Hochintensiver Fokussierter Ultraschall

Krebstherapie ohne Skalpell und Strahlung

Rund eine Million Euro hat das Gerät zur HIFU-Therapie gekostet, das in der Bonner Uniklinik für Radiologie zum Einsatz kommt.

30.06.2014 BONN. Die Bonner Universitätsklinik ist Vorreiter im deutschsprachigen Raum: Seit Ende April wenden die dortigen Radiologen ein neuartiges Ultraschallgerät an, das Tumore gezielt und nicht-invasiv durch die intakte Haut hindurch zerstören kann.

Dr. Maximilian Rauch ist einer der Ärzte, die bereits mit dem Gerät für "Hochintensiven Fokussierten Ultraschall" (HIFU) gearbeitet haben. Sein erster Eindruck: "Das ist spannend, aber in der Anwendung nicht einfach." Deshalb trainiere ein Kollege aus China die Bonner Ärzte im Umgang mit dem HIFU. Denn an der Universitätsklinik von Chongqing wurde das Gerät, dessen Anfänge bereits in den 1940er Jahren liegen, entwickelt und zur Marktreife gebracht.

Das Besondere, so die Bonner Uniklinik: Nicht nur die Tumorbehandlung, sondern auch die bildgebende Steuerung sind beim HIFU über dieselbe Ultraschallsonde möglich. Der Patient ist keiner schädlichen Strahlung ausgesetzt, kein Skalpell ritzt seine Haut. Diese bleibt unverletzt, da der Ultraschall nur in der Tiefe des Gewebes wirkt.

Das geht so: Der Schallkopf des Geräts bündelt die Ultraschallwellen im betroffenen Gewebe, so dass die durch Schallwellen übertragene Energie mit bis zu 90 Grad Celsius auf den Tumor trifft und diesen punktgenau zerstört. Um das umliegende Gewebe zu schonen, müssen die Ärzte äußerst präzise vorgehen. Nach einer anfänglichen Lokalisation des zu therapierenden Bereichs gleichen sie auch während der Behandlung Atembewegungen des Patienten aus. "Hier könnte der Hauptvorteil von ultraschallgesteuerten Geräten wie dem unsrigen liegen. Anders als bei einer Steuerung mittels Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) sind sowohl die Bilder zur Kontrolle als auch die Fokussierung der Schallwellen in Echtzeit möglich", sagt Professor Holger Strunk, Oberarzt an der Klinik für Radiologie des Universitätsklinikums Bonn.

Die Folge: Mit dem ultraschallgesteuerten Gerät dürfen die Ärzte mehr Tumore behandeln als mit einem MRT-gesteuerten. Erlaubtes Ziel sind auch Oberbauchorgane wie Leber, Bauchspeicheldrüse und Niere. Auch bei Brust- und Knochentumoren sowie bei gutartigen Veränderungen in der Gebärmutter, sogenannten Myomen, wird das HIFU-Gerät eingesetzt. Im Einzelfall könnten auch Karzinome behandelt werden, die chirurgisch etwa wegen einer Gefäßbeteiligung nicht operabel seien, so die Uniklinik.

Die Grenzen liegen dort, wo sie bei Ultraschall immer liegen: bei Gewebe, das hinter gashaltigen Strukturen liegt, was bei der Lunge der Fall ist, und bei Gewebe, das sich hinter Knochen befindet. Auch zur Therapie von Prostatakrebs ist dieses Gerät nicht vorgesehen, teilt die Uniklinik mit. Zu diesem Zweck gebe es seit Jahren andere Geräte, bei denen ein spezieller Schallkopf über den Enddarm eingeführt wird.

Die Behandlung mit dem rund eine Million Euro teuren HIFU-Gerät dauert in der Regel zwei bis drei Stunden, in denen Arzt und Patient zu jeder Zeit kommunizieren können, so die Uniklinik. Es könne vorkommen, dass die Patienten eine leichte Erwärmung der Haut spüren oder einen kurzen Stich, wenn der Ultraschallimpuls gesendet wird, erläutert Professor Strunk. Sechs Menschen wurden bislang an der Bonner Uniklinik mit dem neuen Gerät behandelt, berichtet Maximilian Rauch: zwei Fälle von Leberkrebs, zwei Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs und zwei Fälle von Gebärmuttermyomen. "Die Patienten waren sehr zufrieden", sagt Rauch. Ebenso wie Professor Hans Schild. "Es hat noch etwas von Science-Fiction", sagt der Direktor der Klinik für Radiologie an der Uniklinik, "doch langfristig wird diese Therapieform immer mehr an Bedeutung gewinnen."

 

Am 4. und 5. Juli stellen Bonner Uni-Radiologen die Tumortherapie mit dem HIFU-Gerät bei dem Fachkongress "Bonner Interventions-Onkologie Symposium 2014" vor. Das Programm im Internet: www.uni-bonn-radiologie.de/upload/pdf/BIOS_Programm-2014.pdf. (Annette Claus)