Bahn schlägt neues Kapitel auf

Ein zentrales Stellwerk in Euskirchen regelt jetzt den Zugverkehr auf der Voreifelstrecke (RB23).

Rhein-Sieg-Kreis. Auf der Bahnstrecke Bonn-Euskirchen (RB 23) ist am Wochenende ein Stück Eisenbahngeschichte zu Ende gegangen. Die Deutsche Bahn hat die sieben Stellwerke aus den Jahren 1953 bis 1987 still gelegt. Dafür ist jetzt das elektronische Stellwerk in Euskirchen in Betrieb.

Von dort wird der Zugverkehr zwischen Bonn und Euskirchen zentral gesteuert. Aber nicht nur die Technik wird modernisiert. Einige Stationen der RB 23 bekommen einen neuen Außenbahnsteig. Die Bahn investiert nach eigenen Angaben 37 Millionen Euro.

Auch im Witterschlicker Stellwerk war am Wochenende Schicht. "Es war ein trauriger Moment, als die Leitungen zu Signal und Weichen gekappt wurden und die Ausgleichsgewichte zu Boden fielen", berichtet Annette Söhngen. Ihr Mann Albert, seit 1976 Fahrdienstleiter bei der Bahn, hat diesen Moment mit Kollegen erlebt: "Um 0.49 Uhr fuhr am Samstag der letzte planmäßige Zug.

Ein bisschen Wehmut war schon dabei." Die Söhngens, denen der Bahnhof mit der angegliederten historischen Güterhalle gehört, planen hier nun ein Stellwerksmuseum. "Wir wollen an diese Technik erinnern, die nun über 130 Jahre lang tadellos lief", sagte Albert Söhngen.

Die 24 Bediensteten, die bislang die Stellwerke an der Voreifelbahn bedient haben, werden laut Bahn-Sprecher Jürgen Kugelmann "sozialverträglich umverteilt". Der Abzug des Personals von den einzelnen Stationen hat jedoch Auswirkungen auf die Infrastruktur. So muss die Bahn Mittelbahnsteige abreißen - weil niemand mehr die Fahrgäste im Blick hat, wenn sie über einen kleinen Fußweg die Gleise queren.

Statt dessen baut die Bahn nun erhöhte, barrierefreie Außenbahnsteige. Der erste in Odendorf ist bereits fertig. Am Bahnhof Kottenforst beginnen in Kürze die Arbeiten - obwohl die Station, ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Radler, nur an Wochenenden und nur bei Bedarf von der RB 23 angefahren wird. Fahrgäste müssen eine Taste drücken.

Wie hoch die Investitionen in den wenig frequentierten Bahnhof sind, konnte Holger Klein, Sprecher des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR) am Montag nicht sagen. "Der Umbau muss schon aus Sicherheitsgründen gemacht werden - egal wie oft der Zug hält."

Auch am Bahnhof Meckenheim entsteht gerade ein neuer Außenbahnsteig. Er soll ab 2014 durch eine Unterführung mit dem Bahnhofsvorplatz verbunden werden. So lange diese nicht fertig ist, müssen Fahrgäste den Umweg über den nächsten Bahnübergang am Baumschulenweg nehmen - keine gute Lösung, findet die Stadt Meckenheim, die deshalb mit der Bahn über eine "bürgerfreundliche Lösung" im Gespräch ist.

Am Meckenheimer Bahnhof beginnt jetzt auch der Bau eines neuen Park-and-Ride-Platzes. Es entstehen rund 120 neue Parkplätze, es sind dann insgesamt 185. Hinzu kommen neue Fahrradboxen. Wegen der Bauarbeiten appelliert die Stadt, in den kommenden Monaten auf den Parkplatz am Bahnhof Industriepark auszuweichen.