Eine Million Soldaten rückten vor

<b>Am 6. März 1945</b> rücken die Amerikaner in Rheinbach ein. Gegenwehr gibt es nicht mehr, die alliierten Truppen nehmen die Stadt kampflos ein. In Rheinbach verweilen die Truppen nicht, es geht weiter zum Rhein.

<b>Am 6. März 1945</b> rücken die Amerikaner in Rheinbach ein. Gegenwehr gibt es nicht mehr, die alliierten Truppen nehmen die Stadt kampflos ein. In Rheinbach verweilen die Truppen nicht, es geht weiter zum Rhein.

Rheinbach. Ende Februar 1945: Deutschland lag unter dem Bombenhagel alliierter Flugzeuge. Das Motorenbrummen und das Sirenengeheul war allgegenwärtig. Die Heimat war zur Front geworden. Die Menschen lebten mit dem Koffer in der Hand in den Kellern, in Bunkern oder in selbstgegrabenen Stollen. Die "Operation Plunder" der Alliierten, "Landraub", so der Deckname, war angelaufen.

Ziel war die Überquerung des Rheins. Rund eine Million Soldaten dreier Nationalitäten standen unter dem Oberbefehl des britischen Feldmarschalls Montgomery, bereit, auf die Ostseite des Rheines zu gelangen. Bomber sollten den Widerstand der deutschen Seite brechen, den Nachschub und die Nachschubwege zerstören.

Die Rheinbacher Bürger hatten in den ersten Märztagen den "Schwarzen Tag" noch grauenhaft in Erinnerung: Am Montag, 29. Januar, war ein Bombenteppich auf die Stadt niedergegangen, der zahllose Häuser zerstörte und 200 Menschen in den Tod riss. Der 1. März sollte ein weiterer Schicksalstag werden.

"70 Bomber vom Typ Marauder griffen von 11 Uhr bis 12.19 Uhr die Stadt an, um Straßenknotenpunkte zu zerstören", schreibt Karl Settegast in einem bislang unveröffentlichten erweiterten Manuskript zu der Broschüre "Rheinbach vor 40 Jahren". Die Bomben rissen haustiefe Trichter in den Gärten zwischen dem Krankenhaus und der Gymnasiumstraße. Häuser fielen in sich zusammen, 49 Menschen fanden den Tod.

"Darunter die Familie Hillmann mit der guten Lehrerin Maria Hillmann, die 16 Jahre bei uns die Kinder im Geist Jesu erzogen hat", schreibt Dechant Bertram in seiner "Chronik der Luftkriege". Auch Oberinspektor Hubert Pfahl, seine Frau, seine Tochter Josefine und seine Schwester Agathe wurden im Hermann-Josef-Kolleg unter den Trümmern begraben. "Ebenso Studienrat Theo Fischer, der verdienstvolle Lehrer an der Studienanstalt Unserer lieben Frau", so Bertram.

Und der Terror ging weiter: Die Sankt-Martin-Kirche fiel am 5. März in sich zusammen. "Die Leute weinten, als sie das schreckliche Bild erblickten", erinnert sich der Dechant. Fünf Menschen starben noch an diesem 5. März, drei Rheinbacher einen Tag später, kurz bevor die Amerikaner einrückten.

Aber nicht nur die Stadt Rheinbach lag in diesen Märztagen unter Beschuss, selbst in den Ortsteilen und Dörfern waren die Menschen ihres Lebens nicht sicher. Eine umfangreiche Chronik des Geschehens hat mit pathetischen Worten der Oberdreeser Gemeindevorsteher Peter Loben, der später von den Amerikanern eingesetzt worden war, verfasst.

"Der kommenden Jugend sollen diese Zeilen als Vermächtnis derer gelten, die in gutem Glauben in den Kampf zogen und nicht zurückkehrten," gibt Loben mit seinen Zeilen ein beredtes Zeugnis dieser Zeit ab. "Seitdem der Feind an der Reichsgrenze stand, lagen in Oberdrees auch wieder Soldaten", berichtet er. Es seien Einheiten der SS Division "Frunsberg" gewesen. "Ihr unvorsichtiges, ja geradezu unmilitärisches Verhalten verschuldete einen Angriff amerikanischer Jagdbomber auf Oberdrees."

Dabei sei die Wirtschaft des Toni Beißel hinweggefetzt worden. 20 Soldaten lagen verstümmelt in den Bautrümmern, sechs starben auf dem Weg ins Lazarett. Von den Ortseinwohnern sei niemand zu Schaden gekommen, bilanzierte Loben. Aufgeschrieben hat er, dass am 29. Januar in Rheinbach die Oberdreeser Albert Oepen, Heinrich Mahlberg, Heinrich Hambach und Katharina Ezelius ums Leben kamen. Ende Februar mussten Panzersperren in Oberdrees gebaut werden.

Die Ortskommandantur hatte die Ortsverteidigung fertig. Das Parteioberhaupt: "Wir sind gewappnet, der Gegner kann kommen, Oberdrees wird ihn heiß empfangen." Loben schätzte die Lage anders ein: "Die Frühjahrsoffensive der Alliierten an der Westfront hat auf breiter Front begonnen. Das Inferno der Angriffsschlacht tobt. Diesem Grauen hat der deutsche Landser nichts mehr entgegenzusetzen, als nur sein nacktes Leben."

Am 2. März, so stellte der Landwirt fest, setzte ein toller Rückzugsbetrieb von Seiten der Wehrmacht ein. Ein geschlagenes Heer flutete zurück. Am 3. März schießt der Ami bis nach Kuchenheim, die Oberdreeser Kommandantur rückt mitsamt ihren Verteidigungsplänen ab. In der Nacht zum 6. März fielen Phosphorgranaten auf Oberdrees. Ein landwirtschaftlicher Betrieb ging in Flammen auf. Keine Wasserleitung ging mehr. Eimerketten wurden gebildet. Mit Jauche wurde man der Flammen Herr.

Wenig später, bei einem zweiten Feuerüberfall starb Regierungsrat Heinz Krückel. Gegen 5.15 Uhr sichtet Loben "erdbraune Gestalten". Es sind die ersten Amerikaner, die von Odendorf her kamen. Die Oberdreeser nahmen an, "nun ist der Krieg vorbei". Doch wenig später beschießt deutsche Artillerie das Dorf von Buschhoven aus. Katharina Metternich, Tochter Anna und deren Kinder Katharina und Annemie sterben.

Insgesamt 15 Oberdreeser Zivilpersonen, stellt Loben fest, büßten ihr Leben durch Kriegsgeschehen ein, "von 200 Söhnen der Gemeinde sollten 27 die Heimat nicht wiedersehen".