"Tag der offenen Keller"

1400 Besucher im Ahrtal unterwegs

A-cappella-Gesang und Hammerschläge eines Küfers im tiefen Keller.

KREIS AHRWEILER. Stampfende Maschinen, schepperndes Glas, arbeitende Menschen und jede Menge Zuschauer, die in den Lärm hinein interessierte Fragen stellen und trotz allem freundliche Antworten erhalten. Beim "Tag der offenen Weinkeller", der am Samstag im Ahrtal Premiere feierte, demonstrierte die Dagernova Weinmanufaktur in Bad Neuenahr ihre moderne Füllanlage von der Sterilisation der Flaschen über das Abfüllen, Verkorken, Packen in Sechser-Kartons und Stapeln auf Paletten.

"Wir wollten den Besuchern unseren Alltag demonstrieren", erklärte Marketingleiter Thomas Monreal, der Gruppen durch die Produktionsstätte führte und am Nachmittag kaum noch Stimme hatte. Nicht in jedem der zwölf teilnehmenden Weingüter und Genossenschaften war Winzer-Alltag derart realistisch zu erleben.

Meist ging es mit Führungen gemächlich durch die Weinkeller, wurde die Funktion von Stahltanks, Fuderfässern und Barriques erläutert, wurden Rebsorten und Ausbauarten besprochen. Und es wurde probiert. Jeder Teilnehmer hatte Anrecht auf drei Proben je Betrieb. Und da das Ganze natürlich der Werbung für den Ahrwein galt, waren die Tropfen durchaus von guten Eltern.

Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Shuttlebusse brachten die Besucher im 40-Minuten-Takt von Station zu Station. Wer länger bleiben wollte, konnte sich später auf die Weiterreise machen. Zwischen den Regenschauern bot sich außerdem die Rast in einem der Winzerhöfe an. Überall fanden sich kleine Runden fröhlich und genussvoll in lockerem Gespräch.

Wanderer waren auf Schusters Rappen unterwegs, Bahnreisende steuerten gleich zu Beginn die Keller der Mayschosser Genossenschaft an, dass es in den weitläufigen Gemächern zu Staus kam. Im Probierkeller gab's dann ausreichend Gelegenheit, in Ruhe zu fachsimpeln und Fragen zu stellen.

"Es hat geklappt", resümierte am Abend zufrieden Adolf Schreiner in seinem Weingut in Rech. Er war vor allem erfreut über die gute Resonanz jüngerer Jahrgänge, im Schnitt schätzungsweise zwischen 35 und 45 Jahren. Bei ihm kam als Besonderheit Spätburgunder aus der alten Kastenholzrebe ins Glas. "Es ist Werbung für unser Weingut", freute er sich.

Er hatte für den Anlass einen Korbbinder eingeladen, beim Weingut Coels in Ahrweiler zeigte eine Goldschmiedin mit Weinstein gefertigte Schmuckstücke. Im Weingut Nelles in Heimersheim stand Kunst mit auf dem Programm, in Mayschoß gab's Gewinnchancen bei einer Blindweinprobe, Verpflegung war überall im Angebot. Ob nun Schokolade und Wein wie im Weingut Burggarten oder das Verkorken von Sektflaschen wie im Winzerhof Körtgen in Ahrweiler: Überall gab's Interessantes zu erkunden.

So zeigte sich das Publikum beim Zug durch die Keller des Ahrtals beeindruckt vom Ambiente, von den fachlichen Ausführungen, der Gastlichkeit, der Qualität der Weine. Viele kamen aus der Region, viele auch von weit her bis nach Aachen und Heidelberg. Alle waren begeistert von der Organisation.

Verantwortlich dafür waren vier angehende Kaufleute für Tourismus und Freizeit von der Ahr, dem Rhein und aus der Eifel, unterstützt vom Berufskolleg Alfred-Müller-Armack in Köln und in Zusammenarbeit mit dem Verein Ahrwein. Die 1400 Eintrittskarten zu zwölf Euro für Proben und Shuttlebus waren im Vorverkauf weg. Rundum eine gelungene Premiere - Wiederholung erwünscht.