Gisbert Haefs: "Ich wusste, dass ich irgendwas mit Texten machen wollte"

Philologe, Schriftsteller und Übersetzer

Bonn Als Gisbert Haefs Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre an der Bonner Universität Anglistik und Hispanistik studierte, war die Studentenbewegung noch in vollem Gang. Längst ging es dabei nicht mehr nur um Hochschulpolitik oder den Zustand der Bundesrepublik Deutschland, sondern um Kritik am westlichen System schlechthin.

"Es gab die üblichen Vietnamdemos", erinnert sich Haefs. Und vor den Wahlen zu den Studentenparlamenten ging es besonders hoch her. Die studentischen Vereinigungen machten dann entsprechend mobil. Die Politisierung der Universität stand damals in ihrem Zenit. Gisbert Haefs jedoch befasste sich mehr mit Literatur und Musik als mit dieser Art von Politik und Revolution. "Ich habe dem ganzen eher skeptisch gegenüber gestanden", sagt er.

"Ich habe zwar gelegentlich auch mal mitdiskutiert, aber ich war sehr oft anderer Meinung." Außerdem missfiel ihm der Rigorismus der organisierten Studenten: "Das war eine politisch motivierte Sektenbildung." Haefs wollte sich nicht vorschreiben lassen, was er zu denken habe. Störungen von Vorlesungen und Veranstaltungen waren damals an der Tagesordnung. "Doch die Dozenten, die ich erlebt habe, sind damit sehr langmütig umgegangen.

Da hieß es dann ¯Bitte, sagen Sie fünf Minuten lang, was Sie zu sagen haben® und dann fuhr der Dozent mit seinem Thema fort." Haefs selbst hatte keine Probleme mit seinen Professoren und bezeichnet den Kontakt zu ihnen als gut: "Die kannten uns mit Namen." Vielleicht lag der entspannte Umgang auch an den Fächern, die er studierte: "In den allgemeinen geistigen Fächern spielte die Politik keine so große Rolle wie bei den Politologen, Soziologen und Juristen", sagt der Schriftsteller.

"Mit 14, 15 Jahren kam ich zum Schreiben", erzählt er. Auch die Musik spielt seit seiner Jugend eine große Rolle. "Georges Brassens und Bob Dylan, das waren die Hausheiligen. Ich wusste, dass ich das auch wollte, dass ich irgendwas in Verbindung mit Texten machen wollte." Die Entscheidung für ein Sprachenstudium lag also nah.

Gisbert Haefs wurde 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren. Als er knapp vier Jahre alt war, zog seine Familie nach Bad Godesberg, wo er auch das Abitur machte. Zum Studieren wäre Haefs zwar lieber hinaus in die Welt gezogen, aber die Verhältnisse ließen es nicht zu. "Ich wurde zu Hause gebraucht", erzählt Haefs. "Und dann war das Studieren ja auch eine Frage des Geldes."

Er blieb also in Bonn und hatte eine ganze Reihe von Studentenbuden - in Beuel, in der Südstadt und in der Nordstadt. "Das waren alles möblierte Zimmer. Das letzte hatte ein Hochbett, das weiß ich noch, und einen Kühlschrank. Das war der Hit." Sein Studium finanzierte er selbst. "Mein Geld habe ich zum Teil mit Musik und zum Teil mit Übersetzungen verdient. Ich habe für die pakistanische und die indische Botschaft die Berichterstattung aus den deutschen Zeitungen übersetzt." Haefs komponierte und interpretierte makabre Chansons, betätigte sich als fahrender Sänger, spielte in einer Gruppe und war mit der Bonner Musikkneipen-Szene bestens vertraut.

Seine Zeit an der Alma Mater ist ihm noch sehr gegenwärtig. "Es war das übliche wilde Studentenleben - mit langen Nächten in Musikkneipen. Heute ist das alles viel verschulter und braver", resümiert Haefs. 1976 schloss er sein Studium mit dem Staatsexamen ab. "Ich hatte meinen Eltern versprochen, etwas zu Ende zu machen." Nach dem Examen versuchte er sich noch einige Zeit als Musiker: "Ich bin getingelt und habe sogar mal eine Platte aufgenommen. Aber die lief so schlecht, dass ich das wieder gelassen habe."

Außerdem kellnerte er bei Friedel Drautzburg in den "Elsässer Weinstuben". 1981 etablierte sich Haefs als freier Schriftsteller und Übersetzer. In diesem Jahr erhielt er für seinen Krimi-Erstling "Mord am Millionenhügel" den Edgar Wallace-Preis. Mit dem Buch betrat ein neuer (Anti-)Held die Krimi-Szene. Haefs' Schöpfung Balthasar Matzbach, Universaldilettant und barocker Genussmensch ohne Manieren, der seine Nase erfolgreich in die Angelegenheiten der Bonner Kriminalpolizei steckt, ist mittlerweile Kult.

In den letzten Jahren hat Haefs vor allem mit historischen Romanen auf sich aufmerksam gemacht, 2007 mit "Caesar". Seine Existenz als freischaffender Künstler hat er nie bereut: "Ich arbeite lieber 16 Stunden am Tag für mich als acht Stunden für andere." Welche Erfahrungen haben bekannte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben an der Bonner Universität gemacht? Wie hat sich das Studium im Lauf der Zeit verändert? Der General-Anzeiger veröffentlicht auf dieser Seite in loser Folge die Serie "Alumni der Universität Bonn".