Weltklimakonferenz Cop23 in Bonn

Was Sie über den Klimawandel wissen müssen

Die Luftaufnahme zeigt den Fjord des "Violin Glacier" (Violinen Gletscher): "Das Eis in Grönland ist stärker vom Klimawandel bedroht, als wir erwartet hatten", sagte Nasa-Manager Josh Willis.

Die Luftaufnahme zeigt den Fjord des "Violin Glacier" (Violinen Gletscher): "Das Eis in Grönland ist stärker vom Klimawandel bedroht, als wir erwartet hatten", sagte Nasa-Manager Josh Willis.

Bonn. Am Montag beginnt in Bonn die Klimakonferenz Cop23. GA-Wissenschaftsredakteur Wolfgang Wiedlich hat ein paar anschauliche Filmstreifen mit ergänzenden Informationen zum Klimawandel zusammengestellt.

Das Klima wandelt auf einer völlig anderen Zeitskala als der menschliche Erlebnis- und Erfahrungshorizont. In der Regel brauchte es beim Übergang von einer Kalt- zu einer Warmzeit rund 1000 Jahre, damit die durchschnittliche Erdtemperatur sich um ein Grad Celsius erhöhte (ca. 0,1 Grad alle 10 Jahre). Zum Vergleich: Seit 1850 erhöhte sich die Erdtemperatur bis heute um fast 1,1 Grad Celsius.

Der vom Menschen ausgelöste zusätzliche Treibhauseffekt lässt die Temperatur also ungewöhnlich rasch steigen. Eine Animation von Messdaten der Meteorologen des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) im englischen Reading verdeutlicht die Entwicklung.

Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre steigt von Jahr zu Jahr durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (Öl, Kohle, Gas). Innerhalb eines Jahres steigt und fällt jedoch die Konzentration, weil die Biosphäre ihre Spuren in der Atmosphäre hinterlässt. Im Frühsommer beginnt die Photosynthese der Pflanzen auf Hochtouren zu laufen. Dabei entziehen sie der Lufthülle CO2.

Beginnt der Herbst, lassen die Bäume ihre Blätter fallen und stoppt die Photosynthese. Auf der Nordhalbkugel mit ihren großen Kontinentalflächen ist dieser Effekt extrem ausgeprägt. Die US-Raumfahrtagentur Nasa hat CO2-Messdaten des Jahres 2006 auf eindrucksvolle Weise visualisiert. Der Atem der Pflanzenwelt, eine Art Puls des Planeten, prägt die Zusammensetzung der Atmosphäre. Ein eindrucksvoller Kurzfilm: Extremes Rot bedeutet hohe CO2-Konzentration. Schauen Sie auch auf Afrika und Südamerika: Dort flackern fast ganzjährig die Buschfeuer oder jene der Brandrodung in den Regenwäldern mit extremer CO2-Freisetzung:

 

Um das Zwei-Grad-Ziel (oder das 1,5-Grad-Ziel) zu erreichen, darf die Menschheit nur noch eine bestimmte Menge CO2 freisetzen. Fast 75 Prozent der leicht förderfähigen Öl-/Kohlevorräte müssten in der Erdkruste bleiben. Der Link zu diesem etwas anderen CO2-Rechner führt Sie auf eine Zeitschiene, auf der Sie erkennen, wie lange wir noch so viel CO2 freisetzen dürfen wie heute. Klicken Sie auf das 1,5-Grad-Ziel (Temperaturerhöhung gegenüber vorindustrieller Zeit) und gleichzeitig auf die Variante „lower estimate“ (unterste wissenschaftliche Schätzung, was „hohe Sicherheit“ bedeutet), ist das Ergebnis ernüchternd: Das Ziel ist nicht mehr zu erreichen.

Im günstigsten Szenario („upper estimate“) bleiben noch drei Jahre. Wird das 1,5-Grad-Ziel verfehlt, gehen die pazifischen Inselreiche im steigenden Meeresspiegel unter. Würde auch das Zwei-Grad-Ziel überschritten, begänne für die gesamte Welt ein  „gefährlicher Klimawandel“. Er ist so definiert, dass der Mensch dann nichts mehr beeinflussen/kontrollieren könnte: Das Klimasystem springt durch positive Rückkopplungsmechanismen in einen neuen, wärmeren Gleichgewichtszustand, der jenseits aller historischen Erfahrung des aufrecht gehenden Menschen läge.  

Norweger haben einmal das Tagen und Vertagen und oft ergebnislose Debattieren auf UN-Klima-Konferenzen auf’s Korn genommen:

 

Die fantastische Erde aus Sicht von Astronauten und Kosmonauten, die auf der Internationalen Raumstation ISS um den Planeten rotieren, findet man hier. Die NASA hat eine Reise durch die Erdtemperatur seit 1885 in einem sehenswerten Kurzfilm zusammengefasst, der hier zu sehen ist.

Eisschwund, Meeresspiegelanstieg, Temperatur: Ein weiteres NASA-Animation zeigt die Entwicklung seit 1884: