Ethnologische Forschung

"Quäck" nahm ein ausgesprochen trauriges Ende

Hermann Josef Roth mit dem Schädel des Indios "Quäck".

BONN. Sein Haar ist schwarz und kurz, seine Haut graubraun und seine Gesichtszüge zeugen von exotischer Herkunft. Nur der helle Gehrock mit dem hohen steifen Kragen will nicht so recht ins Bild passen, das der Forschungsreisende Maximilian Prinz zu Wied im April 1832 von seinem brasilianischen Reisegefährten Joaquim Quäck hatte malen lassen.

Besonders glücklich sieht sein Kammerdiener vom Stamm der Botokuden dabei nicht aus. Vielmehr ein wenig irritiert. Entwurzelt und isoliert. Aus Einsamkeit und Heimweh hatte der Indio während einer Reise seines Herrn durch Nordamerika zu trinken begonnen. Glaubt man der Legende, nahm Quäck denn auch ein ausgesprochen trauriges Ende.

So soll der Indianer in der Silvesternacht 1832/1833 volltrunken aus einem Fenster gestürzt und erfroren sein. Tatsächlich kann Hermann Josef Roth - Geschäftsführer des 1836 gegründeten und bis heute aktiven Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens - am Originalschädel des Unfallopfers Spuren einer schweren Verletzung zeigen.

Der Kopf des Botokuden wurde jetzt zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie zum Thema "Biologie im Spannungsfeld von Naturphilosophie und Darwinismus" im Museum Koenig erstmals öffentlich gezeigt. Was, wie Roth hinzufügt, einer Sensation gleichkommt.

Galt der Schädel des brasilianischen Ureinwohners doch lange Zeit als verschollen, bevor er schließlich im Anatomischen Institut in Bonn wieder auftauchte. Offenbar war Quäck irgendwann exhumiert und sein Haupt den Medizinern für anthropologische Studien überlassen worden.

Auch Maximilian Prinz zu Wied, der 1815 zu seiner ersten Reise durch Brasilien aufbrach, bewegte seinerzeit die Frage nach der Herkunft der Menschen. Schon lange vor dem aufsehenerregenden Fund im Neanderthal im Jahr 1856 gab es Theorien zur Abstammung des Menschen und seiner unterschiedlichen Rassen - die waren nicht selten getragen von dem unerschütterlichen Glauben an die Überlegenheit des Weißen.

Für Maximilian Prinz zu Wied war Quäck aber in erster Linie ein nützlicher Gefährte in der brasilianischen Wildnis. Er war katholisch getauft und hatte sich bereits schon von seinem Stamm "emanzipiert", bevor er den Gast aus Übersee mit wertvollem Wissen über das Leben der Ureinwohner versorgte.

Ein weiteres Ölbild zeigt den adligen Herrn mit blauen Rock, weißer Hose und breitkrempigen Hut. Unauffällig im Hintergrund bleibt dabei der bereits "zivilisierte" Indio. Zum Lohn für seine treuen Dienste durfte Quäck Maximilian Prinz zu Wied in dessen Heimat begleiten. Dort wurde er als Mitbringsel bestaunt, während Skizzenblätter zur Expedition den Daheimgebliebenen zeigten, wie unsere Vorfahren möglicherweise ausgesehen haben.

Nachvollziehbar am Beispiel Quäcks, der "ruhig, kalt, ernst und ohne eine Miene zu verziehen" am Ofen saß. Maximilian Prinz zu Wied war einer der ersten, der sich dem Vorbild Alexander von Humboldt folgend auf Forschungsreise begab und seine wissenschaftliche Neugier aus eigener Tasche finanzierte.

Seine zoologischen und ethnologischen Sammlungen sind heute in Museen in Berlin, Stuttgart und New York zu sehen. Seinem Reisegefährten indes hat er kein Glück gebracht. Auch wenn Quäck schon zuvor entwurzelt gewesen war und in seinem persönlichen Schicksal den Untergang des eigenen Stammes vorweggenommen hat.