Architekt fordert 1,1 Millionen Euro von Rheinbach

Jürgen Welsch sieht sich als Urheber der Umbaupläne für das frisch sanierte Waldhotel. Für den Bürgermeister gehört die Forderung des Architekten "in das Reich der Fabeln".

Rheinbach. Der Stadt Rheinbach droht teures Ungemach. Denn Architekt Jürgen Welsch verlangt von der Verwaltung 1,12 Millionen Euro Schadensersatz. Streitpunkt ist das Urheberrecht der Umbaupläne für das frisch sanierte Waldhotel.

Der Architekt sagt, er habe Idee, Konzept und Pläne - so, wie sie jetzt realisiert wurden - entwickelt. Und das bereits vor mehr als fünf Jahren. Die Verhandlungen mit der Stadt, die damals Besitzerin der Immobilie war, seien dann ins Stocken geraten und schließlich ganz auf Eis gelegt worden.

Und nun habe urplötzlich ein anderer Investor genau seine Pläne realisiert, dafür aber nicht bezahlt. Stattdessen habe dieser einen anderen Architekten beauftragt und sich die Planungs- und Entwicklungskosten gespart.

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Investor Hermann-Josef Prior dagegen spricht davon, dass sich Welsch fälschlicherweise als Urheber bezeichne. Vielmehr habe sein Architekt die Entwürfe kreiert. Welsch habe von Anfang an nur die Funktion als Seniorenwohnheim oder von Privatwohnungen vorgesehen.

Auch Bürgermeister Stefan Raetz äußerte sich zum Schreiben von Architekt Welsch: "Die aberwitzige Forderung von Herrn Welsch ist der Stadt bekannt. Sie gehört ins Reich der Fabeln. Es gibt keine begründeten Ansprüche von Herrn Welsch gegenüber der Stadt."

Einem möglichen Rechtsstreit sehe er gelassen entgegen. "Ich bin froh und dankbar, dass wir einen regionalen Investor gefunden haben, der das alte Waldhotel mit einem Architekten aus Merzbach wieder zu altem Glanz geführt hat - ohne die Planung von Herrn Welsch."

Andererseits hatte der Bürgermeister dem Architekten in einem Referenzschreiben vom März 2009 bescheinigt, "für Liegenschaften aus dem vormaligen Eigentum der Stadt Entwurfs-, Planungs- und Projektierungsideen entwickelt und konzipiert" zu haben.

"Hierbei handelte es sich beispielsweise um ein ehemaliges Kurhaus-Waldhotel, gelegen im Stadtwald Rheinbachs", so Raetz weiter. Unterstützung erhält Welsch von einem Städteplaner der Uni Bonn: "Ich habe die Planungen zu Beginn des Jahres 2005 persönlich sehen dürfen.

Es handelt sich aus meiner Erinnerung heraus um exakt jene Planungsidee, die mittlerweile auch zur Realisierung gekommen ist", heißt es in einer Stellungnahme, die dem GA vorliegt. In dem mehrseitigen Schreiben von Welschs Anwalt ist viel von Optionen, Konzept- und Urheberrecht die Rede.

Tatsächlich ist eine gewisse Ähnlichkeit des Welschschen Entwurfes und des inzwischen realisierten Entwurfs nicht von der Hand zu weisen. Der Architekt kündigte deshalb an, nachdem die der Stadt gesetzte Frist verstrichen ist, einen Prozess anzustrengen.

Der Klageauftrag sei bereits erteilt worden. Derweil ist das Waldhotel eröffnet worden. Vergangenes Wochenende präsentierte sich die Immobile bei einem Tag der offenen Tür.