Bayern wird seine Landesvertretung nicht los

Während alle anderen Bundesländer ihre früheren Bonn-Botschaften verkauft haben, steht das Denkmal in der Schlegelstraße seit sechs Jahren leer - Jetzt gibt es aber zwei konkrete Angebote

Bonn. Die Bayern waren 1954 die ersten, die in Bonn eine Landesvertretung errichteten. Nun sind sie die letzten - zumindest, was den Verkauf ihrer Dependance in der ehemaligen Bundeshauptstadt angeht. Seit ihrem Umzug nach Berlin vor gut sechs Jahren versuchen sie, die Immobilie in der Schlegelstraße, gleich neben der Baustelle für das United Nations Congress Center (UNCC), zu verkaufen.

Nachdem im vergangenen Jahr die Verhandlungen mit zwei potenziellen Interessenten gescheitert waren, "liegen uns jetzt zwei konkrete Angebote vor - und eine weitere Anfrage, die jedoch ohne Gebot", sagte die Sprecherin des zuständigen bayerischen Finanzministeriums. Über die Erfolgsaussichten der aktuellen Verhandlungen mochte sie keine Prognose abgeben: "Wir befinden uns noch nicht in den Schlussverhandlungen."

Neben der Welthungerhilfe, die sich dann aber für ein Bürohaus in der Godesberger Friedrich-Ebert-Straße entschieden hatte, war im vergangenen Jahr auch der Betreiber einer psychosomatischen Klinik an dem Gebäude interessiert. Doch die Stadt lehnte eine weitere Klinik in diesem exponierten Viertel ab, zumal sie zuvor nur mit großen Bedenken der Nutzung der gegenüberliegenden ehemaligen Landesvertretung von Baden-Württemberg als Schönheitsklinik zugestimmt hatte.

Aus diesem "Fehler" - so ein Ratsmitglied - hat die Stadt gelernt. Sie legte inzwischen per Bebauungsplan fest, dass "im Plangebiet nur Kongressgebäude sowie diese ergänzende Nutzungen wie zum Beispiel Büros und Verwaltungen, Hotels, Schank- und Speisewirtschaften, Läden, Parkierungseinrichtungen und dergleichen allgemein zulässig sind. Schließlich sollen auch Wohnungen . . . ausnahmsweise zulässig sein."

Großes Interesse am Erhalt des vor gut 50 Jahren von dem renommierten Architekten Sep Ruf (er hat auch den ehemaligen Kanzler-Bungalow neben der Villa Hammerschmidt entworfen) errichteten Anwesens hat zudem Bonns oberster Denkmalschützer Franz-Josef Talbot. Daher wurde auch ein Verfahren eingeleitet, das Gebäude Schlegelstraße 1 unter Denkmalschutz zu stellen.

Zur Begründung heißt es: "Das Objekt ist bedeutend für die Geschichte des Menschen als Zeugnis für den Ausbau der Stadt Bonn zur provisorischen Hauptstadt in der Nachkriegszeit Deutschlands. Das Gebäude ist ein qualitätsvolles Zeugnis der Architektur der 1950-er Jahre."

Übrigens: Mit einer ähnlichen Begründung wurden auch die drei ehemaligen Abgeordneten-Wohnhäuser eine Ecke weiter, Heussallee/Görresstraße, unter Schutz gestellt. Nach derzeitigem Planungsstand sollen zwei dieser Gebäude weiterhin zu Wohnzwecken genutzt werden; in dem dritten Haus ist ein Informationscenter für UNCC und UN-Campus vorgesehen.