Am Rheinufer kreist die Abrissbirne

<b>Einem Trümmerfeld</b> gleicht das Gelände am ehemaligen Amerikanischen Club in Plittersdorf (im Hintergrund das Haus Carstanjen).

<b>Einem Trümmerfeld</b> gleicht das Gelände am ehemaligen Amerikanischen Club in Plittersdorf (im Hintergrund das Haus Carstanjen).

Vebowag lässt Internationale Schule sowie Schwimmbad und Turnhalle des ehemaligen Clubs in Plittersdorf abreißen

Plittersdorf. Am Plittersdorfer Rheinufer stampfen die Abrissbagger. Die Flachbauten der Bonn International School sind bereits dem Erdboden gleichgemacht. Derzeit werden das Schwimmbad und die Turnhalle des ehemaligen Amerikanischen Clubs auf dem Gelände der Vereinigten Bonner Wohnungsbau AG (Vebowag) abgerissen.

Einzig das unter Denkmalschutz stehende Restaurant-Gebäude des Amerikanischen Clubs bleibt stehen. Es soll in den Fitness-Club mit Sauna, Schwimmbad und Gastronomie integriert werden, den ein Investor dort errichten will, wie Vebowag-Vorstandsvorsitzender Peter Schultz dem GA sagte. Am Konzept habe sich gegenüber den Plänen des abgesprungenen Investors, einer britischen Fitness-Kette, nichts Wesentliches geändert.

Mit luxuriöser Ausstattung soll ein zahlungskräftiges Publikum angesprochen werden. "Normale" Fitness-Center gebe es in Bonn schon genug, meint Schultz. Der Vertrag mit dem künftigen Investor soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Von der insgesamt 29 000 Quadratmeter großen Fläche, die von der Vebowag umgestaltet wird, entfällt etwa die Hälfte auf den neuen Sportclub und auf die Internationale Schule.

Auf einem Teil des ehemaligen Schwimmbadgeländes - die Baugrenze verläuft mitten durch das Gebäude - entstehen Parkplätze für die Internationale Schule. Das neue Schulgebäude soll Anfang 2006 bezugsfertig sein. "Wir stehen daher unter enormem Zeitdruck", sagt Schultz. Dies sei auch die Erklärung dafür, warum das Schwimmbad und die Turnhalle nicht schon früher abgerissen wurden, um bessere Zufahrtsmöglichkeiten für die Baustellenfahrzeuge zu schaffen und so die Anwohner der Martin-Luther-King-Straße zu entlasten.

Aus "technischen Gründen" sei eine andere Reihenfolge der Abrissarbeiten nur mit erheblichen Mehrkosten machbar gewesen, so der Vebowag-Vorstand. Auch wenn der Vertrag mit dem Investor des Fitness-Clubs noch nicht abgeschlossen sei, werde das Schwimmbad nun abgerissen, so Schultz, da es so marode sei, dass eine Sanierung teurer käme als ein Neubau.

Auch für das rund 43 000 Quadratmeter-Gelände an der Kennedyallee rechnet die Vebowag in Kürze mit einem Vertragsabschluss. Die Bebauung soll lockerer ausfallen als ursprünglich geplant. Der Anteil der Gewerbeflächen ist von 14 000 auf 4 500 Quadratmeter reduziert worden.

Zufrieden über diese Entwicklung zeigten sich Plittersdorfer Bürger, die am Dienstag vor Ort mit dem SPD-Stadtratskandidaten Ernesto Harder diskutierten. Alle Anwesenden freuten sich, dass die ursprünglich vorgesehene fünf- bis sechsstöckige Bebauung nun vom Tisch ist. Harder machte allerdings deutlich, dass hier keine "Einfamilienhäuser oder Villen" errichtet werden könnten. Gebraucht werde "bezahlbarer Wohnraum".

Gegensätzliche Auffassungen gab es zur angeblich geplanten Ansiedlung eines Aldi-Marktes auf dem Gelände. Harder und einige der anwesenden Bürger vertraten die Auffassung, spätestens nach der Errichtung des neuen Wohnkomplexes müssten in dem Viertel neue Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden.

Ein Aldi-Markt sei hierfür gut geeignet. Andere erklärten, der Aldi-Markt in Friesdorf sei mit dem Auto bequem zu erreichen. Mit der Ansiedlung eines "Billigmarktes" in der Amerikanischen Siedlung werde "die Lagegunst des Viertels herabgemindert" und in unzumutbarer Weise Verkehr angezogen.

Auch wurde argumentiert, für jeden neuen Discounter müsse ein Vollsortimenter schließen. Letzterem Argument widersprach Harder mit Verweis auf das zu erwartende Bevölkerungswachstum. Um zu klären, wie die Bürger in der Siedlung insgesamt zu einer Aldi-Ansiedlung stehen, kündigte Harder an, zusammen mit der "Bürgerinitiative gegen Bebauungswahn in der ehemaligen Amerikanischen Siedlung" nach der Kommunalwahl eine Umfrage durchzuführen.