Ehemaliges Kneipp-Kurhaus in Hennef

100 Jahre Kurhaus Sebastian Kneipp

HENNEF. Es war der 30. Juni 1912, als in Hennef ein Bauprojekt abgeschlossen wurde, das in der Folgezeit das Stadtbild maßgeblich verändern sollte. Es war ein Sonntag, als das Kurhaus Sebastian Kneipp seine Pforten zum ersten Mal öffnete. An diesem Samstag, 18. August, wird der 100. Geburtstag des Kneipp-Kurhauses mit einem großen Nachbarschaftsfest gefeiert.

Genau 72 Jahre nach der Eröffnung, am 30. Juni 1984, wurde das Kurhaus in seiner ursprünglichen Form geschlossen. Heute befindet sich dort eine Seniorenresidenz. "Viele Räumlichkeiten sind noch so erhalten, wie sie früher waren. Der Flair sollte unbedingt erhalten bleiben", erklärt Karolin Rotfuchs. Sie ist Leiterin des sozialtherapeutischen Dienstes und Mitorganisatorin der 100-Jahr-Feier.

Das von ihr beschriebene Flair wird schon im Eingangsbereich deutlich. Die alte Wandelhalle erscheint noch immer im alten Glanz, lediglich die Rezeption ist auf den ursprünglichen Bildern nicht zu sehen. "Auch das Mozartzimmer, das für kleine Feiern gedacht ist, oder das Rondell sind noch erhalten worden", sagt Rotfuchs. Sebastian Kneipp ist dem Kurhaus ebenfalls erhalten geblieben, eine Büste des Namensgebers findet sich im Eingangsbereich.

Alles begann 1894, als Pfarrer Kneipp ins Rheinland kam und seine Lehre verbreitete. Seine Behandlungstherapien beinhalteten Wasseranwendungen, Pflanzenwirkstoffe, Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen. Der Hennefer Bahnhofsvorsteher Johann Strawe war so angetan von der Kneipp-Lehre, dass er im März 1904 einen Kneippverein in Hennef gründete und somit den Startschuss für das Kurhaus gab.

1911 begann dann der Bau des Kneipp-Kurhauses. Die beliebtesten Anwendungen der Kurgäste bestanden damals aus Tautreten, Wassertreten, Rücken- und Oberguß und ausführlichen Spaziergängen. Der Erste Weltkrieg beendete damals den Kurbetrieb. Erst 1927 wurde dieser wieder aufgenommen und der noch heute erhaltene Kurpark angelegt, in dem in der Folge zahlreiche Sportangebote stattfanden.

1936 dann erhielt die Stadt offiziell die Bezeichnung "Kneipp-Kurort Hennef". Auf vielen Schildern und Briefbögen wurde der Name dann auch stolz verbreitet. Dies zahlte sich für die Stadt und das Kurhaus aus, verbuchte man doch 1937 erstmals 10 000 Gastübernachtungen. Ein Anbau war unumgänglich. Doch es folgte der Zweite Weltkrieg und unterbrach den Kurbetrieb erneut.

1945, nach Ende des Zweiten Weltkrieges, zogen dann zunächst die Besatzungsmächte ins Kurhaus ein und nutzten dieses als Kommandozentrale. "Uns fallen noch heute immer wieder Fundstücke aus den letzten 100 Jahren bei Renovierungen in die Hände", sagt Karolin Rotfuchs. Zuletzt ein Gewehr mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg in einer Zwischendecke des Gästezimmers und ein alter Brief.

Nach dem Abzug der Besatzungsmächte wurde der Kurbetrieb wieder aufgenommen, ein Schwimmbad, ein Wildpark und eine Minigolfbahn, später noch ein Hallenbad, wurden eröffnet. 1976 wurde die Stadt Hennef als Kneipp-Kurort anerkannt. Mit der finanziell begründeten Schließung des Kurhauses 1984 verzichtete auch die Stadt auf diesen Titel.

"Heute ist das Kurhaus im Besitz der Familie Brähmer", erklärt Rotfuchs. 1989 folgte der Umbau zur Seniorenresidenz. In den 100 Jahren sind einige Gebäudeteile hinzugekommen, der Wohnraum ist so immer größer geworden. 154 Bewohner leben heute hier, die Zahl der Mitarbeiter ist auf 160 gestiegen. "Die Räume, das Flair - ich liebe es einfach, hier zu arbeiten", betont Rotfuchs.

Der runde Geburtstag wird am 18. August von 16 bis 20 Uhr gefeiert, die Kurhausstraße soll zum längsten Tisch von Hennef werden. Neben Livemusik und Erinnerungen an die Geschichte des Kurhauses gibt es für die Nachbarschaft auch Getränke und Gegrilltes. "Jeder, der das Fest besuchen will, ist herzlich eingeladen und kann Salate und Desserts zum Nachbarschaftsfest mitbringen", sagt Organisatorin Rotfuchs.