Einweihung des Lohmarer Alleenradwegs

"Ab der Steinbahn beginnt das Chaos"

SIEGBURG/LOHMAR. Lohmarer weihen Alleenradweg ein. Die neue Wegführung soll für Wanderer und Radler eine attraktive Alternative zum Radweg entlang der stark befahrenen Hauptstraße sein. Siegburg sucht noch nach Lösungen für den Teil auf ihrem Stadtgebiet.

Mit Helm und seinem alten Fahrrad war Horst Becker, bis zur Auflösung des Landtages parlamentarischer Staatssekretär für Verkehr in NRW, von Wahlscheid gekommen, um stilecht am Gründonnerstag den neuen Lohmarer Alleenradweg einzuweihen. Der verläuft parallel zur alten Bahntrasse des "Luhmer Grietchens".

Becker traf sich dort mit Bürgermeister Wolfgang Röger, dem Beigeordneten Michael Hildebrand sowie Barbara Guckelsberger, Technische Beigeordnete der Stadt Siegburg, um die 735 Meter des 2,50 Meter breiten Weges, der in 40 Arbeitstagen auf Lohmarer Seite entstanden ist, feierlich mit einer kleinen Radtour einzuweihen.

Der neue Alleenradweg, der parallel zur ehemaligen Aggertalbahn verläuft, führt unterhalb der Straße "Dammweg" von dem Rad/Gehweg der Hauptstraße ab auf die alte Bahntrasse. Die A 3 und die Abfahrtsspur werden in Durchlässen gequert. Nach etwa 470 Metern verlässt der neue Weg, für den eine wassergebundene Decke benutzt wurde, die Bahntrasse und wird auf dem parallel zu den Gleisen vorhandenen Weg nach Siegburg fortgeführt.

Von dort aus kann zwar heute schon nach Siegburg geradelt oder gewandert werden, allerdings auf Umwegen. "Ab der Steinbahn beginnt das Chaos", sagte Horst Becker und auch ein Lohmarer Radler, der gerade aus Siegburger Richtung über den neuen Weg nach Lohmar gefahren war, ärgerte sich massiv über den Siegburger Teil der Strecke.

"Wir arbeiten derzeit an Lösungen", sagte Guckelsberger mit Blick auf das zwei Kilometer lange Reststück des Weges auf Siegburger Gebiet. Der Planungsausschuss in Siegburg am 3. Mai dürfte schon ein wenig Klarheit bringen. Ob die Siegburger dann ihren Teil der Hausaufgaben in Sachen ortsverbindenden Radweg angehen können, ist allerdings fraglich.

Zwar gibt es seit März eine Siegburger Bürgerinitiative namens "Pro Fuß- und Radweg", die sich für den baldigen lückenlosen Ausbau der Bahntrasse zu einem Radweg einsetzt. Allerdings hat sich unter dem Namen "Initiative für kostenfreie, sichere Radwege" eine weitere Gruppierung in der Kreisstadt formiert, die den Ausbau für eine Verschleuderung von Steuergeldern hält.

Außerdem würde eine gemischte Nutzung als Rad- und Fußweg nicht den derzeitigen Anforderungen an die Verkehrssicherheit entsprechen, und überdies sei der Wildwuchs auf der stillgelegten Bahntrasse als ökologischer Ausgleich für intensiv bewirtschaftete Gartenflächen und als Nische für Kleintiere zu erhalten.

Es sind also dicke Bretter, die gebohrt werden müssen, damit Siegburg seinen Teil zum ortsverbindenden Radweg vielleicht doch noch umsetzen kann. Die Lohmarer haben jedenfalls ihren Teil erledigt. 100.000 Euro kostete der Bau des Radweges, 75.000 Euro davon übernimmt das Land. Die neue Wegführung soll für Wanderer und Radler eine attraktive Alternative zum Radweg entlang der stark befahrenen Hauptstraße sein.

Der Verlauf entlang der alten Bahntrasse mit den immer noch vorhandenen Streckenmarken, den Überbleibseln der Gleisanlage des "Luhmer Grietchens", erinnert an den Bahnverkehr, der am 15. Oktober 1884 um 9.30 Uhr auf der Strecke zwischen Siegburg und Ründeroth begann, später aber nur noch zwischen Siegburg und Lohmar lief und am 18. März 1988 eingestellt wurde.

"Zusammen mit dem ebenfalls neuen, fertiggestellten Stück des Radweges parallel zur B 484 auf Höhe der Ortslage Wahlscheid hat die Stadt Lohmar in diesem Jahr ihr Radwegenetz bereits um 1500 Meter erweitert", freute sich Wolfgang Röger. "Die Eröffnung des neuen Radweges ist ein weiterer Baustein zur Verbindung von Lohmar mit den benachbarten Orten", sagte Becker. Ob die Siegburger sich für den Ausbau des Reststücks entscheiden, um die Kreis- mit der Aggerstadt entlang der alten Bahntrasse mit einem Radweg zu verbinden, bleibt allerdings abzuwarten.