Kommentar zu Wirbelstürmen und Klimawandel

Hurrikane werden wohl seltener und heftiger

Hurrikan "Irma" und rechts im Bild folgt Hurrikan "Jose".

Hurrikan "Irma" und rechts im Bild folgt Hurrikan "Jose".

Es ist erstaunlich, wie viel die Forschung über den Klimawandel weiß und wie wenig von den gesicherten Zusammenhängen im Informationszeitalter bei der Wissensgesellschaft angekommen ist, kommentiert GA-Redakteur Wolfgang Wiedlich.

Fernab von Europa tobt sich gerade die Natur aus. Ein Hurrikan folgt auf den nächsten, und die Welt fragt: Ist das der Klimawandel? Und die Zeitgenossen mit dem langen Gedächtnis sagen lakonisch: alles schon mal da gewesen. Tatsächlich sind der Hurrikan-Nomenklatura 2005 die Buchstaben ausgegangen: Nicht weniger als 30 Stürme, darunter „Katrina“, zogen vor zwölf Jahren über den Atlantik. Mancher erreichte nie das Land und damit auch nicht die Medien. 2005 ging es dann mit Alpha, Beta und Gamma weiter in der Namensgebung.

Es ist erstaunlich, wie viel die Forschung über den Klimawandel weiß und wie wenig von den gesicherten Zusammenhängen im Informationszeitalter bei der Wissensgesellschaft angekommen ist. Der Mensch glaubt und schätzt meist vom Hörensagen, wie es sein könnte.

Aktuell ist es naheliegend zu glauben, dass tropische Wirbelstürme Kinder des Klimawandels sind. Gleichwohl sind die Hörensager Kinder der Husch-Husch-Medien. Insofern befriedigt das hochkomplexe Geschehen in der Atmosphäre mit wachsenden Treibhausgasmengen, steigender Temperatur und unübersichtlichen Nebenwirkungen die Sehnsucht nach einfachen Wahrheiten.

Überraschung: Der Klimawandel scheint ein echter Killer tropischer Wirbelstürme zu sein. Einschlägige Studien erwarten, dass temperaturbedingt jene Winde zunehmen, die Hurrikane bereits im Kreißsaal killen. Vertikale Scherwinde durchpflügen demnach immer häufiger rotierende Wirbel vor Westafrikas Küste und zerstören diese Hurrikan-Embryonen, bevor sie wachsen können. Einerseits. Andererseits: Wird aus Wirbel Sturm und aus Sturm Hurrikan, verstärkt die globale Erwärmung seine Wucht.

Mit jedem Grad Celsius mehr kann die Luft mehr Wasserdampf, den eigentlichen Hurrikan-Treibstoff, aufnehmen. Bei 30 Grad sind es schon viermal mehr als bei zehn Grad. Und je wärmer die Tankstelle (Ozean), desto besser fließt der Sprit in die tropische Monstermaschine. Grundsätzlich sollte der Klimawandel also weniger Hurrikane entstehen lassen, aber wenn einer durchkommt, wird er wohl heftiger denn je ausfallen.

Auch verändert der Klimawandel die Höhenwinde, den Jetstream, der wiederum Tiefs und Hochs ein Stockwerk tiefer steuert. Immer häufiger kommt es zu „stehendem Wetter“ wie im vergangenen Jahr über Deutschland oder zuletzt beim Tropensturm „Harvey“ über Texas. In den 1960er Jahren waren rund sieben Millionen Menschen pro Jahr von Überschwemmungen betroffen, heute sind es rund 200 Millionen.

Die Wetterfrösche im Fernsehen mühen sich manchmal redlich, mehr als das Partywetter vorherzusagen. Aber in eineinhalb Minuten können sie nur selten Volkshochschule spielen und müssen sich mit der Antwort auf die Frage „Wie wird's morgen?“ begnügen.