Universität Bonn

Junge Ökonomen gründen Fachjournal

Nicolas Kaufung (links) und Johannes Hermle gehören zum Redaktionsteam des "Bonn Journal of Economics".

Bonn. Ockergelber Einband, 81 Seiten: "The Bonn Journal of Economics" macht nicht nur auf den ersten Blick einen professionellen Eindruck. Das Fachjournal, das Studenten der Wirtschaftswissenschaften der Universität Bonn jetzt erstmals herausgebracht haben, ist seinem hohen Anspruch, einerseits Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten der lehrenden Professoren als auch herausragende Abschlussarbeiten aus dem Fachbereich vorzustellen, gerecht geworden.

In der aktuellen Ausgabe des einmal im Semester erscheinenden Journals schreibt Professor Jürgen von Hagen vom Institut für Internationale Wirtschaftspolitik über seine Zweifel an den Erfolgsaussichten der Einführung einer Fiskalunion. Von Hagen hat den Internationalen Währungsfonds, die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank beraten.

Professor Benny Moldovanu gilt als einer der renommiertesten Forscher auf dem Gebiet des Mechanism-Designs, einem Teilgebiet der Spieltheorie, das sich mit Entscheidungsmechanismen beschäftigt. Moldovanu gibt eine angewandte Einführung in seine theoretischen Beiträge zur Auktionstheorie.

In dem Heft lässt sich aber auch die Arbeit der angehenden Ökonomen Markus Behn, Jonas Sobott, Rüdiger Weber und Dorje Wulf nachlesen, mit der sie im vergangenen Jahr den mit mit 50 000 Euro dotierten 9. Postbank Finance Award gewannen. Darin weisen die Studierenden empirisch nach, dass sich Investoren bei Anlageentscheidungen nicht auf Länderratings verlassen sollten.

 Außerdem hat das junge Redaktionsteam, das von einem Beirat aus zehn Professoren unterstützt wird, Zusammenfassungen der Arbeiten von Benjamin Große-Rüschkamp, Qi-Min Fei, Hanno Förster und Annika Westphäling erstellt; etwa über das Herdenverhalten auf Finanzmärkten: Wie kommt es zu Aktienkäufen, weil sich ein Broker bei der Einschätzung von möglichen Gewinnen auf den anderen beruft und dieser wieder auf den vorherigen?

Bei der Auswahl der exemplarischen Arbeiten hat das Team strenge Kriterien aufgebaut. Zunächst einmal muss natürlich die Note stimmen. Das reicht für die Veröffentlichungswürdigkeit aber noch nicht, erklärt Johannes Hermle. Der 21-Jährige steht selbst ein Semester vor seinem Bachelorabschluss.

"Wir beurteilen den Bezug der Arbeit auf die aktuelle Forschung, aber auch wie hoch der Eigenanteil des Studierenden an der Arbeit war. Dazu zählt etwa, ob er oder sie eigene Datensätze erarbeitet hat oder sich auf vorhandenes Forschungsmaterial beruft", erklärt Hermle.

Das Journal erscheint in Englisch. "Die Wirtschaftswissenschaften agieren auf internationalem Forschungsfeld, deswegen haben wir uns dafür entschieden, die Beiträge englischsprachig zu veröffentlichen." Letztlich wolle man auch international auf die Arbeiten am Fachbereich aufmerksam machen.

Aber auch die eigenen Kommilitonen zu solchen Arbeiten "inspirieren". Mit ihrem Journal seien die Ökonomen der Universität Bonn auf jeden Fall unter den Vorreitern in Europa. Die Idee für ein solches Journal entstand in einer studentischen Gruppe Anfang 2012 und wurde neben Hermle noch von den Studierenden Justus Inhoffen, der zurzeit ein Auslandssemester in Toronto verbringt, Nicolas Kaufung und Tobias Ruof umgesetzt.

"Gerade jungen Ökonomen soll ein Forum geschaffen werden, ihre eigenen Forschungsresultate einem breiteren Publikum zugänglich zu machen", erklären sie. Studieninteressierten und Studierenden soll dabei ein exakteres Bild der Volkswirtschaftslehre in Bonn und ihrer Ziele vermittelt werden; Studenten können Ideen für eigene Interessenschwerpunkte und Themen entwickeln.

 Nach angelsächsischem Vorbild sollen Studenten der Universität Bonn schon früh in Kontakt mit den Arbeiten ihrer Kommilitonen kommen, wodurch Interesse für ein forschungsorientiertes Studium geweckt wird.

Das "Bonn Journal of Economics" ist frei verfügbar. Es kann im pdf-Format abgerufen werden unter: http://www.bje.uni-bonn.de. Eine Printausgabe in Auflage von 500 Stück ist im Juridicum, Adenauerallee 24 - 42, erhältlich.