1693 starben in Niederbachem sechs Menschen bei Hochwasser

Das Drachenfelser Ländchen wurde in den vergangenen 350 Jahren vier Mal von Hochwasser-Katastrophen getroffen.

Wachtberg. Hochwasser, Feuersbrünste, Überschwemmungen - nicht nur im Ländchen haben Naturkatastrophen seit Jahresbeginn zu Schäden in Millionenhöhe geführt. Glaubt man den Experten, ist das erst der Anfang. Durch den Klimawandel, so die Meteorologen, dürften Hitze- und Flutwellen zukünftig in immer kürzeren Abständen auftreten.

Vor sechs Wochen wurde das Tal des Mehlemer Bachs überflutet. Aber auch davor wurde das Gebiet der heutigen Gemeinde Wachtberg immer wieder von Unwettern heimgesucht. Nachfolgend eine Chronik der größten Hochwasserkatastrophen auf Gemeindegebiet in den vergangenen 350 Jahren:

  • Besonders schlimm war das Hochwasser vom 24. Juni 1693. In Villip war der dortige Bach innerhalb weniger Stunden angeschwollen und richtete "auf Gudenau talabwärts" großen Schaden an. Im Kloster Marienforst wurde die Klostermauer auf einer Länge von 50 Metern eingerissen und zum Einsturz gebracht. Das Wasser ergoss sich in die Stallungen, so dass die Tiere ertranken und von den Fluten hinweggespült wurden.

    In Niederbachem kamen sechs Menschen in den Fluten des über die Ufer getretenen Mehlemer Bachs ums Leben. Der damalige Pächter des Siegburger Hofes konnte den Wassermassen nur deswegen entkommen, weil er in höchster Not nach dem Schwanz einer Kuh gegriffen hatte und von dieser ans rettende Ufer gezogen worden war.

  • Kaum weniger verheerend, wenn auch glücklicherweise ohne Schaden an Leib und Leben, verlief der Wolkenbruch, der sich am 11. Juni 1859 über dem Gemeindegebiet entlud. Betroffen waren vor allem die Dörfer Werthhoven, Berkum, Gimmersdorf und Ließem. In Berkum soll der Hagel mehr als einen halben Meter dick auf der Straße gelegen haben.

    Die Schäden in Niederbachem rührten vor allem von den Wassermassen her, die von den höher gelegenen Ortschaften durch das Tal des Mehlemer Bachs herabflossen. Der Niederbachemer Johann Riegel notierte damals: "Die Angst und der Schrecken bei dem ersten Anblicke dieser Fluth war fast unbeschreiblich, denn mit einer besonderen Schnelligkeit traf sie ein." Noch Jahrzehnte später wurde in Gimmersdorf in Erinnerung an dieses Unwetter alljährlich eine sogenannte "Hagelmesse" gelesen, für die im ganzen Dorf gesammelt wurde.

  • Auch das Unwetter am 5. August 1931 begann zunächst als normales Sommergewitter. Der Pfarrer von Berkum vermerkte in seiner Pfarrchronik: "Am 5. August Gewitter mit anfänglich zartem Verlauf, dann - gegen halb sechs Uhr abends - sprang es über zu einem Unwetter mit riesigen Dimensionen und mit einem Wolkenbruch in des Wortes wahrer Bedeutung.

    Das ganze Ländchen glich hernach einem Trümmerhaufen, Verwüstungen überall, namentlich in Niederbachem und Mehlem. Der Schaden war unermesslich; nach vorsichtiger Schätzung betrug er etwa eine halbe Million Reichsmark."

    In Niederbachem war die untere Mühle völlig von den Fluten eingeschlossen. Einer der Männer schob eine Leiter durch das Giebelfenster auf den Birnbaum, der etwas höher am jenseitigen Ufer des Mühlbachs stand, und brachte Frauen und Kinder, die sich an seinem Rücken festhielten, hinüber.

    Das mehr als 200 Jahre alte Fachwerkhaus ächzte in allen Fugen, hielt aber dem Wasserdruck stand, während die aus Stein gebaute Scheune und der Stall glatt weggespült wurden.

  • Vielen Ländchenbewohnern in Erinnerung ist noch das Hochwasser vom 2. Juli 1966. Wieder trat infolge eines wolkenbruchartigen Regens der Mehlemer Bach über die Ufer.

    Der inzwischen verstorbene Niederbachemer Robert Schmidt berichtete: "In Strömen kam das Wasser die Berghänge herab. Auf der Austraße trat das Wasser gegen 19.30 Uhr über die Brücke, der Bach hatte eine Breite vom Haus Becker bis über die andere Seite zum Kreuz zu." Überall waren die Feuerwehren im Einsatz. In Berkum stand das Wasser bis zur Kirche.