14 Stationen hinauf nach Brenig

Tradition des Kreuzwegs reicht in der Gemeinde Sankt Evergislus bis 1863 zurück

Bornheim. Im Vorgebirge ist es gute alte Tradition, das Leiden und Sterben Jesu Christi nicht nur innerhalb der Pfarrkirchen betend nachzuvollziehen, sondern auch unter freiem Himmel. Dazu gehören das Beten der Sieben Fußfälle in der Fastenzeit ebenso wie die Kreuzweggebete.

Rund 120 Kinder und Erwachsene aus Bornheim und Brenig beteiligten sich am Freitag am Familienkreuzweg, der von Bornheim über 14 Stationen hinauf nach Brenig führte. Dabei vermittelte Pastoralreferent Matthias Kolk die Passionsgeschichte mit entsprechend kindgerechten Texten und Liedern.

Aber auch Gegenstände, die an das mitgeführte Holzkreuz geheftet wurden, machten das Geschehen begreifbarer und stellten mit den Erläuterungen Kolks konkrete Bezüge zur Lebenswirklichkeit der Kinder her.

Ausgeschnitten aus Papier erinnerte ein Herz beispielsweise an die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, eine Träne an die Verzweiflung in einer Lebenssituation und ein Stein, mit dem das Grab Jesu verschlossen wurde, an scheinbare Hoffnungslosigkeit.

Nach dem Abschluss an der Heilig-Grab-Kapelle an der Pfarrkirche in Brenig, wo Pastoralreferent Kolk einen Ausblick auf die bevorstehende Osterüberraschung gab, waren die Teilnehmer noch zu einem Fastenessen mit Fladenbrot, Wasser und Apfelschorle eingeladen. Sie hatten eine steil ansteigende 1,2 Kilometer lange Strecke hinter sich, die Gläubige schon vor vielen Jahrhunderten bewältigen mussten.

Denn seit 1372, als Erzbischof Friedrich von Saarwerden die Pfarreien Bornheim und Brenig zusammengeschlossen hatte, war der Stationenweg zum sonntäglichen Kirchweg der Bornheimer nach Brenig geworden. Erst im 18. Jahrhundert gab es Erleichterung, nachdem auch in Bornheim eine regelmäßige Sonntagsmesse eingeführt worden war; aber zu den Hochfesten im Kirchenjahr und am Weißen Sonntag mussten die Bornheimer weiterhin nach Brenig hoch. Denn als Wallfahrtsort, in dem sich auch ein reges Marktleben entwickelte hatte, hatte Brenig jahrhundertelang eine größere Bedeutung als Bornheim.

Das änderte sich im 19. Jahrhundert, als Bornheim mehr und mehr zum Geschäfts-, Verkehrs- und Verwaltungszentrum wurde. 1841 hatte Bornheim schon 1 135 Einwohner, Brenig nur 697. Diese Entwicklung beförderte auch die Loslösung der inzwischen relativ selbstständigen Filialgemeinde Sankt Servatius Bornheim von der Pfarre Brenig.

Die Pfarrerhebung am 25. März 1859 sowie die feierliche Einführung des ersten Pfarrers Anton Schmitz am 9. Juni 1859 besiegelten schließlich die Loslösung der Filialgemeinde von der Muttergemeinde Brenig.

Der alte Kirchweg wurde aber weiterhin genutzt. Breniger Pfarrangehörige an der Kalkstraße - dort verlief die Grenze zwischen den beiden Pfarreien -, aber auch viele Bewohner der oberen Mühlenstraße brachen zum Gottesdienst weiterhin nach Brenig auf. Aus tiefer Frömmigkeit heraus entstand der Wunsch, diesen Kirchweg mit 14 Kreuzwegstationen zu verschönern.

"Natürlich spielte auch die Ortsrivalität eine Rolle", so Heimatforscher Norbert Zerlett. "Man wollte den Bornheimern zeigen, dass man ihnen immer noch etwas voraus war."

Ein Umstand, der heute freilich kleine Rolle mehr spielt. Den damaligen Bestrebungen ist jedoch die Errichtung des Kreuzwegs mit seiner ersten Station an der Kalkstraße in Bornheim-Zentrum und der 14. Station an der Pfarrkirche Sankt Evergislus in Brenig zu verdanken, 1863 wurde er eingeweiht.

Die 14 kapellenartigen Stationshäuschen aus Feldbrandziegeln wurden vom Bonner Kommunalbaumeister Paul Thomann entworfen. Thomann, ein Schüler Karl Friedrich Schinkels, baute damals im Bornheimer Zentrum auch die 1938 durch Nazis zerstörte Synagoge, die alte evangelische Kirche und die katholische Servatiuskirche.

Die in die Stationshäuschen eingefügten reliefartigen Passionsbilder aus Terracotta lieferte der Kölner Bildhauer Scherf. Sie sind dem Kreuzweg des österreichischen Nazareners Ritter Joseph von Führich (1800 bis 1876) nachempfunden, der zu seiner Zeit ein bekannter Motiv- und Historienmaler war.