Sanierung der Bonner Uni-Bibliothek verzögert sich

Umbauten an Uni- und Landesbibliothek voraussichtlich erst im Sommer 2008 zu Ende - Freihandmagazin wird im November wieder eröffnet

Bonn. Die Behelfscontainer stehen noch immer in Reih und Glied. Rohre und Steine liegen herum, aufgerissene Erde zeugt von Bautätigkeit. Eigentlich sollte die Sanierung und Erweiterung der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) an der Adenauerallee bald abgeschlossen sein, doch bei der Durchführung kommt es offensichtlich zu Verzögerungen. "Das Gebäude sollte Ende des Jahres fertig sein", sagt ULB-Leiterin Renate Vogt.

Aus dieser Planung wird nichts. "Die Fertigstellung ist für Sommer 2008 terminiert", berichtet Petra Rinnenburger vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) in Bonn, der für die Baumaßnahme zuständig ist. Ein Verzug in der Bauzeit sei insbesondere durch statische Probleme zu erklären. "Im Rahmen von Umbau- und Renovierungsarbeiten eine übliche Schwierigkeit", meint Rinnenburger.

"Hier muss häufig während der Bauphase auf Dinge reagiert werden, die erst nach Ausbau oder Abriss anderer Bauteile erkennbar werden." Das Gebäude steht unter Denkmalschutz - "deshalb mussten alle Einbauten darauf abgestimmt werden", betont die BLB-Sprecherin. Der Kostenrahmen von insgesamt 16 Millionen Euro wird laut Rinnenburger eingehalten.

Das neue unterirdische Magazin ist längst fertig gestellt und seit Februar bezogen. Das "Bergwerk des Wissens", wie es Unirektor Matthias Winiger beim Richtfest nannte, bietet auf 2 000 Quadratmetern Platz für rund 30 000 laufende Meter Bücher - das entspricht etwa 900 000 Bänden.

"Durch den Umbau des alten Magazins sind dort allerdings Regale weggefallen", sagt Vogt. Das alte Magazin umfasst drei Geschosse unter der Erde und wird seit März saniert. Zwischenwände und Brandmelder sollen den Brandschutz verbessern. Auch die Lüftungskanäle, die Leuchten und der Bodenbelag werden erneuert. Voraussichtlich im November soll es bezugsfertig sein.

Die neue Leihstelle ist seit Mai fertig. Die Holzlamellendecke ist in ihrem ursprünglichen Zustand wieder hergestellt, neue Lampen zieren die Ausleihe. Außerdem sind neue transparente Brandschutzwände eingezogen und eine neue Theke an der Leihstelle eingebaut. "Insgesamt ist das alles sehr schön geworden", sagt Vogt. "Es war ein wichtiges Anliegen, die Transparenz des Gebäudes zu erhalten und gleichzeitig den Anforderungen des Brandschutzes gerecht zu werden."

Derzeit steht auch die Erneuerung der Fassade an. "Alle Fenster müssen ausgetauscht werden, da sie undicht und die Metallrahmen teils von Rost angefressen sind", berichtet Vogt. Moderne Wärmeschutzverglasung soll sie nun ersetzen. Das ist in dem denkmalgeschützten, von dem Architekten Fritz Bornemann entworfenen Gebäude aus dem Jahr 1960 nicht so einfach.

"Die Fensterprofile müssen elegant und unaufdringlich wirken und dürfen deshalb nicht zu massiv sein", sagt die Bibliotheksdirektorin. Das soll nun durch eine entsprechende Farbgebung erreicht werden.

Die Arbeiten im Lesesaal und im Informationsbereich dauern noch an. Dort werden die Decke, Beleuchtung, WC-Anlagen sowie Heizung und Lüftung erneuert. Ein modernes Strom- und Datennetz soll die Lese- und Arbeitsplätze versorgen. "Der Benutzungsbereich wird nach der Sanierung viel schöner und funktionaler als vorher sein und heutigen Anforderungen an elektronische Informationsverarbeitung entsprechen", sagt die ULB-Leiterin.

Die Sanierung des Verwaltungstraktes soll ab Januar nächsten Jahres in Angriff genommen werden. Das Mosaik, das ehemals die Fassade der Bibliothek zierte, soll demnach nicht wiederhergestellt werden. Die früheren Kacheln hatten sich von der Fassade gelöst. Statt der Blechverkleidung soll dann ein heller Putz den Verwaltungstrakt zieren. Außerdem wird die Wärmedämmung verbessert.

"Voraussichtlich im November wird ein weiterer Meilenstein der Erweiterung und Sanierung der ULB erreicht sein", sagt die Bibliotheksleiterin. "Dann können wir das Freihandmagazin wieder eröffnen." Die Benutzer haben dann nicht nur wieder direkten Zugang zum aktuellen Buchbestand, sondern auch zu den Zeitschriften. Wegen der Altbausanierung müssen derzeit die Bücher über den Katalog elektronisch bestellt werden und liegen erst am nächsten Tag zur Abholung bereit. "Das ist lästig für die Benutzer und erheblich mehr Arbeit für die ULB-Mitarbeiter", sagt Vogt.

Wegen der baubedingten Schließung des Magazins wurde die Lehrbuchsammlung für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Fächer der Theologischen und Philosophischen Fakultäten vorübergehend in der Studentenbücherei im Hauptgebäude der Universität aufgestellt. Auch sie zieht im November wieder an die Adenauerallee.

Auch was den großen Lesesaal angeht, werden die Einschränkungen für die Bibliotheksnutzer andauern. Wegen der Sanierung ist er nicht benutzbar, deshalb stehen als provisorisches Ausweichquartier Container vor der ULB bereit. "Wir hoffen, dass im Sommer 2008 sämtliche Arbeiten abgeschlossen sind", sagt Vogt.

Ursprünglich war die 1960 in Betrieb genommene ULB für 1,5 Millionen Bände ausgelegt, derzeit berherbergt sie mehr als zwei Millionen Bücher. Schon bald zeichneten sich Platzmangel und Brandschutzdefizite ab. "Mehr als 35 Jahre haben wir auf diesen Bau gewartet", sagte Unikanzler Reinhardt Lutz vor zwei Jahren bei der Grundsteinlegung des neuen Magazins. "Den ersten Antrag hatte mein Vorgänger schon 1970 gestellt." Nun hoffen alle Beteiligten auf eine baldige Komplett-Fertigstellung der ULB.

Dann ist wieder Platz für die nächsten Jahre. Bei den laufenden Zeitschriften rechnet Vogt mit einer Platzreserve für zehn Jahre. Auch das Freihandmagazin für Bücher ist demnach auf mehrere Jahre Zuwachs ausgelegt. "Ganz auf Außenmagazine wird die ULB auch zukünftig nicht verzichten können", sagt die Bibliotheksleiterin. Das betreffe jedoch nur wenig nachgefragte Literaturgruppen.