Damit es mit den Texten an der Uni klappt

Wie Bonner Studenten schreiben lernen

Gut gelaunt im Seminarraum: Dagny Schwarz von der Philosophischen Fakultät (links) und Schreiblabor-Mitinitiator Marcus Breyer (rechts), rahmen die Lehrenden ein: (v.l.) Wiebke Iversen, Dennis Fassing und Marlene Schulze.

Gut gelaunt im Seminarraum: Dagny Schwarz von der Philosophischen Fakultät (links) und Schreiblabor-Mitinitiator Marcus Breyer (rechts), rahmen die Lehrenden ein: (v.l.) Wiebke Iversen, Dennis Fassing und Marlene Schulze.

BONN. Eine eigene Sprache und Schreibstrategie entwickeln, das ist das Ziel, das Studenten im Schreiblabor der Bonner Uni haben. Wissenschaftliches Schreiben bedingt der Verständlichkeit und der Präzision. Das kann man lernen.

Studieren heute - das heißt für viele Erstsemester zunächst: Überforderung. Klar, wer sich nach dem Abitur für ein Studium entschied, der wurde schon immer in eine völlig neue Welt aus Eigenverantwortung, gesteigertem Anspruch und einer bisher unbekannten Umgebung samt deren Organisationsformen geworfen. Seitdem die Bachelor- und Master-Abschlüsse flächendeckend eingeführt wurden, hat sich die Situation allerdings verschärft. Die Noten zählen nun vom ersten Tag an - der Leistungsdruck hat sich auf die dazu tendenziell jünger gewordenen Erstsemester noch verstärkt. Und wegen der kürzeren Studienzeit wird der Stoff noch kompakter vermittelt. Für Methodisches bleibt da oft kaum Zeit. So kann gleich die erste Hausarbeit zu einem unüberwindbaren Hindernis im Kopf der Studenten werden. Damit das nicht so bleibt, haben Gisela Fehrmann, Leiterin der Abteilung für Interkulturelle Kommunikation und Mehrsprachigkeitsforschung mit Sprachlernzentrum, und Marcus Breyer, Geschäftsführer des Bonner Zentrums für Hochschullehre (BZH) das Schreiblabor initiiert, das vom BZH und der Philophischen Fakultät gefördert wird. Es läuft seit dem Wintersemester 2014/15 und soll eine Brücke von der Schule ins Studium schlagen.

"Wir wollen den Studierenden den Übergang zum hochschulischen, wissenschaftlichen Schreiben erleichtern", sagt Dagny Schwarz von der Philosophischen Fakultät. Ganz wichtig dabei: Die Einrichtung, obwohl an der philosophischen Fakultät angedockt, arbeitet nicht nur fach-, sondern perspektivisch auch fakultätsübergreifend, soll sich also an alle Studierenden richten. Auch an solche, die sich bereits im Studium befinden und Unterstützung benötigen - etwa in Fächern, in denen erst spät die erste wissenschaftliche Arbeit geschrieben wird. "Viele Studenten sehen vor Beginn einer Arbeit einen riesigen Berg vor sich und machen sich Druck. Bei uns spielt aber die Lust am Schreiben eine große Rolle, ganz ohne Notendruck", sagt Marlene Schulze vom Schreiblabor.

"Wissenschaftliches Arbeiten ist ein Prozess, in dem Fragestellungen und Schreibstrategien entwickelt werden. Zudem ist die Eingrenzung des Themas sehr wichtig. Wir gehen individuell auf jeden ein und helfen, eine passende Methodik zu finden." Während in den Fächern also Inhalte vermittelt werden, hilft das Schreiblabor dabei, eine eigene Schreibe zu entwickeln. "Am Ende sollten die Studenten autonom arbeiten können", sagt Breyer.

Ein wichtiges Kriterium dafür ist heute vor allem, mit der Flut an Informationen umzugehen und diese bewerten zu können. "Wir sind es heute gewohnt, Informationen sehr schnell digital abrufen zu können. Das ist positiv. Dadurch wachsen aber auch Textmenge und die Anforderungen", sagt Breyer. "Viele sind verunsichert, wie sie Quellen nutzen dürfen, vor allem seit der Plagiatsaffäre um Ex-Minister zu Guttenberg." Dazu kommt, dass in der heutigen Alltagskultur Begriffe wie "Copy & Paste" selbstverständlich sind. "Demgegenüber muss wissenschaftliches Schreiben an der Universität erst prominent gemacht werden", sagt Breyer.

Was das genau bedeutet, wissen viele Erstsemester nicht. "Sie tendieren oft dazu, die komplexe Sprache der Texte, die sie kennenlernen, zu imitieren", sagt Dennis Fassing, ebenfalls vom Schreiblabor. "Wir wollen das vereinfachen: Es geht um Verständlichkeit und präzise Sprache." Zur Abschreckung legt er Studenten immer eine seiner ersten Einleitungen vor, die er zu Beginn seines Studiums geschrieben hat. "Da bleiben dann von einer Seite nur noch zwei, drei Sätze übrig, die gehaltvoll sind", sagt er lachend. "Im Idealfall haben die Studenten am Ende des Kurses eine eigene Sprache und Schreibstrategie entwickelt."

Mit ähnlichem wird Wiebke Iversen, die mit der Erweiterung des Schreiblabors auf empirisches Arbeiten befasst ist, konfrontiert: "Ich muss den Studenten oft erst einmal klarmachen, dass sie nicht die Welt neu erklären müssen. Bei uns haben die Studierenden den Luxus, auch aus den eigenen Fehlern lernen zu können und darüber Methoden zu entdecken."

Letztendlich geht es im Schreiblabor darum, die Uni in ihrer Gesamtheit weiterzubringen. "Mit dem Schreiblabor und dem Sprachlernzentrum ist die Expertise vor Ort - das wollen wir fruchtbar für das gesamte System Universität machen", sagt Breyer.