl wegen gewerbsmäßigen Handels mit und der unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln in 31 Fällen sowie 14 Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz jeweils in einem besonderes schweren Fall.

Bei Rock am Ring den Ermittlern aufgefallen

Im zweiten vorliegenden Fall sind die Ermittler einer mehrköpfigen Tätergruppe auf die Schliche gekommen. Mitte März konnten bei Durchsuchungen von Häusern in Barweiler, Quiddelbach, Troisdorf, Simmerath und Koblenz neben umfangreichen Beweismitteln in digitaler und schriftlicher Form auch mehr als 3500 Verpackungseinheiten Legal Highs sichergestellt werden. Dabei nahm die Polizei zwei Haupttäter im Alter von 22 und 25 Jahren fest, gegen beide erging Haftbefehl.

Zum ersten Mal war die Tätergruppe den Ermittlern bei Rock am Ring aufgefallen, als sie Legal-Highs-Produkte verkaufte. Weitere Recherchen ergaben, dass sie zusätzlich einen Online-Shop und vermutlich Geldwäsche auf einem Konto eines der Haupttäter betrieben. Nach bisherigen Erkenntnissen bewegen sich die Warenumsätze der Gruppierung in einem Bereich von mindestens 500.000 Euro.

Die Täter agierten bei der Verschleierung der Geldflüsse, der Anmietung von Büroräumen, der Entgegennahme der Lieferungen und dem Versand der Designerdrogen äußerst konspirativ, so dass ihr Warenlager lange unerkannt blieb. Auch in diesem Fall planten die Haupttäter, ihren Geschäftssitz ins benachbarte Ausland zu verlegen.

Hersteller sitzen im Ausland

Üblicherweise sitzen die Hersteller der Legal Highs im Ausland. Sie zeichnen ihre Produkte zwar mit dem Hinweis aus „ Nicht zum Konsum geeignet, nur zum Verräuchern“ und unter Berufung auf zweifelhafte Gutachten, wonach die Mischungen vermeintlich keine Stoffe enthalten, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Tatsächlich enthalten eine Vielzahl dieser neuartigen Produkte jedoch Substanzen, die unter das deutsche Betäubungsmittelgesetz (BtmG) fallen, zumindest jedoch immer als bedenkliche Arzneimittel im Sinne des Arzneimittelgesetzes (AMG) zu bewerten sind. Daher stellt der Verkauf solcher Substanzen – je nach Stoffgehalt – entweder eine Straftat nach dem BtmG oder aber zumindest dem AMG dar. Der Erwerb dieser Produkte für den Käufer ist dann strafbar, wenn sie Betäubungsmittel enthalten.