Rheinische Landesmuseum stellt Volksstamm der Langobarden vor

Präsentiert dabei noch nie zuvor gezeigte Funde - "Wer sind diese Langbärte?"

Bonn. Als Winniler und Vandalen aufeinander treffen, als beide zum Kampf gegen den anderen rüsten, verspricht Wodan denen den Sieg, die er bei Sonnenaufgang als erste sehen wird. So sagt er es den Wandalen. Gambara aber, die Mutter der winnilischen Herzöge Ebor und Agio, wendet sich an Freia, die Gemahlin Wodans.

Auf ihren Rat binden sich die Frauen der Winniler ihr langes Haar wie einen Bart vor das Gesicht. Als Freia beim ersten Morgengrauen Wodans Gesicht gen Osten wendet, fragt er: "Wer sind diese Langbärte?" Freia antwortet: "So wie du ihnen eben ihren Namen gegeben hast, so gib ihnen auch den Sieg." Mit diesen Worten begründet Paulus Diaconus - der berühmteste Schriftsteller des italienischen Langobardenreiches - im siebten Jahrhundert nach Christus den Mythos seines Volkes, mit Blick zurück nach Skandinavien.

Ein Volk, das sich ursprünglich an der mittleren Elbe angesiedelt hatte, bevor es plötzlich für Jahrhunderte aus der Geschichte verschwand, um wie Phönix aus der Asche Ende des fünften Jahrhunderts auf ungarischem Boden wieder zu neuem Leben zu erwachen. Der Weg führt die Langobarden 568 schließlich nach Italien, dessen Provinz Lombardei noch heute ihren Namen trägt.

Für Michael Schmauder, Fachreferent für Vorgeschichte am Rheinischen Landesmuseum, stehen die Langobarden wie kein anderer Stamm für die Völkerwanderung, die sie zugleich beschließen. Sie sind damit so etwas wie ein Klassiker und stehen im Mittelpunkt einer großen Ausstellung mit zuvor noch nie gezeigten Funden, die vom 22. August 2008 bis zum 11. Januar 2009 im Rheinischen Landesmuseum zu sehen sein wird - zeitgleich und in Kooperation mit der Ausstellung "Rom und die Barbaren" in der Bundeskunsthalle in Bonn (bis 7. Dezember).

Und sie waren zusammen mit Awaren und Slawen im Februar dieses Jahres Thema einer von Michael Schmauder und Jan Bemmann, Professor für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn, geleiteten Tagung mit Experten aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Italien. Während es sonst eher üblich sei, solche Tagungen als Begleitprogramm abzuhalten, "wollten wir unseren wissenschaftlichen Austausch diesmal ganz bewusst vorziehen, damit die Ergebnisse noch in die Ausstellung einfließen können", erklärt Schmauder.

Sie werden in der Reihe der Kongressbände der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts ebenfalls im August veröffentlicht. Bis dahin wartet noch ein gewaltiges Arbeitspensum auf Schmauder und seine Kollegen im Rheinischen Landesmuseum. Um die ganze Geschichte vom skandinavischen Ursprungsmythos bis zur Karl dem Großen, dem "Rex Francorum et Langobardorum" zu erzählen und den Besuchern anschaulich zu machen, heißt in den kommenden Monaten jede Minute zu nutzen.

Beginnend damit, die im Block geborgenen Fundstücke aus dem langobardischen Gräberfeld im ungarischen Szólád zu röntgen, um sich ein genaueres Bild von ihrem Zustand und Wert machen zu können. Bei dem im Jahr 2005 begonnenen Grabungsprojekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit des Archäologischen Instituts der ungarischen Akademie der Wissenschaften mit der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt. "Das ist eine ganz spannende Sache", gerät Schmauder ins Schwärmen.

Seine Begeisterung gilt beispielsweise den Langschwertern, so genannten Spathen, die teilweise in erstaunlich gutem Zustand zum Teil bis heute erhalten geblieben sind. Während die golden-rote Gewandfibel aus einem Frauengrab, angelegt im zweiten Drittel des 6. Jahrhunderts, spontan an ein Stück aus dem Hause Versace im Italien des 20. Jahrhunderts erinnert und ein beeindruckendes Beispiel für Kunstfertigkeit und Fantasie zu langobardischen Zeit bietet.

Ein weiterer spektakulärer Fundort bot sich den Archäologen Mitte der 90er Jahre in Hagenow, südwestlich der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin. Die überreich ausgestatteten Gräber erwiesen sich als wahre Fundgrube: angefangen von silbernen Reitspornen und Gürtelbesätze über Waffen bis zu römischem Geschirr. Objekte, die für die Besucher der Ausstellung eine Brücke bauen in eine längst vergangene und fremde Zeit. Ebenso wie Lebensbilder der Langobarden in ihrer typischen Tracht.

Dazu gehörte auch der Lamellenhelm, der im italienischen Nocera Umbria gefunden wurde und möglicherweise einem langobardischen Panzerreiter unter König Agilulf im sechsten Jahrhundert diente - zum Schutz seines Kopfes ebenso wie zur Einschüchterung potenzieller Gegner, verstärkt noch durch einen wild-wallenden Bart.

"Mit unserer Ausstellung wollen wir nicht nur die Geschichte der Langobarden erzählen, sondern auch den langen Weg von der Grabung bis zur Restaurierung zeigen", fasst Schmauder zusammen. In spätestens zwei Monaten, so rechnet er, werden die ersten Exponate konkrete Gestalt annehmen, damit pünktlich zur Eröffnung im August alles an seinem Platz ist.