Tagung Bonn

Wissenschaftler diskutieren über Computertechnik in der Landwirtschaft

Globale Futter- und Lebensmittelketten sind Thema bei der Bonner Jahrestagung der "Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft". Das Foto zeigt Gerste in Bernburg.

BONN. Herden von Daten und Daten von Herden - auch aus der Landwirtschaft ist die Computertechnik nicht mehr wegzudenken. Doch die Kommunikation zwischen Erzeugern, Verarbeitern, Händlern und anderen Akteuren hat noch Defizite. Daher legt die 34. Jahrestagung der "Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft" (GIL) jetzt in Bonn den Fokus auf "IT-Standards im Risiko- und Krisenmanagement der Agrar- und Ernährungswirtschaft".

"Denken Sie an die Fleisch-Skandale der vergangenen Jahre", erklärt Professorin Brigitte Petersen, Leiterin der Abteilung Präventives Gesundheitsmanagement am Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn. "In solchen Fällen müssen blitzschnell Informationen ausgetauscht werden, um den Weg der Lebensmittel zurückverfolgen zu können - Daten aus ganz verschiedenen Bereichen, vom Bauern über den Spediteur bis hin zum Supermarkt. Wenn diese aber nicht normiert sind, kann es schnell passieren, dass etwas verlorengeht."

Immer wieder kommt es zu solchen Vorfällen, ob Dioxin-Skandal oder BSE-Krise. "Letztere hat zum Beispiel dazu geführt, dass neue Systeme entwickelt wurden, mit denen man Tiere identifizieren und zurückverfolgen kann", sagt Petersen. Ihr Kollege Professor Wolfgang Büscher ergänzt: "Früher hatte man nur die Lieferscheine - wenn ordentlich gearbeitet wurde.

Oft fehlten selbst die." Inzwischen geht das alles elektronisch. Doch mit welchen Programmen werden welche Daten gespeichert? Nutzt der Kleinbauer im Allgäu dieselbe Software wie der Großbetrieb in Niedersachsen? Können überall dieselben Informationen hinterlegt werden? Was ist mit dem Rest der Wertschöpfungskette? "Diese Fragen werden um so wichtiger, wenn wir uns jetzt in Richtung Cloud bewegen", glaubt Petersen. "Zugleich werden viel höhere Anforderungen an die Datensicherheit zu stellen sein."

In einer Krisensituation kann die Verfügbarkeit all dieser Daten essentiell sein. Nicht umsonst hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe 2013 das Szenario einer bewusst herbeigeführten Lebensmittelvergiftung in eine Großübung eingebracht - zumindest theoretisch ist Agrar-Terrorismus möglich, gerade in Deutschland, das eine Drehscheibe für Lebensmittel aus ganz Europa ist.

Auf der anderen Seite geben sich die Forscher sehr gelassen: "Wir leben in einer ziemlich sicheren Welt, in der viele Krisen und Skandale unnötig aufgebauscht werden", erklärt Büscher. Mit ihrer Tagung wollen sie ihren Teil dafür tun, dass es so bleibt.