Joshua Osolo

Bad Honnef kämpft um Paketzusteller "Jambo"

BAD HONNEF. Jeder kennt Jambo, und Jambo kennt jeden: Seit gut sieben Jahren arbeitet Joshua Osolo als Paketzusteller in Bad Honnef. Bei Jung und Alt bekannt ist er unter dem Spitznamen Jambo, jenem freundlichen Gruß auf Kiswahili (gesprochen Djambo), den der gebürtige Kenianer stets auf den Lippen führt.

Seit kurzem müssen die Bad Honnefer auf Jambo verzichten. Daraus könnte ein Dauerzustand werden: Die Deutsche Post DHL hat die Versetzung angekündigt. Das Thema macht in der Stadt die Runde. Und es ruft die Geschäftswelt auf den Plan.

In einem Brief an die DHL-Personalabteilung bitten Georg Zumsande, Vorsitzender des Vereins Centrum, und die Vorstände Walter Löbach und Jürgen Kutter, Joshua Osolo nicht zu versetzen. Sicher 500 Stempel samt Unterschriften, vom Rathaus bis zum Einzelhändler und Rechtsanwälten, zieren mittlerweile den Brief.

"Mit tiefem Bedauern nehmen wir die Abberufung von Herrn Joshua Osolo aus dem Bad Honnefer Paketzustelldienst zur Kenntnis", schreibt Centrum. Und: "Herr Osolo genießt seit Beginn seiner Zustelltätigkeit unser vollstes Vertrauen und ist uns wegen seines ehrlichen, engagierten und zuverlässigen Verhaltens sehr ans Herz gewachsen!

Er hat sich im Stadtgebiet von Bad Honnef bei vielen unserer Geschäftskollegen einen hervorragenden Ruf erworben, ist Teil unseres städtischen Miteinanders geworden und für die DHL ein Paradebeispiel einer immer sympathischen bürger- wie unternehmensbezogenen Zusammenarbeit. Wir bitten Sie, Herrn Osolo im Bad Honnefer Paketzustelldienst zu belassen und noch eine Chance zu geben. Schenken Sie ihm bitte weiterhin Ihr Vertrauen. Unseres genießt er, wir denken, er hat es verdient."

Auslöser der Angelegenheit, in deren Folge Osolo erkrankt ist, war ein Samstag im Juni. Laut Schreiben von Rechtsanwältin Bärbel Müßig-Klein, das dem GA vorliegt, wird dem 49-Jährigen vorgeworfen, "in seiner Wohnung Pause" gemacht zu haben. Tatsächlich aber sei der Schlüssel des Postautos defekt gewesen, so Müßig-Klein. Die Ersatzschlüssel werden im Zustellstützpunkt aufbewahrt.

Als Osolo dort niemanden erreicht habe, habe er sich von Rheinbreitbach zu Fuß auf den Weg nach Honnef gemacht, traf wieder niemanden an und sei dann zurück zum Wagen gelaufen. Die Variante Bus fiel flach: Samstags verkehrt der nur stündlich.

Osolo wurde kurzfristig zum Personalgespräch einbestellt. Terminiert wurde das auf seinen freien Tag, an dem er wegen familiärer Verpflichtungen verhindert war. Das teilte er auch mit. Gleichwohl erreichte ihn am 21. Juni die Abmahnung, er sei "unentschuldigt" nicht erschienen.

Stimmt nicht, sagt die Rechtsanwältin. Sie habe Klage eingereicht, so Müßig-Klein zum GA: "Aber die Post hat sich bis heute nicht dazu geäußert." Sie ist sicher: "Die Abmahnung ist völlig überzogen. Und Herr Osolo leidet extrem unter der Situation." Nur eine handschriftliche Notiz, nach der ein "Personalgespräch zu einem späteren Zeitpunkt" stattfinden soll, habe sie erhalten. Osolo selbst mochte sich nicht weiter äußern. Nur so viel: Der Vertrauensverlust des Arbeitgebers schmerze, umso mehr freue ihn die Unterstützung der Kunden, so Osolo, der dereinst in Bonn Medizin studiert hat. Er arbeite gerne für die Post und in Bad Honnef und wolle dies weiterhin tun.

"Wir freuen uns natürlich sehr, dass die Kunden hinter unserem Zusteller stehen", sagte Post-Pressesprecherin Gabriela Heltewig auf Anfrage. Sie bestätigte, dass eine Versetzung Osolos in Rede stehe. Eine Entscheidung könne aber erst getroffen werden nach dem Personalgespräch: "Bis unser Mitarbeiter wieder im Dienst ist, können wir dazu nichts sagen." Generell sei es nicht unüblich, dass Zusteller versetzt würden, aus den verschiedensten Gründen. Der Service am Kunden sei dadurch nicht beeinflusst.

Letzteres will Zumsande gar nicht in Abrede stellen, pocht aber auf die menschliche Komponente. Und hofft, dass der Appell der DHL-Kundschaft auf fruchtbaren Boden fällt. Zumsande zum GA: "Nach einem solchen Mitarbeiter leckt sich jede Firma die Finger. Eine bessere Visitenkarte gibt es nicht, auch nicht für die DHL."